„Ich genieße es kolossal, dass wir uns hier austoben können“

„Ich genieße es kolossal, dass wir uns hier austoben können“

 Bamberg. Er ist Kleinkünstler, Chansonnier, Experte für Grusel-Lesungen, Schauspieler und Theaterleiter. Im nana theater im Club Kaulberg präsentiert Arnd Rühlmann mittlerweile in der zweiten Spielzeit ein vielfältiges Programm aus Musik- und Theaterproduktionen. Art5Drei sprach mit dem 40-Jährigen über die Vorzüge eines festen Spielorts, die bislang erfolgreichsten Veranstaltungen, kommende Schundliteratur-Events sowie die Vorteile eines eigenen Theaters.

 

Interview:

 

Art.5|III:

Das nana theater im Club Kaulberg wurde von Ihnen am 8. Oktober 2011 als feste Spielstätte eröffnet. Wie fällt Ihre Bilanz nach rund eineinhalb Jahren aus, entspricht es Ihren Vorstellungen?

Arnd Rühlmann:

Prinzipiell kommt ja alles eh immer ganz anders, als man sich das irgendwann mal vorstellt. Wobei ich gar nicht weiß, ob ich ernsthaft konkrete Vorstellungen hatte, als ich hier angefangen habe. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden, wie es sich entwickelt hat. Wir haben alle viel Spaß. Wir haben schöne Produktionen auf der Bühne und sicherlich sind wir immer noch dabei uns ein eigenes Publikum zu erspielen. Natürlich könnten es durchaus noch ein paar mehr Zuschauer sein, aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Es lässt sich tatsächlich beobachten, dass wir langsam ein eigenes Stammpublikum bekommen, also Besucher, die regelmäßig auftauchen und denen unsere Produktionen sehr gefallen, was mich natürlich freut.

Art.5|III:

Sie haben in der ersten Spielzeit sehr viele Produktionen präsentiert. Hat sich der Aufführungsrhythmus mittlerweile geändert?

Arnd Rühlmann:

Seitdem wir eröffnet haben, haben wir ein Pensum von circa acht bis zehn Veranstaltungen im Monat absolviert. Das behalten wir aktuell bei. Wobei ich im Moment ein bisschen an unserem Konzept feile und es nach der Sommerpause überarbeiten werde. Für die nächste Spielzeit bin ich am Überlegen, ob wir in Zukunft vielleicht etwas weniger Vorstellungen pro Monat veranstalten, aber das ist gerade noch Theorie. 

Art.5|III:

Wird es in Zukunft auch Kooperationen mit anderen Bamberger Kultureinrichtungen geben?

Arnd Rühlmann:

Bislang ist in der Richtung noch nichts angedacht, aber selbstverständlich tauscht man sich in Bamberg mit anderen Künstlern aus. Albert Herrnleben vom Figurenkabarett Herrnleben ist beispielsweise zusammen mit Mirjam Drewniak bei meiner Lesungsreihe‚ Leichen im Keller’ aufgetreten. Dafür bin ich wiederum bei den Klezmertagen dabeigewesen, die Albert Herrnleben organisiert. Ein Austausch mit der freien Szene findet natürlich statt, wobei ich glaube, dass dies innerhalb von Bamberg nichts Spektakuläres, sondern etwas ganz Normales ist. Ich finde es jedoch generell interessanter Leute aus anderen Städten ins nana theater zu holen, die eben sonst in Bamberg nicht spielen würden – ob das zum Beispiel Christiane Hess vom Theater am Barg in Hannover ist oder die Erlanger Musikkabarettistin Johanna Moll. 

Art.5|III:

Vor kurzem ist bei Ihnen auch das Pop-Duo ‚Wortfront’ aufgetreten.

