Ida Gard - Womb

(Revolver/Rough Trade)

Ida Gard - Womb

 „Womb“, da kommt es dahergeschwebt, das dritte Album der 22jährigen Dänin, ganz langsam und edel verpackt, zaghaft und wunderschön leise, melodisch-melancholisch und Geschichten erzählend und doch mit dem nötigen BUMS. Der großen Musikindustrie hat sie die Tür vor den Füßen zugeschlagen. Sie verkaufe doch kein Lotterieticket, das längst gewonnen habe. An Selbstvertrauen mangelt es Ida Gard also nicht und der Erfolg gibt ihr Recht. I-Tunes Charts Top Ten, regelmäßiges Airplay in dänischen Radios, eine Nominierung für das beste Independent Pop Album weltweit sowie ein Feature ihres „Nothing`s Wrong Song“ im dänischen „The X Factor“. In Dänemark ist sie längst der aufsteigende, funkelnde Stern am Pophimmel. Und die internationale Karriere nimmt auch gut Fahrt auf. Die Inspiration zu „Womb“ entstammt dem schwedischen Erfolgsroman „Populärmusik från Vittula“, der vor gut zehn Jahren von Regisseur Reza Bagher verfilmt wurde. „Womb“ steht für Mutterleib, für Ida der Platz auf der Welt, den alle Menschen kennen, unabhängig davon wo sie leben oder aufgewachsen sind. Dass darin auch „wrooom!“ oder „boom“ steckt, verkörpere das Mitschwingen von emotionaler und physischer Energie. Tatsächlich geht es im Film um jugendliche Landeier, die eine Band gründen und mit einem kleinen bisschen Rock`n`Roll aus ihrer ländlichen Idylle auszubrechen suchen. Nachahmenswert, findet Ida Gard offensichtlich. Entstanden ist ein ganz erwachsener, aber völlig von Zwängen losgelöster Blick auf das Heranwachsen in der lähmenden Enge eines Dorfes und die mit der Entdeckung des Rock’n’Rolls verbundene Reise in die (gedankliche) Freiheit. Tabulos, scharf und tief, kraftvoll, bisweilen laut, doch meistens leise, sanft, ruhig und akustisch fliegen dem Hörer die Songs um die Ohren wie Seifenblasen, die ihr Tempo ständig ändern. Ab und zu platzt auch eine. Die Stimme dabei ausdrucksstark und emotional, sexy, schüchtern und schonungslos zugleich. Kühl aber zauberhaft. Ein wahrlich besonderes Stück Popmusik. Ein künstlerischer Mikrokosmos ohne Kompromisse. Eine Zuckerstange im Hörspielformat, für die es sich unbedingt lohnt am 11.03. im Club Stereo in Nürnberg vorbeizuschauen, um Ida Gard live gegenüberzustehen.

Oliver Will
27.01.2016

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