Ein Komponist mit vielen Rollen

Zum zweiten Mal als Biennale: Thüringen feiert Franz Liszt

Ein Komponist mit vielen Rollen

 Franz Liszt hat in seinem Leben so manch unterschiedliche Rollen gespielt – und meisterhaft ausgefüllt. „Zur einen Häfte Zigeuner, zur anderen Franziskaner“, so beschrieb er 1856 seine elementare Zerrissenheit. Diese so unterschiedlichen Befindlichkeiten des großen Komponisten und Virtuosen haben die Macher der II. Liszt-Biennale Thüringen dazu bewogen, ihr Programm für 2017, das am 31. Mai beginnt, mit dem Motto „Rollenspiele“ zu unterfüttern. Weimar war neben Rom und Budapest eine bevorzugte Wahlheimat Franz Liszts in seiner zweiten Lebenshälfte geworden. Mehrere Orte Thüringens sind eng mit seinem Namen verbunden, z.B. Sondershausen, Eisenach und Meiningen. Die zweite Liszt-Biennale breitet sich deshalb auch flächendeckend über das Bundesland aus, beginnend mit einem Eröffnungskonzert der Staatskapelle Weimar. Zeitgleich findet in Sondershausen, wo 1876 Liszts „Hamlet“ von der seinerzeit äußerst angesehenen Hofkapelle uraufgeführt wurde, ein Konzert mit Werken der so genannten „Neudeutschen Schule“ statt. Noch berühmter war die Hofkapelle zu Meiningen, wo am 1. Juni ein sinfonischer Abend mit dem monumentalen Klavierkonzert „In seven days“ von Thomas Adès stattfindet. „Wege in die Zukunft“ ist das parallel terminierte Konzert in Gotha überschrieben, Weimars Nachbarstadt, zu deren Kunst und Musik liebendem Hof Liszt engen Kontakt pflegte. Anderntags heißt es an derselben Stelle „Der verflixte Liszt – exzentrisch, rastlos, virtuos“, und der musikalische Kabarettist Felix Reuter wird sich den Komponisten aus ganz anderer Perspektive anschauen. Großformatig geht es am selben Tag in Weimar her, denn Leos Janáceks „Glagolitische Messe“ wird aufgeführt (einen Tag später auch im Erfurter Dom).

Die Bühnen der Stadt Gera warten am 2. und 6. Juni mit neuen Balletten von Silvana Schröder auf, für die Liszts Dante-Symphonie und Richard Strauss’ „Vier letzte Lieder“ die musikalische Grundlage bieten. Die Wartburg, die für Liszt die Inspirationsquelle für sein Oratorium „Die Legende von der heiligen Elisabeth“ wurde (es wurde vor 150 Jahren dort unter seiner Leitung aufgeführt), wird am 3. Juni der Ort für die halbszenische Aufführung von Richard Wagners „Tannhäuser“ sein. Enrico Pace spielt am selben Abend in Sondershausen auf dem Liszt-Flügel von 1875, während die Landeskapelle Eisenach sich Liszts Konzert für Klavier und Streicher mit dem Titel „Malédiction“ vornimmt. Ein „Philharmonisches Schlosskonzert“ erwartet die Liebhaber der Altenburger Residenz am 3. und 5. Juni, zwischendurch kann man in der Erfurter Predigerkirche die Kombination Mezzosopran und Orgel hören sowie die Orgel- bzw. Klavierfassungen verschiedener Bach‘scher und Liszt‘scher Werke vergleichen.

An diesem 4. Juni kann man jedoch ebenso gut wieder zur Wartburg fahren und den Pianisten Boris Bloch sich der Vielfalt des Lisztschen Klavierwerkes widmen hören. Als Geheimtipp könnte sich die Exkursion ins Dörfchen Denstedt erweisen, wo am 5. Juni Michael von Hintzenstein auf jenem Instrument spielen wird, auf dem einst Liszt seine „Orgelconferenzen“ abhielt. Die Soiree zum Ausklang am 5. Juni in Weimar wendet sich wieder jenem Instrument zu, mit dem der Name Liszts untrennbar verbunden ist: dem Klavier. Und dabei kehrt man wieder, wie schon 2015, quasi „nach Hause“ zurück. Damals fand der Abschluss im Liszthaus statt, diesmal geht es am 5. Juni in ein anderes Weimarer Liszt-Domizil, nämlich das in der „Altenburg“. Der junge Mehrfach-Preisträger von Klavierwettbewerben Vitaly Pisarenko wird Werke von Franz Schubert und natürlich von Franz Liszt spielen.


Fotocredits:
Goethe-Schiller-Denkmal, Foto © weimar GmbH, Guido Werner

Martin Köhl
30.03.2017

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