Ein Blume als Imperator

Kollegah am 11. April im Nürnberger Löwensaal

Ein Blume als Imperator

 Kollegah nimmt in der Hip-Hop-Szene eine Sonderstellung ein und polarisiert wie kaum ein anderer Künstler. Mit seinem neusten Werk geht er auf „Imperator“- Tournee und gastiert am Dienstag, 11. April, ab 20 Uhr im Nürnberger Löwensaal.

Die einen schätzen seine Ironie und Wortgewandtheit, die anderen werfen ihm die Verherrlichung stereotyper Vorurteile vor. Der Sohn eines kanadischen Vaters und einer deutschen Mutter ist vor allem aber eine recht vielschichtige Persönlichkeit. In seinem neuen Album „Imperator“ versucht er den Spagat zwischen seiner bewährten Erfolgsgarantie Gangster-Rap und einer Vorbildfunktion zu verkörpern. Ein mutiger Spagat. Schließlich ist Felix Antoine Blume, wie der 29-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt, einer der ungekrönten Schaumschläger der deutschen Hip-Hop-Szene. Kein noch so plumpes Battle mit ungeliebten Kollegen lässt er aus, sich selbst bezeichnet er gerne als King, als Boss – oder eben neuerdings als Imperator. Und dabei polarisiert er mitunter weit über Gebühr. Kollegah etablierte sich als einer der erfolgreichsten Rapper des Landes. Nach einigen Soloalben und unzähligen in der Szene groß gefeierten Mix-Tapes feierte Kollegah 2014 seinen ersten großen Erfolg. Das Album „King“ verkaufte sich in der ersten Woche über 100000 Mal und erlangte nach nicht einmal 24 Stunden Goldstatus, wurde am Ende sogar mit Platin ausgezeichnet. Im Dezember 2015 veröffentlichte Kollegah das Album „Zuhältertape 4“, das es innerhalb einer Woche an die Spitze der deutschen Albumcharts schaffte, wobei es – noch vor Weihnachten 2015 – Helene Fischers Album „Weihnachten“ auf Platz 2 verdrängte. Auch die Scheibe erhielt Goldstatus. Nicht der letzte Streich des gebürtigen Friedbergers. Sein neues Album heimste ebenfalls binnen kürzester Zeit eine goldene Schallplatte ein – und der gebürtige Hesse mit dem Monstertempo in seinen Rhymes manifestierte damit seine Position in der deutschen Hip-Hop-Landschaft.

Dabei geht er mit Imperator auf seiner neuen Platte ganz neue Wege. „Es ist sicherlich mein persönlichstes Album“, so Kollegah jüngst in einem Interview. Doch nicht nur die persönliche Note verleiht dem neuen Werk besonderen Glanz. Er brilliert auch einmal mehr mit Altgewohntem. Neben einem herrlichen Faible für doppeldeutige Wortspiele bringt er erneut unbändiges Tempo in seinen mitunter ellenlangen Reimen zum Tragen und vergisst dabei auch nicht eine gehörige Portion Ironie ins Spiel zu bringen. Er hat sich – trotz aller Überheblichkeit – anscheinend wieder etwas auf den Boden der Realität bewegt. Schließlich, das steht unzweifelhaft fest, ist der zum Islam konvertierte Deutsch-Kanadier mit algerischem Stiefvater, einer aus der Kategorie der intelligenteren Rapkünstler der Republik. Er, der sich auch als Übersetzer verdingt, studiert seit einigen Jahren Jura. Auch wenn das Studium gemächlich abläuft: Viele können das nicht von sich behaupten. Der Fokus, der gilt seiner Musik. Im März 2016 gründete Kollegah sein eigenes Label Alpha Music Empire. Sein sechstes Studioalbum „Imperator“ erschien am 9. Dezember. Die erste Single „Nero“ entwickelt sich bereits nach ein paar Tagen mit über 2,7 Millionen Klicks zum absoluten Gassenhauer. Er, dessen Stil in der Öffentlichkeit gerne als Zuhälter-Rap bezeichnet wird, sieht sich als einer, der eine Kunstform betreibt. „Junge Leute, die die Musik hören, können das einordnen“, so Kollegah jüngst in der Hannoverschen Allgemeinen. Daher ist er auch überzeugt, dass der Spagat zwischen seinem Erfolgsrezept und seiner zunehmend persönlicher werdenden Note in den Songs massenkompatibel ist und bei seinen Anhängern ankommt. Schließlich will er auch bekehren. Zu einem besseren Leben mit Sport und ohne Drogen. „Ich habe die alle durch“, sagt er, „und weiß, wovon ich rede.“ Ein knallharter Gangster-Rapper auf Kuschelkurs? Eine ganz neue Seite an Kollegah. Der sah sich in den letzten Jahren nicht wenigen Anfeindungen ausgesetzt. Angefangen über Homophobie bis hin zu antisemitischen Äußerungen reichten die Vorwürfe, die er zu hören bekam. Diese dementierte er meist postwendend und suchte den Dialog mit den betreffenden Personen. Nicht im Battle-Stil, wie im Hip-Hop weit verbreitet (erinnert sei nur an sein Meisterwerk der Diss-Kunst „Ein guter Tag zum Sterben“), sondern im ernsthaften Gespräch. Und da kann der gebürtige Hesse durchaus ebenfalls überzeugen. So derbe die Themen, Bilder und Reime seiner Songs ausfallen, er selbst versteht sich als Vorbild für die junge Generation. Was er über sein erstes Album sagte, würde er sicher auch noch lange danach ohne zu zögern unterschreiben: „Ich lebe ihnen auf dem Album den erhabenen, bosshaften Kollegah-Lifestyle vor und biete somit auch vor allem der perspektivlosen Jugend etwas zum Festhalten, zum daran Orientieren. Auf dass sie mit mehr Selbstbewusstsein und Coolness durch das Leben schreiten mögen, um so in allen Bereichen des täglichen Lebens erfolgreicher zu sein. Es geht hier also nicht nur um Musik, nein, es geht um ein neues Lebensgefühl.“ Kollegahs Worte in den Gehörgängen der Rap hörenden Jungspunde. Auch mit solchen Sätzen erwirbt er sich eine Sonderstellung in der neuen deutschen Hip-Hop-Szene. Allen Kritikpunkten zum Trotz – Kollegah hat sich seine Position im Olymp der Deutsch-Rapper längst gesichert. Und kann damit Gutes tun.

 

Fotocredits:
Kollegah, Imperator Tour, Foto © Tourposter (Ausschnitt)

Andreas Bär
31.03.2017

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