Viel Wut, viel Religion, viele Intrigen und Machtspiele

Die Programme der fränkischen Theater in den Monaten Dezember und Januar

Viel Wut, viel Religion, viele Intrigen und Machtspiele

Schauspiel/Sprechtheater

Am Theater Ansbach geht es im Januar gleich zweimal um Goethe. Ein Doppelabend kümmert sich zunächst um „Die Leiden des jungen Werther“ (in einer Bearbeitung von Paul Sonderegger), anschließend inszeniert die Hausherrin Susanne Schulz das Schauspiel „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ von Peter Hacks. Premiere ist am 21. Januar.

Das ETA-Hoffmann-Theater Bamberg, von Intendantin Sibylle Broll-Pape eher auf ernst gebürstet, richtet im Zeitraum Dezember/Januar den Blick ganz auf Frankreich und seine aktuellen gesellschaftlichen Probleme. Zunächst aber wartet es am 2. Dezember mit einem Komödienklassiker auf: Eugène Labiches „Das Sparschwein“. In diesem durchaus hintergründigen Vaudeville schildert der Autor mit viel Witz und Verwicklungsgeschichten, was dabei herauskommt, wenn die Bourgeoisie aus der Provinz meint, sich auch in der Hauptstadt Paris behaupten zu können. Natürlich geht da vieles schief…

Auch die nächste Premiere am 20. Januar spielt in Paris, allerdings mitten in der Revolutionszeit. Wenn Joel Pommerats „La Révolution #1“ im Untertitel „Wir schaffen das schon“ verspricht, so versteht man, dass die historischen Auseinandersetzungen um die Frage, in welchem Land wir eigentlich leben wollen, auch ihre aktuellen Bezüge haben wird. In Zeiten eines zunehmenden Populismus könnte Pommerat das Stück der Stunde geschrieben haben.

Eine Woche später komplettiert die Inszenierung einer Bühnenfassung von Michel Houllebecqs Roman „Unterwerfung“ den Blick auf unser Nachbarland, dem der Zweimonatszeitraum Dezember/Januar gewidmet ist. Man wird gespannt darauf sein dürfen, wie die Regie führende Sibylle Broll-Pape und ihr Dramaturg Remsi Al Khalisi mit dem brisanten Stoff, der von der Islamisierung Frankreichs menetekelt, umgehen werden.

Am Landestheater Coburg hat Elfriede Jelineks zurzeit weit verbreitetes Schauspiel „Wut“ am 3. Dezember Premiere. Wer sich dieser Triebabfuhr unterziehen will, sollte jedoch vorher nochmals tief durchatmen… Am 14. Januar hat „Antigone“ Premiere, die Tragödie des Sophokles, in der das Für und Wider von individueller Entscheidung und Staatsraison exemplarisch diskutiert wird.

In Erlangen wartet das Markgrafentheater Anfang Dezember mit Sibylle Bergs Erfolgsstück „Viel gut essen“ auf, das an einem Einzelschicksal exemplifiziert, wie schnell man sich heutzutage zum Wutbürger mausern kann. Die nächste Premiere Mitte des Monats ist den Kindern gewidmet. In „Um die Ecke“ von Bernhard Studlar wird aus einem einfachen Versteckspiel eine aufregende Reise für das junge Publikum. Nicht nur in Coburg, sondern im Januar auch in Erlangen geht es in Elfriede Jelineks „Wut“ einmal mehr um eine Gemütsverfassung, die der Menschheit zeitweise durchaus als Motor dienen kann, aber auch oft genug in einen verheerenden Zerstörungswahn ausartet.

Am Stadttheater Fürth, das ja seit Spielzeitbeginn unter dem höchst aktuellen Motto „Was glaubst denn Du?“ steht, ist ab 1. Dezember Lot Vekemans’ Erfolgsstück „Judas“ programmiert, das den Blick auf das Individuum hinter der biblischen Legende freigibt. Am 11. ist Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ vom KULT-Ensemble als Schauspiel mit Musik angesagt. Im Januar folgt ab dem 20. mit „Warten auf Godot“ ein Klassiker Samuel Becketts, ab dem 24. das Schauspiel „Zwei wie wir“ nach dem Roman von Daniel Bielenstein. Hier geht es um die Frage nach einer zweiten Chance für ein Paar, das sich aufgrund völlig unterschiedlicher Prägungen und Interessen getrennt hatte.

