Gefeierter Nonsense

Ein Rückblick auf 150 Jahre „Alice im Wunderland“

Gefeierter Nonsense

 „Jemine! Jemine! Ich komme bestimmt zu spät“, so beginnt eines der legendärsten Kinderbücher der Welt und jeder weiß sofort, was es mit diesem Satz auf sich hat. Nicht nur das weiße Albino-Kaninchen mit der Taschenuhr, das an einem herrlichen Sommertag an der kleinen Alice vorbeieilt und dafür sorgt, dass das Mädchen durch ein Erdloch in eine völlig verrückte Welt katapultiert wird, ist Sinnbild eines ganzen Literaturgenres, sondern auch die Pfeife rauchende Raupe, die Grinsekatze, der verrückte Hutmacher und wie sie nicht alle heißen.

Auch nach 150 Jahren, und das ist ein wirklich beachtliches Alter, hat das Meisterwerk des britischen Schriftstellers Lewis Carroll (1832-1898), das zum Genre des literarischen Nonsense gezählt wird, noch immer nicht an Reiz verloren und begeistert auch heute Jung und Alt gleichermaßen. Unzählige Male wurde das Buch rezitiert und adaptiert – zuletzt vom Meister des skurrilen Films, dem einzigartigen Tim Burton. Die fast schon regelmäßig erscheinenden Neubearbeitungen des alten Manuskriptes und die daraus resultierende Popularität sind wohl nicht zuletzt der Grund dafür, dass die zu Anfang erwähnten Begrifflichkeiten unumgängliche Assoziationen hervorrufen.

Doch worin liegt diese unglaubliche, über die Jahrhunderte andauernde Strahlkraft begründet? Was hat Alice, was andere Buchprotagonisten nicht haben? Wahrscheinlich ist es das Phantastische, das Grelle und das Spiel mit Mathematik, Logik und Verstand, was Musiker und Maler, Theater- und Filmemacher, ja sogar Computerspieleentwickler bis heute inspiriert. Künstlergrößen wie Salvadore Dalí oder Die Beatles räumten ein, sich in ihren Werken an Alice orientiert zu haben. Und schon kurz nach Erscheinen von Carolls „Alice im Wunderland“ fand das Buch sofort Anklang. Es dauerte nicht lange und es wurde zum Kassenschlager, sodass der Schriftsteller eine Fortsetzung schrieb, die er 1871 unter dem Titel „Alice hinter den Spiegeln“ veröffentlichte. Auch den zweiten Teil konnte der geniale Schriftsteller erneut mit Erfolg verbuchen. Die Idee zu seinem Meisterwerk kam Lewis Caroll bei einer Fahrt auf der Themse drei Jahre zuvor. Die drei Töchter eines Bekannten erzählten ihm eine Geschichte, die als Hauptinspirationsquelle für „Alice im Wunderland“ gilt. Eine der Schwestern, Alice Pleasance Liddell, wurde schließlich das Vorbild für die Figur der Alice.

Anlässlich des 150. Geburtstags von „Alice im Wunderland“ erschien im Gerstenberg Verlag dieses Jahr die 2. Auflage einer Neuillustration des berühmten Kinderbuchklassikers, die in keiner Heimbibliothek fehlen sollte. Handgebunden und von der Niederländerin Floor Rieders liebevoll neu bebildert, wird die Geschichte um Alice ganz neu erlebbar.

Franziska Gurk
02.12.2015

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