Frankens Berlinale

Die 49. Edition der Internationalen Filmtage Hof rückt Ostoberfranken wieder in den Fokus der cinematographischen Welt

Frankens Berlinale

 „Nie belehrend, dafür um so mutiger und kraftvoll“, so lautete im letzten Jahr eine der vielen enthusiastischen Äußerungen über das Hofer Filmfestival, das auch im Oktober 2015 wieder alle Aficionados der Kinokunst in den relativ abseits gelegenen Winkel Ostoberfrankens locken wird. Für Wim Wenders, der wie viele andere erfolgreiche Regisseure – nennen wir nur Caroline Link, Christoph Schlingensief oder Tom Tykwer – seinen ersten Film in Hof präsentierte, ist die Stadt „Home of Film“. Und das mit geradezu familiärem Charakter: In der Tat wird Hof alljährlich zum Mekka der Filmbranche, denn es versammeln sich etablierte Größen ebenso wie aufstrebende Talente oder Menschen aus Filmstudios und -hochschulen um ihre gemeinsame Leidenschaft. Christoph Schlingensief urteilte, Hof sei das Festival eines „radikal besetzten Achtundsechzigers und seiner Verbündeten“, die mehr für den deutschen Film getan hätten als die Berlinale, München, Oberhausen und Mannheim zusammen.

 

Einmal mehr werden die Hofer Filmtage in diesem Herbst – genauer: zwischen dem 20. und 25. Oktober – zu einem Ereignis avancieren, das Hof und seiner Region weit über alle Grenzen hinaus Beachtung bringt und Tausende von Kinobesuchern, Filmemachern, Stars und Neugierigen anzieht. Alle Hotels sind dann ausgebucht, und in den Fußgängerzonen bummeln Prominente entspannt neben den Einheimischen. Die Filmtage sind eines der renommiertesten deutschen Filmfestivals und nach wie vor die Talentschmiede der deutschen Filmemacher. Journalisten und Regisseure lieben diese besondere Mischung, und die Einheimischen sind zu Recht mächtig stolz auf „ihre“ Filmtage. Auch im 49. Jahr wird der Festivalgründer und -leiter Heinz Badewitz seine Auswahl an spannenden, bewegenden und interessanten neuen Filmen aus Deutschland und der ganzen Welt vorstellen. Dann wird Hof zum Laufsteg der großen Herbstkollektion des neuesten deutschen Films.

 

Wenn die 49. Internationalen Hofer Filmtage am 20. Oktober eröffnet werden, wird ab diesem Jahr erstmals ein neuer Filmpreis für den besten Dokumentarfilm vergeben. Er nennt sich: „GRANIT – HOFER DOKUMENTARFILMPREIS der Hermann und Bertl Müller Stiftung“. Diese in Hof ansässige Stiftung, die 1995 mit dem Ziel der Förderung von Kultur, Kunst und Denkmalpflege sowie Tierschutz gegründet wurde, vergibt den mit 7.500,- € dotierten Preis für einen abendfüllenden Dokumentarfilm aus deutscher Produktion. Festivalleiter Heinz Badewitz meint dazu: „Wir haben neben den Spiel- und Kurzfilmen auch schon immer den Dokumentarfilm in unserem Programm gepflegt. In den letzten Jahren hat der deutsche Dokumentarfilm auch international an Präsenz gewonnen. Deshalb freut es mich sehr, dass die Hermann und Bertl Müller Stiftung diesen Preis auslobt und die Dokumentarfilmer unterstützt“. Der Name „Granit“ entstand aus der Überlegung heraus, dass Dokumentarfilmemacher häufig großen Belastungen ausgesetzt sind, lange Recherche- und Vorbereitungszeiten haben, oft lange auf die richtige Einstellung warten müssen und leicht in Gefahrensituationen kommen, kurz gesagt „hart wie Granit“ sein sollten. Zudem ist Granit eine typische Gesteinsart der Region rund um Hof. Im Übrigen verweist auch die Zusammenarbeit mit dem europäischen Fortbildungszentrum für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk in Wunsiedel auf das Namen gebende Material.

 

Der Programmkatalog für die Internationalen Hofer Filmtage kommt am Freitag vor Festivalbeginn druckfrisch in die regionalen Buchhandlungen, die Filmübersicht mit Vorstellungszeiten wird einige Tage vorher auf der Website stehen (http://www.hofer-filmtage.com). Kino-Tickets können an der Kasse in der Hofer Altstadt zum moderaten Preis von 6,00 € pro Tagesvorstellung und 7,00 € pro Abendvorstellung gekauft werden. Am Dienstag, 20. Oktober, ist die Kasse ab 17.00 Uhr geöffnet, an den folgenden Tagen ab 10.30 bis 22.00 Uhr. Es gibt für alle Vorstellungen Ticketkontingente, doch da viele Premieren schnell ausverkauft sind, ist es gut, sich von vorneherein die Wiederholungsvorstellungen auszusuchen. Alle Filme laufen in der Regel zwei mal. Reservierung oder Vorbestellung von Karten ist leider nicht möglich, doch das erhöht die Möglichkeiten eines Kinobesuches für Kurzentschlossene. Am Sonntag ist Publikumstag, dann laufen die interessantesten Filme nochmals. Dafür werden ab Mittwoch Karten in ausreichender Menge verkauft.

 

Übrigens zeugt auch die Liste der Förderer und Unterstützer von dem hohen Ansehen der Hofer Filmtage. Zu nennen sind neben Sponsoren aus der Wirtschaft (wie der „Unternehmerinitiative Oberfranken“) vor allem die Bundesregierung (mittels des Beauftragten für Kultur und Medien), der Freistaat Bayern, der Bezirk Oberfranken und die Stadt Hof. Ab 20. Oktober dürfen alle Filmfreunde wieder gespannt nach Hof schauen und sich auf Aktuelles, Bewegendes oder auch Brisantes freuen, jedenfalls auf innovatives Kino!


Premiere „Scalakino“, Foto © Hofer Filmtage

 

Martin Köhl
07.10.2015

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