Auch das Theater Hof gibt sich aktuell, indem es mit Eric-Emmanuel Schmitts Rührstück „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ die alte Lessing‘sche Frage nach der Toleranz unter den Religionen aufwirft. Auch wenn man kaum noch daran glauben mag: darauf hoffen muss man wohl weiterhin, dass der Unterschied zwischen den Religionen durch Respekt, Aufgeschlossenheit und Neugier immer mehr verschwindet.

Die Schauspielsparte des Staatstheaters Nürnberg präsentiert im Dezember dicht gedrängt gleich drei Premieren. Ab dem 9. gibt es wieder einmal Tennessee Williams’ Klassiker „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, in dem es vor allem um Erbspekulation geht, in einer Inszenierung von Georg Schmiedleitner. Am 15. geht es in der Uraufführung von Jakob Noltes Stück „Sämtliche Erzählungen“ um die Kraft der Phantasie in einer ausweglosen Lebenssituation, tags drauf in Nino Haratischwilis Schauspiel „Schönheit“ um eine Gruselgeschichte aus dem Mittelalter, die von der jungen georgischen Autorin in eine psychologische Studie über Liebe, Schönheit, Macht und Intrigen umgewandelt wird.

Einen Schwank in prominenter Besetzung präsentiert das Theater Schweinfurt am 13. Dezember: „Der Raub der Sabinerinnen“ von Franz und Paul von Schönthan mit Katharina Thalbach als Regisseurin und Schauspielerin! In der Vorweihnachtszeit gilt es dann dem Roman-Bestseller „Die Päpstin“ von Donna W. Cross, der hier von der „theaterlust München“ in einer dramatisierten Version von Susanne F. Wolf vorgestellt wird (ab 19. Dezember).

Musiktheater I: Oper

Am Landestheater Coburg soll bereits am 22. Januar eine Matinee auf die nächste Operninszenierung Lust machen: Leos Janaceks „Schlaues Füchslein“, das allerdings erst Anfang Februar Premiere haben wird.

Die Opernsparte des Staatstheaters Nürnberg präsentiert ab dem 21. Januar Gioacchino Rossinis „Die Italienerin in Algier“ in einer Neuinszenierung durch Laura Scozzi. Einmal mehr wird man sich auf diese Opera buffa mit ihrer burlesken Handlung voller Situationskomik und sprühenden Witzes freuen dürfen. Worum es geht? Natürlich um Liebe, Leidenschaften und Gefühlsverwirrungen. Laura Scozzi und ihr Team werden wohl mit ihrer phantasievollen Regiehandschrift das Nürnberger Publikum wieder vergnüglich überzeugen können. Auch auf die Wiederaufnahme der Kinderoper „Armide oder Zickenkrieg im Zauberreich“ ab 15. Januar darf hingewiesen werden.

Am Mainfrankentheater Würzburg dominiert im Dezember noch die frisch aus der Taufe gehobene Inszenierung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ den Spielplan, doch am 27. Januar gibt es einen neuen „Nabucco“ Giuseppe Verdis. Die junge italienische Regisseurin Pamela Reccinella stellt nach „Simon Boccanegra“ und „Macbeth“ ihre dritte Auseinandersetzung mit dem Musiktheater Verdis in Würzburg vor.

Das Theater Schweinfurt lädt Anfang Dezember die Hofer Version der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck nach Unterfranken ein (3./4.). Ab 27. Januar kommt eine kapitale Wagneroper als Erstaufführung (!) nach Schweinfurt: „Die Meistersinger von Nürnberg“, präsentiert vom Landestheater Detmold.

