Grenzgänger im Geiste

Unzertrennlich trotz Mauer und Eisernem Vorhang

Grenzgänger im Geiste

 Die Teilung Deutschlands ist eigentlich ein Thema, das sich medial totgelaufen zu haben scheint. Auch die immer noch vorherrschenden Ost-West-Ressentiments sind so abgelatscht wie ein Paar alter Schuhe. Deshalb stellt sich die Frage, ob es zwingend noch mehr Bücher zum Thema braucht. Aber man soll ja neugierig bleiben und gegen das Vergessen hilft bekanntlich nur eines: aufarbeiten.

Das im Juni in deutscher Erstauflage erschienene Buch „Unzertrennlich trotz Mauer und Eisernem Vorhang“ von Hanno Speich arbeitet viel auf. Kriegswunden, die Flucht der Familie vor dem KGB, der Neuanfang in Triest, die Sehnsucht nach der Heimat Leipzig, die Enteignung des Freundes Manfred durch den DDR-Staat und noch mehr. Einzuordnen ist das Buch irgendwo zwischen Sachbuch, Familienroman und Zeitzeugenbericht. Regelmäßig webt Speich Schriftstücke aus dem Briefwechsel mit Freund Manfred ein, der, im Gegensatz zum Autor selbst, nach dem Mauerbau in der DDR verblieb und die Schattenseiten des kommunistischen Systems hautnah miterlebte.

Der noch wenig mit dem Stoff vertraute Leser wird immer wieder abgeholt, die Zeitgeschichte akribisch dokumentiert und mit Anmerkungen und Kartenmaterial untermauert. Für den bewanderten Leser bräuchte es viele der Erklärungen sicher nicht. Ob das Buch zur Beseitigung der Ressentiments beträgt, sei mal dahingestellt. Ja – weil Hanno und Manfred sinnbildlich für West und Ost stehen und zu geistigen Grenzgängern wurden; nein – weil es trotzdem beim alten Lied von Gut und Böse – West gegen Ost – bleibt.

Durchaus beeindruckend ist jedoch die Briefkorrespondenz zweier Freunde, der unterschiedliche Lebensläufe und große räumliche Distanz nichts anhaben konnte.

 

Hanno Speich: Unzertrennlich - Trotz Mauer und Eisernem Vorhang, Mitteldeutscher Verlag, Deutsch, 351 Seiten, 14,95 Euro, ISBN: 9783954627110

Franziska Gurk
11.10.2016

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