„Das Leben ist kein Nullsummenspiel.“

Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit

„Das Leben ist kein Nullsummenspiel.“

 Wenn man auf sein eigenes bisheriges Leben zurückblickt, kommt einem unweigerlich der Gedanke nach der Sinnhaftigkeit mancher Ereignisse. Die Erkenntnis – oder vielleicht besser Akzeptanz – dass irgendwie doch alles bisher Geschehene seine Richtigkeit hatte, kommt erst mit der Zeit, auch ohne Gottglauben. Denn „das Leben ist kein Nullsummenspiel. Es schuldet einem nichts.“ (und trotzdem gibt es wohl kaum jemanden, der sich und seinen Weg nicht doch hin und wieder hinterfragt.)

In Benedict Wells neuem Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ wird genau das zum Thema, eingebettet in die Lebens- und Liebesgeschichte von Jules Moreau, eines Jungen, der schon früh seine Eltern verliert, gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern in einem Internat bei München aufwächst und im Laufe seines Lebens an verschiedene Scheidewege gerät. So unspektakulär diese aufs Wesentliche heruntergebrochene Geschichte auch klingen mag, so außergewöhnlich ist sie. Vor allem, weil der junge Benedict Wells ein erstklassiger Geschichtenerzähler ist – aber keiner von der sentimentalen Sorte. Ungeschönt, ohne jeden Schnörkel, aber trotzdem ungemein berührend (Ja, das geht!) ist dieser Roman, und auch all jenen, die Familienromane erst gar nicht anrühren, dringend zu empfehlen.

Dieser Roman ist anders und liest sich in einem Schwung weg. Chapeau, Jules Moreau!
 

Franziska Gurk
28.07.2016

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