Alle Gewässer durchkreuzt

Zum 15. Mal findet das Internationale Kammermusikfestival Nürnberg statt

Alle Gewässer durchkreuzt

 Sehr odysseisch geht es heuer im September beim Internationalen Kammermusikfestival in Nürnberg zu, und deshalb ist es nur passend, wenn Schillers Verse über die Irrfahrt des Odysseus quasi als Motto über dem Programm stehen. Sich thematisch zu orten und zu orientieren ist von Anfang an ein Ziel dieses ambitionierten Festivals gewesen, das seit 2002 das kulturelle Leben in Nürnberg und in der Metropolregion bereichert. Seitdem prägen die außergewöhnlichen Spielorte in historischen Gemäuern und der offene Kontakt zwischen Künstlern und Besuchern die spezielle und daher sehr beliebte Atmosphäre dieses Ereignisses. Dessen Programm wird nicht ausschließlich von der namengebenden Gattung dominiert, sondern darüber hinaus charakterisiert von einer Mischung aus Kammermusik, Lied, Weltmusik und bisweilen sogar Musiktheater.

Eröffnet wird das Festival am 13. September durch ein mit dem Motto „Sehnsucht“ überschriebenes Konzert, das schon auf eine odysseische Grundbefindlichkeit hinweist und bei Kerzenlicht im Rittersaal der Kaiserburg stattfindet. Tags drauf wird es dann konkret, denn diesmal steht gradwegs Penelope als Titel über dem Konzert. Die Frau des Odysseus wird in der Penelopiade der Kanadierin Margaret Atwood als ebenso entschlossen wie humorvoll dargestellt. Atmosphärische Lieder aus der Ägäis, begleitet von Gitarre und Oud, werden von Frances Pappas interpretiert. Am 15. September wird unter dem Motto „An den Sirenen vorbei“ ein moderner Vergleich der gefährlichen antiken Grazien mit Liszts anmutig-fataler Loreley und Schuberts eisigem Erlkönig gewagt. Jutta Maria Böhnert (Sopran) und Benjamin Appl (Bariton) singen, Andrew West begleitet am Klavier.

Am 16. September gibt es ein Galakonzert, das u.a. mit Brahms-Liedern das Gefühl des Heimwehs evoziert. Abermals wird Benjamin Appl zu hören sein, zudem ein Horn- und ein Streichquintett. Letzteres mit dem Beinamen Sturm begründet das Motto „Stürmisch bewegt“ dieses Konzertes, das abermals im Rittersaal stattfindet und auch vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten wird. Das Festivalfinale am 17. September präsentiert eine Collage, in dessen Zentrum ein “Kammerspiel für eine Fabrikhalle“ für zwei Tänzer, Akkordeon und Schlagzeug steht. Was wäre, so fragt dieses Gedankenexperiment, wenn die Irrfahrten des Odysseus nur Phantasien gewesen wären? Wer darauf neugierig geworden ist, sollte sich die dritte Septemberwoche vormerken.

 

Copyright Foto:
Kammermusikfestival Nürnberg, Foto © Jutta Missbach
 

Martin Köhl
28.07.2016

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