Haßfurt hat den Blues

Starkes Line-Up beim Blues-Leckerbissen zwischen Hassbergen und Steigerwald

Haßfurt hat den Blues

 Am 21. Oktober ist es wieder soweit. Zum mittlerweile achten Mal wird im Rathaussaal die längst legendär gewordene Haßfurter Bluesnacht stattfinden. Wie alle Jahre laden das Kulturamt und Organisator Ignaz Netzer ins unterfränkische Hinterland, um die Ohren mit verschiedensten Klängen zu verwöhnen.

„Let the good times role“ – so lautet auch in diesem Jahr wieder das Motto der Haßfurter Bluesnacht. Ignaz Netzer, schwäbische Blues-ikone, der für die musikalische Besetzung sorgt, wird wieder Musiker von Format zu einem abendfüllenden Gig versammeln. Dabei lassen die Veranstalter in diesem Jahr mit einem Leckerbissen aufhorchen: Es wird ein akustischer Abend. Musik unplugged, also ohne Elektronik und weitestgehend ohne Elektrik, wird bei der 8. Blues Nacht Haßfurt zu hören sein.

Aus Berlin kommt der Pianist und Sänger Christian Rannenberg. Den gebürtigen Solinger darf man getrost als Urgestein der deutschen Bluesszene bezeichnen, war er doch maßgeblich an der Gründung vieler bekannter Bands beteiligt. Der zweimalige Gewinner des Preises der Deutschen Schallplattenkritik lernte sein Handwerk noch in den USA bei seinen Vorbildern und alten Meistern. Sein brillantes und variantenreiches Klavierspiel entführt in längst vergessen geglaubte Zeiten. Kultstatus in der Szene erreichte er unter anderem auch durch sein vielbeachtetes Wirken mit dem Saxophonisten „Detroit“ Gary Wiggins - das International Blues-Duo tourt seit 2014 wieder miteinander.

Aus Frankfurt kommt Klaus „Mojo“ Kilian, Sänger, Gitarrist und Mundharmonikavirtuose. Vielen Hörern mag er als Mitautor verschiedener Fachzeitschriften bekannt sein. Der Mann, der sich Zeit seines Lebens mit der Geschichte dieser Musik auseinandersetzte, erzeugt auf seinen winzigen Mundharmonikas nie gehörte Töne und begeistert mit seinem Feeling das Publikum. Er und seine Marine Band Crossover verschmelzen auf der Bühne zu einer wahren Einheit.

Der fränkische Meister des traditionellen Blues kommt aus Bamberg und heißt Wolfgang Kalb. Mit seinen Blechgitarren, den traditionellen Resonators, seiner Stimme und gelegentlich der Harp, beweist auch er, dass er viele Spielarten dieser Musikart bestens beherrscht. Der Hirschaider gilt dabei als einer, der Perlen aus der Versenkung holt. Der Oberfranke ist ein Traditionalist, einer, der längst vergessene Songs wieder auf die Bühnen holt. Einer, der anders ist als andere. Die Kunst des Fingerpicking hat er perfektioniert. Der rauhe Sound der Dobre-Gitarre, gepaart mit seiner wandlungsfähigen Stimme – grenzüberschreitend agierend, zwischen jammernd-bluesig, näselnd und heulend, fast schon von Schmerzen gepeinigt – macht seine Auftritte zu echten Erlebnissen. Nicht die schlechteste Idee hatte Wolfgang Kalb 2011, als er nach langen Jahren Bühnenabstinenz wieder auf diese zurückkehrte und seither die Bluesszene der Region belebt.

Programmgestalter und Moderator Ignaz Netzer kommt mit der Empfehlung des Gewinns des German Blues Awards 2015, quasi dem deutschen Publikumspreis für Bluesmusik, nach Haßfurt. Ignaz Netzer, längst Kult gewordene Ikone des Blues, vereint Rhythmus und Stimme, ist ein Meister der leisen Töne und feinsten Schwingungen, hat eine grandios, rauchig klingende und von einem dunklen Timbre geprägte Stimme, eine hervorragende Bühnenpräsenz und – das hebt ihn von vielen anderen noch deutlich ab – den Schalk im Nacken. Mit welcher Ironie er vor Publikum glänzt, ist alleine schon das Eintrittsgeld wert. Noch ohne die Gitarre überhaupt in die Hand genommen zu haben. Der „Bluesinator“, wie er einst liebevoll getauft wurde, feierte eineinhalb Wochen vor der Bluesnacht seinen 50. Geburtstag. Und man kann davon ausgehen, dass es im Rathaussaal noch eine kleine Nachfeier geben wird. Zugunsten des Initiators und seinem jährlich feinen Instinkt für gelungene Bluesabende. Cheers!

 

Copyright Foto: © Hans Spörri

Andreas Bär
30.09.2016

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