Stoff und Stahl

Am 25. Oktober werden Heidrun Schimmel und Bernd Wagenhäuser mit dem E.T.A.-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg geehrt

Stoff und Stahl

 Die Zuerkennung der höchsten Auszeichnung im künstlerischen Bereich, die von der Stadt Bamberg vergeben wird, ist keine leichte Sache. Dass die mit den Leiterinnen von Kunstverein, Musikverein und Künstlerhaus sowie dem Lehrstuhlinhaber der germanistischen Literaturwissenschaft, dem Vorsitzenden des BBK Oberfranken und dem amtierenden Kulturreferenten besetzte Jury insofern vor bisweilen schwierigen Entscheidungen steht, ist nachvollziehbar. Das fängt schon damit an, dass die Bereiche Kunst, Musik und Literatur, denen die Preiswürdigen fast immer zuzuordnen sind, in halbwegs regelmäßigen Abständen berücksichtigt werden sollten, und das schon deshalb, weil der Namensgeber des Preises bekanntlich ein künstlerisches Mehrfachtalent war. Doch was tun, wenn der meist überschaubare Kreis der Kandidatinnen und Kandidaten nicht all diese Disziplinen abdeckt?

Der E.T.A.-Hoffmann-Preis stellt hohe Anforderungen an die zu Ehrenden, denn er wird nur an Personen verliehen, die „sich durch ihr literarisches, musikalisches, bildnerisches oder sonstiges künstlerisches Schaffen und Wirken verdient gemacht haben und dem künstlerischen Anspruch, der mit dem Namen E.T.A. Hoffmann verbunden ist, gerecht werden“. Die Zuerkennung ist also vor allem eine Niveaufrage und nicht unbedingt an die Beschäftigung mit dem Werk des weiland Bamberger Schriftstellers gebunden. Allerdings fiel die letzte Preisträgerauswahl mit Bernhard Schemmel auf eine Persönlichkeit des Bamberger Kulturlebens, die mit dem Leben und Werk Hoffmanns besonders vertraut ist.

Der E.T.A.-Hoffmann-Preis wurde bislang dreimal im Bereich der Bildenden Künste vergeben (1992 an Hans Neubauer für den Kunstverein, 1998 an den Photographen Werner Kohn und 2010 an Bernd Goldmann als Initiator der Bamberger Großplastikenausstellungen) und viermal im Bereich Literatur (1989 an Hans Wollschläger, 1996 an Tankred Dorst und Ursula Ehler-Dorst, 2000 an Paul Maar und 2004 an Gerhard Krischker). Bamberg als Musikstadt war mit Edgar Krapp, Gerhard Weinzierl, Albrecht Mayer, Horst Lohse und mit dem Musikverein (2012) mittlerweile insgesamt fünfmal vertreten.

Es ist insofern verständlich, dass die Zuerkennung an Künstlerpersönlichkeiten aus dem plastisch-bildnerischen Bereich wieder einmal „an der Reihe“ war. Das Ergebnis der Kür 2016 trägt deutlich die Handschrift des Kunstvereins, denn die Erwählten sind bereits Träger von dessen Berganzapreis. Die Entscheidung der Jury mutet weise an, weil sie den Preis aufgesplittet hat und ihn je zur Hälfte an einen seit langem sehr bekannten und präsenten Künstler sowie an eine spät in ihre Heimatstadt Bamberg zurückgekehrte und deshalb erst seit wenigen Jahren hervorgetretene Künstlerin vergeben hat. Auch die Materialien, mit denen die Ausgezeichneten arbeiten, könnten unterschiedlicher nicht sein und eignen sich überdies für eine sinnige Alliteration: Stoff und Stahl.

Heidrun Schimmel studierte Textilkunst und Malerei an den Akademien der Bildenden Künste in Nürnberg und München. Sie errang seit den späten 70er-Jahren zahlreiche Erfolge und Preise auf internationalen Textilkunstausstellungen. 2001 kam sie in ihre Geburtsstadt Bamberg zurück, wo sie seitdem wirkt und u. a. die Ausstellungen des BBK Oberfranken mit ihren filigranen Werken bereicherte. Die Auszeichnung an sie bedeutet auch eine Würdigung einer sehr ungewöhnlichen Kunstform. Gerhard Schlötzer spricht in seiner Begründung für den Juryvorschlag von der „mönchischen Geduld und Disziplin“, mit der Heidrun Schimmel zu Werke gehe. Der BBK-Vorsitzende fährt fort: „Die Zeit und ausdauernde Energie, die sie in ihre Arbeiten gesteckt hat, teilen sich direkt dem Betrachter mit“. Bedenke man den Zeitaufwand, der in diesen Werken stecke, bedeute die beharrliche Verfolgung ihres künstlerischen Konzeptes eine „Missachtung ökonomischer Zwänge“.

Bernd Wagenhäuser ist mit seinen Großplastiken aus Metall in Bamberg und andernorts seit langem so gegenwärtig, dass die Auszeichnung an ihn (obgleich 1996 bereits Hinniger-Preisträger) geradezu überfällig war. Sein Skulpturengarten in der Nähe von Bambergs Musentempel ist nicht nur eine Augenweide, sondern zugleich ein Ort der Ruhe und der Kontemplation, den zu betreten und zu durchstreifen man ständig in Versuchung ist. Sprachlich kann er den Hessen in ihm nicht verleugnen – kein Wunder, wenn man in Hanau geboren ist und später Plastische Formgebung an der Wiesbadener Hochschule für Gestaltung studierte. Dass sich Bernd Wagenhäuser neben seiner gestalterischen Arbeit auch für die wachsende Bedeutung der Bildenden Kunst in Bamberg eingesetzt hat, kann nicht genug betont werden. Er wirkte 16 Jahre lang an der Spitze des BBK Oberfranken und hat durch zahlreiche Initiativen (zuletzt die „Bamberger Performance-Tage“, die im Skulpturengarten stattfinden) der örtlichen Kulturszene wesentliche Impulse gegeben.

 

Copyright Fotos:

Bernd Wagenhäuser, © privat

Heidrun Schimmel, © Monika Meinhart

Martin Köhl
10.10.2016

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