Musiktheater II: Operette und Musical

Das Theater Amberg in der nahen Oberpfalz bietet am 8. Dezember mit „Mahalia“ ein Musical von Joan Orleans und Emmanuel Clark Porter über die „Queen of Gospel“ an.

Am Landestheater Coburg feiert Cole Porters Erfolgsmusical „Anything goes“, das aus heutiger Sicht so unfreiwillig wie fatalerweise an Sprüche von Donald Trump erinnert, am 17. Dezember Premiere. In diesem Broadway-Klassiker wird gesungen und gesteppt, dass es nur so eine Freude ist. Auf die Premiere von „Ausblick in ein schönes Land“ soll an dieser Stelle auch hingewiesen werden, obwohl es sich bei dieser Produktion um keinen Opern-, sondern um einen Liederabend handelt. Die Musik stammt jedoch vom Opern- und Filmmusikkomponisten Wolfgang Korngold.

Das Stadttheater Fürth trägt seinen Teil zur Jubiläumsfeier „500 Jahre Reformation“ mit der Uraufführung des Musicals „Luther – Rebell Gottes“ bei (ab 13. Januar). Der Müchner Komponist Christian Auer und die österreichische Autorin Nina Schneider verdichten das Leben des Reformators mit Stilmitteln der Rockmusik ebenso wie mit archaischen kirchenmusikalischen Klängen.

Am Theater Hof wird ab 16. Dezember der Vorhang über der „Maske in Blau“ gelüftet, einer Operette von Fred Raymond, Heinz Hentschke und Günther Schwenn, die im San Remo der 30er-Jahre beginnt, dann aber um die halbe Welt führt. Natürlich geht es wieder um die Liebe, aber zunächst um Irrungen und Wirrungen, bevor es am Rio Negro (!) zu mitreißender Musik zum Happy End kommt.

Im Schweinfurter Theater kommt am 10./11. Januar die „Csardasfürstin“ zu Besuch, natürlich in der unsterblichen Operette Emmerich Kálmáns, und wir werden wieder einmal daran erinnert, dass „die Chose ganz ohne Weiber nicht geht“. Für Ende des Monats wird mit „Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street“ sogar ein „Musical-Thriller“ angekündigt, und zwar einer, der schon bei seiner New Yorker Premiere 1979 mit Preisen überhäuft wurde. Wer am 24. Januar in Schweinfurt verhindert ist, muss tags zuvor nach Amberg fahren, wo der Thriller ebenfalls geboten wird.

Im Rosenthal Theater Selb schaut am 12. Januar das „Phantom der Oper“ vorbei und stützt sich auf eine Besetzung von internationalem Rang sowie ein Live-Orchester.

Ballett und Tanztheater

„Sonics – In Duum“ lautet der rätselhafte Titel, unter dem das Theater Amberg am 14. Dezember eine musikalisch-poetische Akrobatik-Show anbietet. Im neuen Jahr kommen die Brodas Brothers mit „Concierto Concepto“, einer Musik- und Breakdance-Show (12. Januar).

Das Landestheater Coburg bietet ab 20. Januar einen neuen Tanztheaterabend aus der Ideenschatulle von Ballettdirektor Marc McClain an.

Beim Theater Erlangen gastiert das Spellbound Contemporary Ballett am 13. Dezember mit seiner getanzten Version von Carl Orffs „Carmina Burana“.

Am Stadttheater Fürth kann man gegen Jahresende unter dem Motto „Klassik meets Breakdance“ die Performance eines Ensembles mit dem Furcht erregenden Namen „Dance-floor Destruction Crew“ erleben, die der Musik Mozarts gewidmet ist und deshalb den Titel „Breakin’ Mozart“ trägt. Ab 26. Januar gastieren Rasta Thomas’ „Bad Boys of Dance“ mit ihrer Tanztheaterproduktion „Rock the Ballett“, in der virtuose Tänzer sich vor aufregenden Videoprojektionen bewegen.

Das Theater Hof präsentiert am 27. Januar „On the Rock(s)!“ als Uraufführung, ein Tanzstück von Kurt Schrepfer mit Musik von Queen, Elton John, Adele u.a. Der Tanzabend spielt in einer Bar zwischen Jukebox, Barkeeper und diversen Stammgästen und erzählt von großen Gefühlen und streitenden Liebenden.

