Asoziale Medien

So you‘ve been publicly shamed

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 Um diesen Sturm auszulösen, bedarf es nicht viel. Eine falsche Bemerkung, ein misslungener Kommentar oder ein schlechter Witz genügen vollkommen und die Empörungswelle rollt los und walzt alles nieder. Mit verheerenden Folgen für die Betroffenen. Die Reputation ist ruiniert, manchmal ist sogar der Job weg. Der Name dieses gewaltigen Phänomens: Shitstorm. So wird zumindest im Deutschen das massenhafte Auftreten negativer Kritik gegen eine Person im Internet genannt. Social Media hat nicht nur schöne Seiten, sondern auch extrem düstere. Das zeigt sich besonders dann, wenn „ein wütender Mob“ auf Jagd geht und die Betroffenen virtuell via Twitter, Facebook und Co. „zerfetzt“, wie es der walisische Journalist Jon Ronson in seinem neuen Buch „So You‘ve Been Publicly Shamed“ nennt, das derzeit nur im englischen Original erhältlich ist. Drei Jahre lang hat der 48-Jährige für sein Werk recherchiert und mit den Opfern von Shitstorms gesprochen. Mit Durchschnittsbürgern, die ein einziger, unbedachter Tweet an den öffentlichen Pranger brachte bis hin zu prominenten Nachwuchsautoren, deren Fälschung von Bob Dylan-Zitaten zur Einstampfung ganzer Bücher führte. Jon Ronson lässt in seinem Buch beide Seiten zu Wort kommen. Diejenigen, die mit ihrer Berichterstattung einen Shitstorm auslösten und diejenigen, die in ihm untergingen. Mit seiner leicht naiven Herangehensweise gelingt es ihm, eine außergewöhnliche, unvoreingenommene Perspektive auf das Thema einzunehmen. Das Buch liest sich flüssig wie ein Thriller und lässt sich mit Schulenglisch gut bewältigen. Absolut empfehlenswert! Einen sehenswerten, englischsprachigen Vortrag von Jon Ronson zu dem Thema gibt es unter http://bit.ly/1JeCY2h

 

Jon Ronson: So You‘ve Been Publicly Shamed, Picador, Englisch, 240 Seiten, 11,95 Euro, ISBN-13: 978-0330492294

Frank Gundermann
27.01.2016

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