Mannheimer Heimatliebe in der Würzburger Posthalle

Die „Söhne Mannheims“ gastieren am 11. Mai in Unterfranken

Mannheimer Heimatliebe in der Würzburger Posthalle

 Sie waren einst eines der verrücktesten Projekte in der deutschen Musiklandschaft. Heute sind die Söhne Mannheims längst etabliert und immer wieder für den ein oder anderen Gassenhauer gut. Am 11. Mai gastieren Xavier Naidoo und seine Mitstreiter in der Würzburger Posthalle.

In Originalformation gehen die Söhne Mannheims im Mai auf Tour. Die „Mannheim zu Dir Tour“ 2017 umfasst insgesamt 15 Stationen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg, ehe es im Sommer Open Air weitergeht und die Jungs am 29. Juni auf der Burg Abenberg und am 25. August zum HUK-Open Air in Coburg gastieren. Die Krönung turbulenter Tage der Mannheimer Kombo. Nach einer Live-Verschnaufpause kehrte die Band kürzlich ins Studio zurück, um ein neues Album aufzunehmen – das wird im April 2017 erscheinen. Im Mai dann die neue Konzert-Etappe mit vielen intimen Shows, ehe man sich wieder den großen Bühnen der Republik widmet.

1995 gegründet, haben sich die Söhne Mannheims mit bisher fünf Studio-Alben, zahlreichen Hits und mit ausverkauften Tourneen seit über 20 Jahren zur absoluten Kultband entwickelt. Das ist nicht zuletzt dem unvergleichlichen Live-Feeling zu verdanken, das die Band und ihre Fans stets vom ersten bis zum letzten Beat verbindet. Rockig, kraftvoll, mit großer Leichtigkeit und trotzdem eindrucksvoll – so lässt sich die euphorisierende Wirkung der Band auf ihr Publikum beschreiben, die jedes Konzert der Söhne Mannheims zu einem unvergesslichen Ereignis macht. Doch nicht nur die musikalischen Qualitäten eines jeden einzelnen Bandmitglieds machen den Reiz der Band aus. Vielmehr ist es die Kombination unterschiedlichster Charaktere zu einer stimmigen Einheit, die auf der Bühne spürbar wird. Dabei sind die Zeiten, als Xavier Naidoo der unumstrittene Mittelpunkt war, längst Vergangenheit. Was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass der einstige H-Blockx-Frontmann Henning Wehland derzeit an der Seite von Sarah Connor ein fulminantes Comeback hinlegt. Apropos Wehland: Er ist derjenige, der ursprünglich (scheinbar) am wenigsten zu den Söhnen zu passen schien. Der trotzige Sänger einer Crossover-Band mit Punk-Attitüde an der Seite von Soulbarde Xavier Naidoo und seiner Mitstreiter aus „Monnem“? Eigentlich undenkbar. Aber nur eigentlich. Wehland mauserte sich zum heimlichen Star der Söhne Mannheims und brillierte auch noch als seine eigentliche Band längst auf dem absteigenden Ast befindlich war. Zum zweiten Werk der Söhne 2004 stieß er als Nachfolger von Rolf Stahlofen dazu: Und sorgte für noch mehr Sangespower bei der Truppe, die einst den Köpfen Naidoos und seiner Kumpels entsprang.

Bereits im Jahre 1992 hat Xavier Naidoo die Vision von Mannheim als Ebenbild Jerusalems hat. Mit dem Königsstuhl bei Heidelberg befinde sich sogar der heilige Berg Zion in der Nähe. Erst drei Jahre später überzeugt Naidoo seine ersten sieben Jünger restlos. Zu diesen Ur-Mitgliedern gehören Michael Herberger, Claus Eisenmann und DJ Davis. Sie alle verbindet die Liebe zur Heimatstadt Mannheim und so einigt man sich auf den treffenden Namen Die Söhne Mannheims. Es folgen monatelange Aufenthalte im Kellerraum von Eisenmann und im Küchenstudio von Michael Herberger. Die ersten Tracks wie „Meine Stadt“, 20000 Meilen“ und „Quadrate“ werden aufgenommen – zu einer Zeit, als die Solokarriere Xavier Naidoos bei Kumpel Moses Pelhams Label 3p gerade Fahrt aufnimmt. Clever vom Sänger: Eine Ausstiegsklausel ermöglicht es ihm, jederzeit mit den Söhnen zu performen. Am Ende sichert er sich gerichtlich die Möglichkeit, die Band eigenverantwortlich zu vermarkten. Die Söhne Mannheims waren, auch dank der Schubkraft des Namens Naidoo, mittendrin im großen Soul- und Popgeschäft. Während Keyboarder Herberger an den Songs tüfelt, Eisenmann an seinen Gesangstechniken feilt und der begnadete DJ Billy Davis seine Cuts und Scratches perfektioniert, nimmt das Projek Gestalt an. Was viele sogenannte Experten verwunderte. Schließlich galt die Band bei den meisten als Totgeburt. Wie soll auch ein Projekt mit 17 Mitstreitern auf einer Bühne von Erfolg gekrönt sein? Sie alle irrten. Die Söhne Mannheims starteten durch und trotzten allen Widerständen. Auch als sich Xavier Naidoo 2014 vorläufig als Frontmann verabschiedete, verschwanden die verbliebenen Söhne nicht in der Versenkung. Ganz im Gegenteil: Henning Wehland sah Naidoos Abschied als Chance für die Kombo. Und diese nutzte man. „Ein unsichtbares Band hält uns zusammen – immer wieder, und immer wieder neu. Jedes Album ist ein kleines Debüt, jede Silbe wahr, an jeder Note klebt Herzblut. Wir bleiben uns treu, indem wir uns ändern. Doch was uns eint, sind: Heimat, Spielfreude, Mut und Einklang. Und die Liebe zur Musik“, so das Motto der Band auf der eigenen Homepage. Treffender kann man es wohl kaum beschreiben. Und genauso bringen das die Söhne Mannheims auf der Bühne auch herüber. Was das Publikum in schöner Regelmäßigkeit honoriert. Man darf gespannt sein auf die Reunion der Originalbesetzung – der ein oder andere Leckerbissen scheint da garantiert.


Fotocredits:
Söhne Mannheims, Foto © Thommy Mardo

Andreas Bär
31.03.2017

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