Romantische Hornquartette

Leipziger Hornquartett (Querstand)

Romantische Hornquartette

 Das Schöne an der Musik ist ja, unter vielem anderen, dass sich immer wieder aufs Neue Entdeckungen machen lassen. Wer etwa hätte jemals etwas von Constantin Homilius vernommen, über den sich selbst die großen Musiklexika ausschweigen? Gut, Hornisten schon, denn Homilius‘ Quartett für vier Waldhörner in F op. 38 ist recht beliebt, und mit dieser munter-frischen Preziose des Russlanddeutschen (1840 bis, vermutlich, 1918) eröffnet das Leipziger Hornquartett die in Zusammenarbeit mit dem MDR entstandene CD romantischer Hornquartette. Gern gemacht wird auch Gioachino Rossinis „Le Rendez-vous de chasse“, ursprünglich für vier Parforcehörner geschrieben, das die Leipziger hier sehr subtil umsetzen. Auch Antonio Richters „Six pièces“ sind für Jagdhörner komponiert (das eröffnende Andante stellt Sanglichkeit aufs Schönste aus), und auch über Richters Vita ist nur wenig bekannt, ebenso wie über den Lebensweg von Wilhelm Albrecht Lütgen, einem Zeitgenossen Robert Schuhmanns. Tatsächlich atmet Lütgens Quartett op. 19 den Geist der Romantik, lässt an Weber und Schumann denken. Und weil Romantik ohne Nacht nicht zu haben ist, passt Rimski-Korsakows Notturno wunderbar hierher, während Jacques-François Gallays klangfarbenreiches Grand Quatuor den Kreis schließt und zu Rossini zurückkehrt, dem es gewidmet ist. Die vier in Diensten des MDR-Sinfonieorchesters Leipzig stehenden Hornisten machen mit ihrer Musikalität und einem ungemein einnehmenden Ton deutlich, warum Christian Friedrich Daniel Schubert 1784 das Horn als „himmlisches Instrument“ apostrophieren konnte.

Jürgen Gräßer
09.10.2015

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