Im Banne der Sehnsuchtsinseln

Paradiesvögel, Vulkane und Riesenwarane

Im Banne der Sehnsuchtsinseln

 Der Frankfurter Buchmesse ist es geschuldet, dass in diesem Herbst etliche um Indonesien kreisende Bücher publiziert werden, denn im Oktober steht der südostasiatische Inselstaat in der Mainmetropole im Mittelpunkt. Dazu zählt der jetzt in der sehr schönen „Lesereise“-Reihe des Wiener Picus-Verlages herausgekommene Band des Hamburger Südostasien-Kenners Bernd Schiller. Auf wenig mehr als einhundert Seiten spannt Schiller den Bogen von der Millionenmetropole Jakarta, ehemals Batavia geheißen und Hauptstadt von Niederländisch-Ostindien, bis hin zu einem Abstecher zu den Steinzeit-Insulanern Westneuguineas, die noch in Strohhütten leben und in Einbäumen unterwegs sind. Java, Sumatra und Nias finden ebenso Beachtung wie Bali, wo in den Zwanzigern und Dreißigern des vergangenen Jahrhunderts Aussteiger und Künstler wie Vicki Baum und Walter Spies das Paradies zu finden hofften, wie Komodo und die benachbarten Eilande, „Sandkörner im größten Inselreich der Welt“, wo noch Riesenwarane leben, und die Gewürzinseln im Molukken-Archipel. Wer sich auf diese Lesereise einlässt, nimmt am indonesischen Alltag teil, kommt bisweilen aus dem Staunen nicht mehr heraus, darf sich an der Wok- und Garküche erfreuen und an Einblicken in eine zu großen Teilen noch immer paradiesische Welt. Wenn es mit Joseph Conrad das Ziel des Schreibens ist, andere sehen zu machen, so ist dies Bernd Schiller vorzüglich gelungen.

 

Bernd Schiller, Lesereise Indonesien. Java, Bali und andere Sehnsuchtsinseln. Wien: Picus, 2015. 132 Seiten, 14,90 Euro.

Jürgen Gräßer
09.10.2015

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