Annelise Kretschmer - Entdeckungen

Fotografien 1922 bis 1975

Annelise Kretschmer - Entdeckungen

 Annelise Kretschmer, am 11. Februar 1903 als Annelise Silberbach in Dortmund geboren, gehörte zu den ersten Fotografinnen Deutschlands, die über ein eigenes Atelier verfügte. Gleichwohl sie dem Konzept der Neuen Sachlichkeit durchaus nahestand, entwickelte sie eine eigene Ästhetik, aus der dann auch ein eigenes Konzept entstand. Wie begnadet Annelise Kretschmer war, lässt sich daran ermessen, dass sie bereits mit ihren ersten Arbeiten auf den ganz großen Ausstellungen ihrer Zeit in München, Wien und Paris vertreten war. Aufgrund der jüdischen Herkunft ihres Vaters wurde Annelise Kretschmer während der Zeit des NS-Regimes aus der Gesellschaft deutscher Lichtbildner ausgeschlossen. Kretschmers Atelier, das in den ersten Jahren nach der Machtergreifung Ziel judenfeindlicher Schikanen war, wurde schließlich 1944 während eines Bombenangriffes auf Dortmund zerstört. Fünf Jahre nach dem Krieg eröffnete sie ein neues Atelier und widmete sich anschließend vorwiegend Kunden aus Industrie und Wirtschaft mit einem Schwerpunkt auf Porträtfotographie. Obwohl sie zu den bedeutenden Fotografinnen der Weimarer Republik zählt, geriet ihr Werk in den Nachkriegsjahren in Vergessenheit. Das Käthe Kollwitz Museum Köln widmete Annelise Kretschmer in diesem Jahr eine Ausstellung, in der rund 80 Fotografien präsentiert werden konnten, die größtenteils vorher nie öffentlich gezeigt worden waren. Und begleitend zu der Ausstellung erschien im Emons Verlag Köln der Bildband. Bis auf wenige Ausnahmen wird man das besondere Talent Annelise Kretschmers für Porträtfotografie erkennen, ihren besonderen Blick auf die Menschen, die vor ihrer Kamera saßen, standen, posierten oder sich einfach ganz natürlich bewegten. Mitunter tief in die Seele des Objekts scheint sich das Objektiv vorzuarbeiten, dabei aber nie die Oberfläche außer Acht lassend – wunderbare Aufnahmen von den Menschen und ihrer Seele.

Annelise Kretschmer: Photographien, herausgegeben von Hannelore Fischer mit einem Essay von Thomas Linden, Emons Verlag, Deutsch, 120 Seiten, 82 Abbildungen, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-95451-933-0
 


28.11.2016

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