Kultur im Landkreis Kulmbach

Keine Spur von staubtrockener Geschichte

Kultur im Landkreis Kulmbach

 Wie beginnt man eine kulturelle Umschau im Landkreis Kulmbach? Am besten mit einem geschichtlichen Rundumschlag. Hätten die Meranier, Orlamünder, Hohenzollern und Preußen damals etwas von den ausufernden Festlichkeiten geahnt, die heute auf der Plassenburg stattfinden – wir denken da vor allem an das Plassenburg Open Air – hätten sie sich sicher markgräflich oder sogar königlich gefreut. Feste feiert man schließlich so, wie sie fallen. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Kulmbach unter der Herrschaft der Preußen – das war hingegen nicht immer so und wird es wohl auch nicht mehr sein. Das für den Franken eher schmachvolle (weil mit den Preußen ja nicht so recht Kirschen essen ist), wenn auch kurze Kapitel in der bewegten Geschichte der Region, ist doch zumindest so interessant, dass man auf der alten Veste Plassenburg das „Armeemuseum Friedrich der Große“ eingerichtet hat. Hier haben seltene Militaria der Armee unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. sowie seines Sohnes, dem Alten Fritz, ihren Platz gefunden. Die Geschichte des Preußischen Militärstaats und dessen 14-jährigen Herrschaft der fränkischen Stammlande wird im Armeemuseum auf der Plassenburg mit Hilfe zahlreicher Exponate anschaulich präsentiert.

Aber gehen wir historisch doch noch einmal ein oder mehrere Schritte zurück. Als eine der größten Festungsbauten der Renaissance war die Plassenburg sogar auf der Ebstorfer Landkarte – die größte Weltkarte des Mittelalters – verzeichnet. Um die wechselvolle Geschichte der Kulmbacher Lande umfassend zu beleuchten, ist es deshalb klar, dass sich auf der Plassenburg neben dem Armeemuseum auch das fränkische Hohenzollern-Museum angesiedelt hat. Die Hohenzollern waren für Franken und die Region in und um Kulmbach von großer Bedeutung, denn über viele Jahrhunderte herrschte hier jenes bedeutende Adelsgeschlecht. In den barocken Wohnräumen der Burg wird die Herrschaft unter den Hohenzollern und beiden Markgrafentümern Ansbach und Kulmbach-Bayreuth sowie unter den Preußen erlebbar. Ach, und anbei noch etwas: Eine Kopie der Ebstorfer Landkarte befindet sich im Landschaftsmuseum Obermain, das sich ebenfalls auf der Plassenburg befindet.

Sie merken es wahrscheinlich schon, wenn es irgendwo in Franken eine Fülle interessanter Museen gibt, dann im Landkreis Kulmbach. Mit der Plassenburg haben wir ja schon ein paar museale Highlights für Sie rausgepickt, aber eins geht noch: einen Besuch wert ist auch das Deutsche Dampflokomotiv Museum in Neuenmarkt-Wirsberg. Wir machen also zeitgeschichtlich einen (Quanten-)Sprung ins Industriezeitalter. Für alle Technik- und Geschichtsbegeisterten ist dieses Museum ein Muss, weil es als das größtes seiner Art in Europa gilt und am Fuße der „Schiefen Ebene“ liegt. Diese alte, unter Denkmalschutz stehende Bahnstrecke der Ludwig-Süd-Nord-Bahn überwindet einen Höhenunterschied von 158 Metern bei einer Steigung von 1:40 und wird noch immer befahren. Ausgehend vom ehemaligen Betriebswerk des Bahnhofs Neuenmarkt-Wirsberg, in dem sich heute das Museum befindet, werden regelmäßig Sonderfahrten mit Dampflokomotiven über die „Schiefe Ebene“ angeboten. Das Museum selbst beherbergt 30 Dampflokomotiven verschiedener Baureihen und Baujahre, darunter bayerische, preußische und sächsische. Untergebracht sind die Stahlgiganten im 15-ständigen Ringlokschuppen mit Segmentdrehscheibe. Wer genauer verstehen will, wie Bahnbetriebswerke und Dampfloks funktionierten, als sie noch in Dauerbetrieb waren, dem sei die Führung durch das Museum empfohlen, die 1-2 Mal im Monat stattfindet. Nach all der Denkarbeit wird es Zeit, sich mal die Füße zu vertreten. Entlang der „Schiefen Ebene“ zwischen Neuenmarkt-Wirsberg und Marktschorgast befindet sich ein Wanderweg, der an ausgewählten Punkten immer wieder zum Verweilen und Lesen der mit wissenswerten Fakten versehenen Informationstafeln einlädt. Über die „Schiefe Ebene“ kann man sich dann am Ende der Steilstrecke in Marktschorgast in einem Dokumentationszentrum informieren.

