17 Uhr Tanztee - SpVgg Linden Nord

(Rummelplatzmusik/Cargo)

17 Uhr Tanztee -  SpVgg Linden Nord

 13 Musiker, 13 Tracks, eine heile Klangwelt, eine runde CD. Die Spielvereinigung Linden Nord, ganz lokalpatriotisch nach dem Stadtteil ihrer Heimatstadt Hannover benannt, lädt zum Tanztee um 17 Uhr. Und der Titel ist Programm. Die Band strotzt nur so von musikalischen Reminiszenzen und Retrospektiven und bringt zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten, was der deutschsprachige Independentschlager in seinen besten Jahren zu bieten hatte. „Komm und bedien Dich“ lädt der Opener die nostalgische Hörerschaft in das musikalische Retrogeschehen und gibt zum Besten, was heute eher unter dem Titel „Help Yourself“, gesungen von Tom Jones, bekannt ist. Dabei hat Peter Alexander damit bereits 1968 für Furore gesorgt. Den deutschen Text lieferte Kurt Feltz, aus dessen Schreibschatulle es mit „Mambo Italiano“ (Bob Merril) und „Tipitipitipso“, komponiert von Heinz Gietz, zwei weitere Lieder auf die CD schafften. Und auch letzterer stand mehrfach Pate für die Musikauswahl der Spielvereinigung. Mit „Cara-Caramel Chocolat“ nimmt die Big Band noch einen Song von ihm auf ihr Album. Zudem bedient sie sich mit „Du bist heute wie neu“ und „Hochzeitsnacht“ bei Günter Fischer und verwandelt sich kurzerhand in eine VolksEigeneBand, die das ostdeutsche Schlagergut und mit ihm Manfred Krug in ihr Portfolio integriert. Amiga und die 70er Jahre lassen grüßen. Paul Kuhn und Caterina Valente ergänzen die Zusammenstellung aus einer Zeit, als der Schlager und seine Fans noch bevorzugt nach Italien reisten. Wohl seltener nach „Istanbul“, auch wenn Valente es seinerzeit besang. Die Hannoveraner sind ihm beigetreten, dem Club der Toten Schlager und entstauben bekannte Titel der 50er und 60er Jahre, wie wir es sonst beispielsweise von Götz Alsmann kennen. Und auch wenn sie mit dem großen Macher der deutschen Schlager-Jazz-Szene nicht wirklich gleichziehen können und weniger selektiv und mutig bei ihrer Repertoire-Auswahl sind, musikalisch ist das Album einwandfrei: warmherzig, authentisch, professionell und mit der nötigen Portion an Leidenschaft und Spaß an der gewählten Musik- und Kulturperiode.
 

Oliver Will
23.03.2016

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