Ganz und gar nicht banal

Alles, was ist

Ganz und gar nicht banal

Wenn ein Schriftsteller mit 88 Jahren noch einmal einen Roman veröffentlicht, dann ist allein dies schon eine Erwähnung wert. Wenn es sich allerdings um ein dermaßen gelungenes Werk wie „Alles, was ist“ von James Salter († 2015) handelt, dann ist dies für uns allemal Grund genug für eine Rezension, auch wenn das Buch bereits 2013 erschienen ist. Warum also heute noch eine Rezension? Das hat einen einfachen Grund, das Werk ist derzeit bei Jokers von der Verlagsgruppe Weltbild als gebundene Ausgabe für gerade einmal 5,99 Euro zu haben. Und wer da nicht zugreift, der ist selbst schuld. Dieser Roman handelt von all den Themen, die vielen Menschen mittlerweile zur Alltäglichkeit geworden sind, obwohl er zeitlich in der Mitte des letzten Jahrhunderts beginnt. Krieg, Ängste, Arbeit, Familie, Untreue, Schwächen aber auch Erfolgserlebnisse, eine Melange aus Gefühltem und Erlebtem, damals so alltäglich wie heute. Der Protagonist, Philip Bowman, kehrt aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause, findet einen Job im Verlagswesen, lernte seine Frau kennen, verliert diese nach Jahren wieder, hat beruflichen Erfolg, lernt neue Frauen kennen, die aber wieder aus seinem Leben treten etc. Auch wenn der Inhalt nach einer Auflistung von Banalitäten klingen mag, die Art und Weise wie Salter hier schreibt, wie er seine Figuren lebendig werden lässt, wie er uns anhand der Menschen und Geschehnisse auf eine Reise durch die Welt der 50er bis 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts mitnimmt und dabei trotzdem Raum für Interpretation lässt, das ist schon aller Ehren wert.

 

James Salter: Alles, was ist, Berlin Verlag, Deutsch, 368 Seiten, 22,99 EUR
Unser Tipp: Zu beziehen über Jokers (Bestellnummer 5733770) für 5,99 Euro.

Ludwig Märthesheimer
30.09.2016

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