Wandern und Kulturluft schnuppern lässt sich aber auch andernorts. In der Tat ohnegleichen ist der Felsengarten Sanspareil in der Fränkischen Schweiz. Eingebettet in Felsformationen des Fränkischen Juras und einen alten Buchenhain unterhalb der Burg Zwernitz ließ Markgraf Friedrich von Bayreuth in den Jahren von 1744-48 einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild erbauen. Im Gegensatz zum angelsächsischen „Prototyp“ orientierte man sich in Sansparail jedoch an den Vorgaben der Natur. Die bizarren, in ihrer Ursprünglichkeit belassenen Kalksteinstaffagen und Höhlengruppierungen machen den Garten, der sich bewusst abseits barocker Normen bewegt, zu einem ganz besonderen Ort. Markgräfin Wilhelmine, die Schwester Friedrichs II., erklärte Sansparail zu ihrem Projekt. Sie unterwarf den Garten einer literarischen Programmgestaltung und orientierte sich dabei an dem französischen Roman „Die seltsamen Begebenheiten des Telemach“ von François Fénelon, das noch heute in Teilen ablesbar ist. Viele der Bauten, die die Gräfin anlegen ließ, sind heute nicht mehr vorhanden. Heute noch zu besichtigen ist hingegen das wunderschöne, bruchsteinerne Felsentheater im hinteren Teil des Gartens. Hier finden im Sommer noch immer Theateraufführungen der Studiobühne Bayreuth statt. Wer sich noch Karte für die Augusttermine sichern will, sollte sich allerdings beeilen. Gespielt werden „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry in einer Bühnenfassung von Martin Chlupkaund und Molières „Fliegender Arzt“ in einer Bearbeitung von Dominik Kern.

Noch mehr Geschichtliches über den Landschaftspark und den Ort selbst gibt es ist im Morgenländischen Bau, einer kleinen, märchenhaft anmutenden Eremitage auf dem Parkgelände, oder aber auf der Burg Zwernitz, die auf einem Dolomitfelsen erbaut wurde und fast surreal anmutet.

Zugegeben, das war sehr viel Geschichte auf einmal. Diese lohnt sich aber in jedem Fall, genauer erkundet zu werden. Und wer die Kultur im Landkreis Kulmbach einfach nur genießen möchte und sich bisher gefragt hat, wo genau das geht, ist jetzt hoffentlich auch ein bisschen schlauer.

Noch mehr Informationen gefällig? Dann schauen Sie mal hier vorbei:

- www.plassenburg.de
- www.dampflokmuseum.de
- www.bayreuth-wilhelmine.de/deutsch/sanspar/felseng.htm
- www.studiobuehne-bayreuth.de/august.html

 

Copyright Fotos:

Ringlokschuppen am Abend: Der voll funktionsfähige Ringlokschuppen bietet Platz für bis zu 15 Dampflokomotiven und Exponate,
Foto © Reinhard Feldrapp, Naila

Ruinentheater im Felsengarten Sanspareil, Foto © Fornax

Blick auf die Plassenburg hoch über den Dächern von Kulmbach, Foto © Tourismus & Veranstaltungsservice der Stadt Kulmbach

Franziska Gurk
28.07.2016

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