Der rote Faden zur Macht

Neue Dauerausstellung im Nürnberger Stadtmuseum: „Krone – Macht – Geschichte. Nürnberg auf einen Blick“

Der rote Faden zur Macht

 Rot ist die Farbe der Macht. Schon im Altertum bekannt, war sie über Jahrhunderte, gar Jahrtausende allein den Kirchenoberhäuptern und weltlichen Machthabern vorbehalten, denn sie war teuer in der Herstellung, das Vorkommen an Purpurschnecken und Kermesläusen begrenzt. Im Zeitalter der synthetischen Herstellungsverfahren hat sich das inzwischen geändert. An Symbolhaftigkeit hat die Farbe Rot aber trotzdem nicht einbüßen müssen.

So lässt sich auch erklären, warum man im Nürnberger Fembo-Haus neuerdings rotsieht. Denn die Farbe zieht sich wie ein (selbstverständlich!) roter Faden durch die neue Dauerausstellung des Stadtmuseums, das sich in der Achse zwischen Hauptmarkt und Kaiserburg in Nürnbergs einzigem noch erhaltenen Kaufmannsanwesen der Spätrenaissance befindet. Die Ausstellung heißt auch entsprechend: „Krone – Macht – Geschichte. Nürnberg auf einen Blick.“ Na ja, vermutlich bedarf es trotz der proklamierten Übersichtlichkeit ein paar mehr Blicken. Jedenfalls wird die 800-jährige Stadtgeschichte Nürnbergs ab sofort auf einer Fläche von 110 Quadratmetern übersichtlich präsentiert und will damit vor allem den „eiligen“ Gast ansprechen, dessen Zeit knapp bemessen ist. Die Ausstellung soll als Einführung in die Geschichte Nürnbergs und als zusätzliche Ausstellungseinheit zu den restlichen Museumsräumen begriffen werden. Sie richtet sich deshalb auch an Gruppen und Schulklassen. Geschätzt eine halbe Stunde muss der Eilige aber trotzdem einplanen, wenn er das Haus mit neuen Erkenntnissen verlassen will. Aber so viel Zeit muss sein.

Zum Erkenntnisgewinn tragen acht Promis längst vergangener Tage bei. Kaiser Friedrich II. klärt über die Anfänge der Stadtgeschichte auf und übergibt an Kaiser Sigismund, der den wertvollen Krönungsschatz des Heiligen Römischen Reiches – die sogenannten Reichskleinodien – am 22. März 1424 in die damalige Reichsstadt Nürnberg brachte und dort verwahren ließ. Die Repliken des Kronschatzes, die sich in ihrer Präsentation bewusst von den Originalen in der Wiener Hofburg abheben, sind das Kernstück der Ausstellung und werden nun auf vielfachen Wunsch nicht mehr im Nebenraum der Rathaus-Ehrenhalle, sondern in der neuen Dauerausstellung präsentiert. Außerdem wird in der Ausstellung geklärt, warum die Herrschaftsinsignien, bestehend aus Krone, Apfel und Zepter, ausgerechnet in der Noris verwahrt wurden und wie sich die Stadt im 16. Jahrhundert zum „Centrum Europae“ entwickelte. Gerade jetzt im Lutherjahr bietet es sich auch an, einen Blick auf die reformatorische Rolle der protestantisch geprägten Stadt im sonst so katholischen Bayern zu werfen. Dazu gibt Luthers Mitstreiter Philipp Melanchthon Auskunft. Vom wirtschaftlichen und politischen Niedergang der Stadt nach dem Dreißigjährigen Krieg und der kulturellen Wiedererstarkung weiß der Barockmaler und Mitbegründer der ersten deutschen Kunstakademie Joachim von Sandrart zu berichten. König Ludwig I. von Bayern hingegen kennt sich in der Zeit der aufkommenden Industrialisierung und Romantik bestens aus. Weniger als ein Jahrhundert später sollte Nürnberg zum machtpolitischen Zentrum des Nationalsozialismus und folglich zum Angriffsziel der alliierten Streitkräfte werden und in Schutt und Asche versinken. Auch dieses dunkle Kapitel, das mit dem Wiederaufbau der Stadt endlich auch wieder Lichtblicke erlaubte, wird näher beleuchtet.

Nun ist es nicht etwa durch Reinkarnation möglich, dass diese berühmten Herrschaften den Besucher durch die neue Dauerausstellung führen können, sondern mittels neuester Technik. Erstmals kommen bei den Museen der Stadt Nürnberg 38 Tablet-PCs zum Einsatz, die als Medienguide fungieren und verschiedene Vertiefungsebenen anbieten, sodass sich jeder Besucher seine Führung selbst zusammenstellen kann. Aber nicht nur die Digital Natives sollen ihren Spaß haben, auch der technikunversierte Museumsbesucher braucht sich nicht vor dem neuen Vermittlungskonzept zu scheuen. An ihn wurde bzgl. der Gerätekonzeption ebenfalls gedacht. Wer trotzdem keinen Zugang zur neuen Technik finden kann oder will, wird jedoch nicht verstoßen – die guten alten Textinformationen neben den Exponaten sind nach wie vor nicht ganz aus der Mode gekommen. Damit gewährleistet werden kann, dass auch wirklich jeder etwas davon hat, besteht für Menschen mit einem Hörgerät die Möglichkeit des induktiven Hörens.

Öffentliche Führungen („Die Nürnberg-Story“, „Die Kaiserkrone im Bierkeller – wie die Monuments Men die Reichskleinodien fanden“ u. a.) sowie buchbare Führungen für sämtliche Zielgruppen (z. B. „Die Schätze einer mittelalterlichen Stadt für Schulklassen“) runden die neue Dauerausstellung im Fembo-Haus ab.


Fotocredits:
Blick in den neuen Ausstellungssaal „Krone – Macht – Geschichte“, Foto © Museen der Stadt Nürnberg, Stefan Meyer

 

Franziska Gurk
30.03.2017

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