Arnd Rühlmann:

Das war bislang unser einziges, echtes Stargastspiel. Sandra Kreisler, die Tochter von Georg Kreisler, und ihr Mann Roger Stein bilden dieses unglaublich großartige Duo ‚Wortfront’. Das war ein wirklich fantastischer Abend. Ich freue mich schon sehr, denn sie werden höchstwahrscheinlich in der nächsten Spielzeit wieder bei uns sein, weil es ihnen so gut gefallen hat. Das ist natürlich auch toll, wenn Leute, die normalerweise viel größere Hallen und Bühnen füllen, dann gerne wieder zu uns kommen, weil es ihnen so gut gefallen hat. Das ist für mich die schönste Bestätigung. 

Art.5|III:

Eine regelmäßige Veranstaltung, die Sie 14-tägig im Club Kaulberg veranstalten, sind die ‚Leichen im Keller’-Lesungen, bei denen Krimi- und Horror-Geschichten präsentiert werden. 2014 werden Sie das 15-jährige Jubiläum der Reihe feiern. Zudem findet seit 2011 jährlich der Krimi-Tag im Club Kaulberg statt, bei dem fränkische Krimi-Autoren ihre Werke vorstellen. Sind Krimi- und Grusel-Themen ein Schwerpunkt im nana theater?

Arnd Rühlmann:

Das hat sich einfach so ergeben, auch dadurch, dass dieses Genre etwas ist, was mir Spaß macht und ein Publikum findet. Durch Veranstaltungen wie den Krimi-Tag kommen beispielsweise auch Kontakte zu weiteren Schriftstellern zustande. Autoren sind vom Raum und der Atmosphäre begeistert und daraus ergeben sich dann zusätzliche Solo-Lesungen.

Art.5|III:

Gibt es auch Themen oder Veranstaltungsformate, die im nana theater nicht funktionieren?

Arnd Rühlmann:

Prinzipiell ist es so, dass es die Künstler von außerhalb schwerer haben. Aber ich kann nicht sagen, dass irgendein Genre nicht funktionieren würde. Das ist sehr unterschiedlich. Es soll ja hier durchaus auch die Möglichkeit zum Experiment geben. Und die möchte ich auch in Zukunft nicht verbauen. Wenn eine Veranstaltung dann mal nur ein kleineres Publikum findet, dann ist das halt so. Die Hauptsache ist, wir halten das qualitative Niveau. 

Art.5|III:

Sie treten regelmäßig mit Theaterstücken und Lesungen im Club Kaulberg auf, was eine ziemliche Belastung neben der Organisation des Theaters ist.

Arnd Rühlmann:

Eigentlich ist es ja anders herum. Auf der Bühne zu stehen, ist mein Hauptberuf und die Organisation dieses Ladens ist das, was damit einhergeht. Diese organisatorischen Dinge werden mir manchmal auch ein bisschen viel. Aber selbstverständlich ist es mir schon wichtig auf der Bühne zu stehen. Es ergeben sich immer neue Sachen. Ich freue mich wahnsinnig auf März und April, da gibt es zwei spannende neue Veranstaltungen. Vor fast 8 Jahren bin ich mit Jürgen Heimüller, der ja sowieso mein ständiger musikalischer Partner ist sowie mit der Sängerin  Angelique Verdel regelmäßig unter dem Namen ‚A Girl‘s Best Friends’ aufgetreten. Wir haben sehr viel a capella gesungen, dreistimmiger Gesang, teilweise auch mit Klavierbegleitung, und haben alle unsere Lieblingslieder präsentiert – vom Musical über Grand Prix, Pop und Rock bis zu Blues. Das hat sehr viel Spaß gemacht, ist aber dann irgendwann auseinandergegangen. Jetzt wird es eine Wiedervereinigung geben. Darauf freue ich mich immens, da es mein persönliches musikalisches Highlight der nächsten Wochen sein wird. Zusätzlich habe ich für Anfang April zusammen mit der Schauspielerin Ursula Gumbsch noch eine Veranstaltung geplant, die eventuell der Start einer neuen Reihe sein könnte, unter dem Titel „Shades of Schmalz – Hanuta Gonzales und Ursula Gumbsch lesen Schundliteratur’.