Am Staatstheater Nürnberg wird am 10. Dezember „Monade“ aus der Taufe gehoben. Der zweiteilige Abend, natürlich wieder eine Uraufführung, vereint Choreographien des Ballettdirektors Goyo Montero und des gefeierten Gastchoreographen Mauro Bigonzetti, der schon einmal 2012/13 mit „Cantata“ ein ausgelassenes Tanzfest auf die Bühne des Theaters zauberte. Diesmal werden die „Antiche danze ed arie“ Ottorino Respighis als Quelle der Inspiration dienen. Die neue Choreographie Monteros bedient sich aus dem musikalischen Fundus der Kantaten J.S. Bachs, weshalb neben der Staatsphilharmonie auch der Chor des Staatstheaters eingebunden wird. Goyo Monteros Choreographie „Cyrano“ aus dem Repertoire wird erst im Februar wieder aufgenommen.

Im Schweinfurter Theater gastiert am 16./17. Dezember die im Revolutionsjahr 1959 gegründete „Danza contemporánea de Cuba“, eine traditionsreiche Compagnie der Insel, mit drei Choreographien, die den Reichtum der künstlerischen Ausdrucksmittel vor Augen führen werden. Zuvor, nämlich ab 29. November bis 3. Dezember, hat die Compagnie bereits in Fürth ihre Gastspiele abgeliefert.

„Legends of Cuban Music“ lautet das Motto, wenn am 26. Januar im Rosenthal Theater Selb „Pasión de Buena Vista“ angesagt ist, und das meint vor allem heiße Rhythmen und atemberaubende Tanz-Choreographien.

Die Ballettcompagnie des Mainfrankentheaters Würzburg setzt ihr erfolgreiches Format „Laboratorium Tanz“ in der aktuellen Saison fort. Sie erarbeitet, ausgehend vom Innovationspotenzial der verschiedenen Ausdrucksformen im Tanz, eigene Choreografien zum Thema Religion(en), die zu einer Collage montiert werden. Premiere ist am 26. Januar.

Blick nach Thüringen

Am Theater Erfurt findet am 17. Dezember die Premiere der Neuinszenierung von Bedrich Smetanas anrührender Geschichte um „Die verkaufte Braut“ statt. Im Neuen Jahr dürfte die Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium „Hercules“ (am 15. Januar) auf besonderes Repertoireinteresse stoßen, denn es wird, wie schon heuer „Orpheus und Eurydike“, in einer Version präsentiert, die auf einer Zusammenarbeit mit dem Tanztheater Erfurt beruht. Opernchor, fünf Solisten sowie eine Reihe von Tänzerinnen und Tänzern führen das Werk auf.

Beim Meininger Theater steht gleich ab 1. Dezember die Neuinszenierung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ an. Am 20. Januar findet die Premiere von Jacques Offenbachs fantastischer Oper „Hoffmanns Erzählungen“ statt. Wer sie noch nicht gesehen hat, sollte die Gelegenheit nicht versäumen, die selten gespielte Oper „Regina“ von Albert Lortzing anzuschauen. Termine gibt es noch im Dezember.

Das Nationaltheater Weimar bietet in seiner Opernsparte ab 21. Januar eine Neuinszenierung von Alban Bergs „Lulu“ an, im Schauspiel die „Antigone“ des Sophokles (ab 2. Dezember) und Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichtes“ (Premiere am 14. Dezember).

 

Copyright Fotos:
Landestheater Coburg, Großes Haus, Foto © Andrea Kemper
Stadttheater Fürth, Foto © Stadttheater Fürth
E.T.A. Hoffmann Theater Bamberg, Foto © Thomas Bachmann
Das Theater in Hof bei Nacht, Foto © Theater Hof
Markgrafentheater Erlangen, Foto © Jochen Quast
Theater Erfurt, Foto © Theater Erfurt

Martin Köhl
28.11.2016

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