Lemur – Die Rache der Tiere

(Kreismusik)

Lemur – Die Rache der Tiere

 Der Feuchtnasenaffe mit der sympathischen Stimme ist zurück. Rapper Lemur, einst die Hälfte von Herr von Grau, hat mit „Die Rache der Tiere“ sein zweites Soloalbum an den Start gebracht. Im zweiten Track macht Ex-Herr von Grau gleich mal klar, dass er „keinen Bock mehr aufs Menschsein“ und deshalb die Verwandlung zum Lemur vollzogen hat – auch um die Rache der Tiere nicht mehr fürchten zu müssen. Denn „dieser Planet macht sich sauber“ und ist obendrein „saumäßig sauer.“

Recht hat er, der Wahlberliner, der eigentlich aus Wolfsburg stammt. An die niedersächsische Industriestadt, die aktuell ziemlich zum Himmel stinkt, erinnert er sich in „Wolfsburg“. Vergangenheit prägt, auch wenn sie sich irgendwann nur noch so anfühlt wie ein Wimpernschlag und Erinnerungen nicht immer nur positiv sind. Apropos Himmel: Was seine Gedanken heute bestimmt, verpackt er in Songs wie „Highlander“. Da rappt er energisch gegen religiösen Fanatismus an. In „VIP-Lounge“ zeigt er sich hörbar genervt von den verklausulierten Politikerfloskeln. Das beweist ein gutes Gespür für die aktuellen Themen des Zeitgeschehens. Überhaupt hat er großes analytisches Talent und beeindruckt mit gekonnter Scharfzüngigkeit. Viele Songs auf dem neuen Album sind daher eher nachdenklich, atmosphärisch düster bis misanthropisch, aber es gibt Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Die Tatsache, dass wir alle irgendwann mal „stigge-di-sterben“ werden, besingt der „Schattengeist des Todes“ (was „Lemur“ im Lateinischen bedeutet) launig und feiert gleichwohl das Leben – „Sterben“ avanciert dank Galgenhumor nach ein, zwei Mal hören zum Lieblingssong der Platte. Musikalisch bewegt sich „Die Rache der Tiere“ zwischen Boom Bap und Drum’n‘Bass und hat seine Wurzeln damit im Underground. Dabei ist es keine Frage mehr: Lemur gehört ans Tageslicht. Als 1a Geschichtenerzähler, der er zweifelsohne ist.

Franziska Gurk
30.03.2017

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