Art.5|III:

Das heißt, Sie werden in der Rolle der divenhaften Hanuta Gonzales vor allem erotische Trivialliteratur vorstellen?

Arnd Rühlmann:

Alles was Schmalz und Schund ist, wird dort verbraten werden. Es gibt so viele schlechte Literatur und wir werden ein großes Vergnügen daran haben, sie zu präsentieren. Warum eigentlich immer nur gute Sachen lesen, wenn doch die Mehrheit, wie die Verkaufszahlen des Erotik-Bestsellers ‚Fifty Shades of Grey’ zeigen, den Mist liest. 

Art.5|III:

Das nana theater bietet neben Theaterstücken auch musikalische Veranstaltungen an. Was macht den Großteil der Produktionen aus?   

Arnd Rühlmann:

Das ist schwer zu sagen. Wir haben sicherlich einen kleinen Schwerpunkt auf Literatur, aber wir haben auch einen kleinen Schwerpunkt auf Musik und Chanson und auch unsere Theaterproduktionen wie ‚Bring mir den Kopf vom Nikolaus’ wurden sehr gut aufgenommen. Gerade bei ‚Bring mir den Kopf vom Nikolaus’ war die Zusammenarbeit mit einem so großartigen Regisseur wie Marcus Everding wirklich eine herausragende Erfahrung, von der ich sehr profitieren konnte. Dass sich jemand von diesem Format bereit erklärt seine erste Off-Theaterproduktion seit Jahrzehnten in diesem kleinen Rahmen umzusetzen, das war natürlich grandios. Aber auch andere Produktionen liefen sehr erfolgreich wie beispielsweise das Stück ‚Von oben herab’ von Ursula Gumbsch und Stephan Bach. Alle diese Veranstaltungen sollen ihren Platz im Nana-Theater finden.

Art.5|III:

Der Club Kaulberg ist mit maximal 60 Sitzplätzen recht klein. Was sind die Vorteile des Raums?

Arnd Rühlmann:

Die Akustik hier unten ist wirklich ganz fantastisch. Da bin ich jedes Mal wieder begeistert, sowohl bei den Sprachveranstaltungen, also auch bei den musikalischen Veranstaltungen. Wir konnten bisher die meisten Konzerte komplett unverstärkt stattfinden lassen. Die eher kleine Größe des Raums macht allerdings auch den Charme aus und trägt zur Atmosphäre bei. Die Bühnenmöglichkeiten sind beschränkt, gerade auch was Lichttechnik betrifft. Aber man muss eh immer mit den Möglichkeiten arbeiten, die man hat und beschränkte Möglichkeiten machen unter Umständen sehr kreativ. 

Art.5|III:

Zum Abschluss: Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des nana theater gibt es da noch Projekte, die Sie gerne realisieren würden?

Arnd Rühlmann:

Ideen, was ich gerne noch alles machen würde, habe ich jede Menge. Aber das ist derzeit alles noch in meinem Hirn und es ist noch nichts Spruchreifes dabei. Im Moment genieße ich einfach kolossal, dass wir uns hier wirklich austoben können und eine eigene Spielwiese haben, wo wir – ohne uns Einschränkungen auferlegen zu müssen – auf die Bühne bringen können, wonach uns der Sinn steht. Das ist ein Umstand, den ich hier sehr genieße und den auch die Kollegen genießen. Natürlich immer in der Hoffnung, dass es dann auch dem Publikum gefällt – aber bis jetzt hat das eigentlich immer ganz gut geklappt.

 

Fotos: nana theater Bamberg

 

Info:

 

Alle Infos zum aktuellen Programm des nana theaters im Club Kaulberg gibt es unter

www.clubkaulberg.com.

 

 

 

Frank Gundermann
04.04.2013

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