Barbara Klemm trifft Johann Wolfgang Goethe

„Reisenotizen“ im Schiller-Museum Weimar

Barbara Klemm trifft Johann Wolfgang Goethe

 Dass Goethe sich auch immer wieder in der Kunst des Zeichnens versuchte, ist bekannt. Rund 2600 Handzeichnungen des Dichters haben sich erhalten. Eine Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar in Kooperation mit dem Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg macht es noch bis zum 1. November möglich, eine Auswahl von etwa fünf Dutzend Skizzen und Tuschezeichnungen aus Goethes Hand in Augenschein zu nehmen. Ihnen werden ein Schock Landschaftsaufnahmen von Barbara Klemm gegenübergestellt.

 

Mit diesen Fotografien reagiert Klemm explizit auf Goethe. 1939 in Münster geboren und in Karlsruhe aufgewachsen, fotografierte Klemm von 1970 an dreieinhalb Jahrzehnte lang für die FAZ. Vor allem für ihre Portraits von Politikern und von Künstlern – darunter Andy Warhol, Rainer Werner Fassbinder, Helene Weigel, Claudio Abbado, Richard Serra und Tom Waits – hat sie viel Beifall erhalten. Barbara Klemm, die so gut wie immer ohne Stativ arbeitet, mit zwei Kleinbildkameras (einer Spiegelreflex- und einer Messsucherkamera), hat sich auf Goethes Spuren begeben und sich von dessen Reisezeichnungen aus Deutschland, der Schweiz und Italien zu fotografischen Pendants inspirieren lassen.

 

Gerade für Wolken hatte Goethe ein Faible, und auch Klemm nimmt in ihren kleinformatigen, zumeist 30 × 40 Zentimeter großen Schwarz-Weiß-Aufnahmen diese Himmelsgebilde immer wieder in den Blick. Die Fotografien und Zeichnungen werden ergänzt um Exponate aus Goethes naturwissenschaftlichem Sammlungsnachlass. Goethe erteilte vor allem Künstlern, die Naturobjekte präzise wiederzugeben vermochten, den Auftrag, seine Sammlungsstücke zu zeichnen. Großen Wert legte er auf die Wiedergabe der räumlichen Dimension.

 

Barbara Klemm, Scheideblick nach Italien vom St. Gotthard, 2013, Schwarz-Weiß-Fotografie auf Barytpapier, 30 x 40 cm, © ALTANA Kunstsammlung

Jürgen Gräßer
08.10.2015

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