Rolf Kühn

Spotlights (MPS / EDEL)

Rolf Kühn

 Wenn ein 87-jähriges, ehemaliges Jazz-Wunderkind aus Leipzig sich als jüngsten Streich seiner ergiebigen Arbeit fein ausgewählte, interessante Musiker verschiedenster Genres für ein Album mit fulminant grenzüberschreitendem Klang einlädt und dabei derart rockt, dann ist das einfach nur genial.

Rolf Kühn muss niemandem vorgestellt werden, er ist ein deutscher Musiker von Weltformat und zählt zur Königsklasse des Jazz. Dass jedes seiner Alben ein Meilenstein seines Schaffens und Glanzpunkt der Musikgeschichte ist, daran haben wir uns auch längst gewöhnt. Und wieder einmal und diesmal vielleicht sogar ganz besonders, setzt er beim Schaffen seines neuen Albums abgeklärt gekonnt den Punkt auf das i. „Spotlights“ tituliert sein jüngstes Studiowerk, auf dem er neben seinem Bruder Joachim Kühn auch Hamilton de Holanda, Albrecht Mayer, Ed Motta, Asja Valcic sowie Oliver Portratz und Christian Lillinger gastieren lässt. Jedem Einzelnen räumt er gebührend Platz ein, gönnt er seinen Anteil am Scheinwerferlicht. Kreuz und quer wirkt die Instrumentierung und doch extrem geordnet. Glasklar klingt jede Rille. Abwechslungsreich und unkonventionell. Überraschend, erhaben und schön. Die renommierten, genialen Musiker deklinieren musikalisch durch alle ästhetischen Kategorien, spionieren und jonglieren gegenseitig, miteinander und gegeneinander durch ihre ausgefeilten Klangwelten. Und geraten dabei niemals aus dem Gleichgewicht. Nach Kommunikation auf höchstem Niveau hört sich das an. Nach Flirten, nach Necken und Liebkosen. In großen Teilen schwebend und genrefrei, um dann hier und da und immer wieder mitten im Jazz zu landen, in einer sehr befreiten, progressiven und reifen Facette davon. Das gilt für die Interpretation von Kühns eigenen neun Kompositionen ebenso wie für die Kompositionen seiner Mitstreiter und die zwei Jazz Standards auf dem Album. Ein Meisterwerk der Kombination.

Oliver Will
30.09.2016

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