Kultur im Landkreis Lichtenfels

Mehr als nur drei Hügel

Kultur im Landkreis Lichtenfels

 „Der späthen (sic!) Nachwelt ein unauslöschliches, ewiges Gedächtnis einprägen“ – das stand bei Architekt Balthasar Neumann ganz oben auf der Bauagenda. Gelungen ist ihm das nicht nur in Städten wie Würzburg oder Bamberg, sondern auch im Landkreis Lichtenfels, der nicht zuletzt durch den Meister des Barock überregionale und internationale Bekanntheit erlangte. Denn die Wallfahrtsstädte Vierzehnheiligen im Nordteil der Fränkischen Alb, die auf dem Weg nach Santiago de Compostela ein wichtiges Ziel für alle Pilger darstellt, geht auf die Kappe des wohl berühmtesten deutschen Architekten seiner Zeit. Der sogenannte Gottesgarten, in dem sich auch die Wallfahrtsbasilika befindet und der so heißt, weil Dichter Joseph Victor von Scheffel die Gegend offenbar als einen solchen empfand und ihn kurzerhand in seinem Frankenlied besang, ist auf einem der markantesten Hügel der Region gelegen.

Auf einem zweiten befindet sich, zur Kurstadt Bad Staffelstein gehörend, das Kloster Banz, ein Dientzenhofer-Bau. Auch der Bedeutung dieses Bauwerkes ist man sich als Franke gemeinhin bewusst, trotzdem können wir es nicht unerwähnt lassen, wenn von Kultur im Landkreis Lichtenfels die Rede ist. In dem 1698-1719 erbauten Kloster, genauer gesagt im Kaisersaal, finden saisonal von Oktober bis Mai an insgesamt sieben Sonntagen die „Kammerkonzerte auf Kloster Banz“ statt. Die nächsten Termine sind am 2. und 16. Oktober; das Konzert am 27. November ist das vorerst letzte in diesem Jahr, bevor es im Januar munter weitergeht. Das Saisonmotto ist kurz, aber aufschlussreich – es lautet „Wien“. Deswegen kann man sich auf Werke von Schubert, Mozart und Beethoven in verschiedenster Besetzung freuen. In der Banzer Stiftskirche hingegen finden regelmäßig Orgelkonzerte statt, bei denen der Eintritt frei ist. Wer sich über die Geschichte des Klosters informieren will, dem bietet sich im Museum Kloster Banz Gelegenheit dazu.

Weil aller guten Dinge drei sind und Wandern ebenso zur deutschen Kultur gehört wie Goethes Spruchgut (so sagte der Dichterfürst passend zum Thema einmal: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ oder auch: „Was ich nicht erlernt habe, habe ich erwandert.“), sei auch noch der Staffelberg erwähnt. Südöstlich von Bad Staffelstein ragen 539 Meter Tonstein empor, die in einem archaisch anmutenden Gipfelkranz aus Riffkalk und -dolomit enden. Auf dem Hochplateau lässt es sich herrlich wandern (oder auch klettern), und einmal oben angekommen, liegt einem der ganze Landkreis und das Obermaintal zu Füßen. Bei guter Sicht kann man den Blick sogar bis in die Rhön, den Thüringer Wald oder die Haßberge schweifen lassen.

Nach Adam Riese macht das also, wie bereits erwähnt, drei sehr markante Hügel in einer Landschaft aus x-Mal mehr sanften Erhebungen und Senkungen. So würde es wahrscheinlich der berühmte Rechenmeister selbst ausdrücken. Wie wir jetzt auf den kommen? Weil Adam Ries(e) einer der berühmtesten Söhne Staffelsteins ist. Ihm haben wir den wirklich sehr praktischen Rechenschieber zu verdanken. Eine prima Erfindung – genauso wie die Einführung der arabischen Zahlen in unser Rechensystem. Die Vorstellung, wir müssten auch heute immer noch mit lateinischen Ziffern rechnen, lässt totsicher nicht nur sämtliche Rechenanfänger oder Mathemuffel erschaudern, sondern auch sonst jeden halbwegs praktisch denkenden Menschen. Im Museum der Stadt Bad Staffelstein kann man sich näher über den Heilsbringer unter den Mathematikern informieren. Hier werden die verschiedenen Lebensstationen des Rechenmeisters nachgezeichnet und anhand historischer Ausstellungstücke veranschaulicht, damit man am Ende des Rundganges auch genau weiß, auf wen man sich beruft, wenn man mal wieder mahnend den Zeigefinger hebt und die beliebte Redewendung gebraucht. Ein weiteres Augenmerk des Museums liegt auf der Geschichte des Staffelbergs, der bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war, vor allem aber durch Ausgrabungsfunde, die die Existenz der Keltenstadt Menosgada belegen, Aufsehen erregten. Der soeben erschienene Kelten-Roman „Isarnon“ des bekannten fränkischen Autors Helmut Vorndran beschäftigt sich erzählerisch mit diesem Thema.

Bad Staffelstein ist ja vor allem auch für seine Thermalquellen überregional bekannt – auch darüber erfährt man im Stadtmuseum Genaueres.

Davon überzeugen, dass der Landkreis kulturell noch mehr zu bieten hat als nur die schon erwähnten drei Hügel (obwohl das ja auch schon eine ganze Menge ist), kann man sich im Deutschen Korbmuseum in Michelau. Denn die Gegend um Lichtenfels war einst eine Hochburg des Korbmacherhandwerks. Das lag vor allem an den feuchten Böden des oberen Maintals, die eine gute Voraussetzung für das Weidenwachstum bilden. Michelau gilt als Wiege der Feinflechterei, 1770 gründete sich hier eine Korbmacherzunft. Das Museum befindet sich seit 1967 im Stölzel-Haus, das einst der Korbmacher Johann Georg Gagel erbauen ließ. In den 26 Schauräumen findet man nicht nur Exponate aus der Region, sondern aus aller Welt – angefangen beim Wäschekorb bis hin zum Strandkorb und Teeservice.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

http://www.vierzehnheiligen.de
http://www.kammerkonzerte-banz.de
http://www.bad-staffelstein.de
http://www.gemeinde-michelau.de


Copyright Fotos:

Verschiedene Flechtstühle im Deutschen Korbmuseum in Lichtenfels, Foto © Deutsches Korbmuseum

Deutschland, Bayern, Bad Staffelstein, überlebensgroßes Adam-Ries(e)-Bronze-Denkmal in der Bahnhofstraße im Ortszentrum, enthüllt zum 450. Todestag des Rechenmeisters im November 2009, gestaltet vom Bildhauer Andreas Krämmer © Richard Huber

Woehl-Orgel in der Klosterkirhce Banz, Foto © Mtag
 

Franziska Gurk
23.09.2016

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