Germanenkult

Wagner-Illustrationen von Ferdinand Leeke

Germanenkult

 Friedrich Nietzsche war schockiert über das, was er 1876 bei den ersten Bayreuther Festspielen erlebte:?„Man hatte Wagner ins Deutsche übersetzt! [...] Die deutsche Kunst! Der deutsche Meister! das deutsche Bier!“ Cosima Wagner, ihr künftiger Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain und der sie umgebende „Bayreuther Kreis“ hatten das Erbe und das Bild Richard Wagners fest im Antimodernismus des Deutschen Kaiserreichs verankert.

Ungeheure Verbreitung und damit Verfestigung erfuhr das Bild eines „germanischen“ Wagner in den Gouachen des Malers Ferdinand August Leeke (1859 – 1937), die Siegfried Wagner Ende des 19. Jahrhunderts, im Andenken an seinen Vater, bei dem Künstler in Auftrag gab. Sie dienten als Druckvorlagen für aufwendige Mappenwerke und unzählige Postkarten.

Leeke, Absolvent der Königlichen Akademie der Künste in München, war als Maler und Illustrator in der Landeshauptstadt tätig und schuf neben Genrebildern und Porträts vor allem Darstellungen der germanischen Sagenwelt. Seine Illustrationen der Musikdramen Wagners sind nicht nur ein Spiegel des damaligen realistischen und pathetischen Aufführungsstils, sondern auch das Abbild des politischen Zeitgeists, der die „Deutsche Kunst“ und den „Deutschen Geist“ über alles andere stellte und als Ausdruck des „deutschen Wesens“ missverstand, an dem angeblich „die Welt genesen“ sollte.

Das Richard Wagner Museum blickt 2016 in zwei sehr unterschiedlichen Ausstellungen auf das Wagner-Bild damals und heute. Nach den Illustrationen von Ferdinand Leeke, die die bis weit ins 20. Jahrhundert die verbindliche Wagner-Ikonographie repräsentieren, präsentiert die Sommerausstellung 2016 Theaterfotografien von Monika Rittershaus. Diese zeigen die vielfältige und vielschichtige moderne und postmoderne Wagner-Rezeption der vergangenen 20 Jahre auf den Opernbühnen weltweit.

Sonderausstellung vom 15. März bis 29. Mai 2016 im Richard Wagner Museum Bayreuth
 

 

Copyright Foto:

Wotans Abschied – Postkarte nach einer Vorlage von Ferdinand Leeke, 1895, © Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth


23.03.2016

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