Ein aberwitziges Unterfangen?

In jedem Fall ein prüfender Blick.

Ein aberwitziges Unterfangen?

 Noch bis Juni ist in Rudolstadt das Theaterstück „Die Bibel“ von Niklas Radström als deutschsprachige Erstaufführung zu sehen.

Die Bibel als Theaterstück? Klingt nach einem aberwitzigen Unterfangen. Allein die Besetzung: mehr als dreitausend Personen werden erwähnt, dann die Schauplätze: Berge, Meere, Walfischmägen; die Katastrophen: Fluten, Kriege, Plagen; die Wunder: diverse Engel, unerklärliche Schwangerschaften, brennende Dornbüsche. Und, gesetzt, man überwindet alle Hindernisse, so blieben heutige Empfindlichkeiten: Wird man Gläubige verprellen, wenn man sich vom Allerheiligsten ein Bild macht, kann man Nichtchristen trotz ihrer Vorurteile überzeugen, dass diese archaischen Geschichten erzählenswert sind? Ist es heikel, das Buch der Bücher aufzuschlagen, gerade jetzt, wo Toleranz in religiösen Fragen gefordert scheint?

Der schwedische Autor Niklas Radström verbindet zentrale Motive des Alten und Neuen Testaments zu einer kolportageartigen Revue. Sein Zugriff ist weltlich und gegenwärtig. »Die Bibel« erzählt in einundvierzig Szenen von der blutigen Spur der Menschheit und zwingt uns zum prüfenden Blick in den Spiegel. Sind wir, trotz aller technologischen und sozialen Entwicklung, wirklich vorangekommen? Bietet Glaube Hilfe im Chaos des historischen Prozesses? Fragen über Fragen… Seine Uraufführung erlebte das umfangreiche Werk 2012 im schwedischen Theater Göteborg. Im Januar 2017 kam es in Rudolstadt als Auftakt zum Reformationsjahr 2017 in einer Übersetzung von Steffen Mensching zur deutschsprachigen Erstaufführung. Noch bis Juni können weitere Vorstellungen besucht werden.

Alle Termine unter http://www.theater-rudolstadt.de

 

Fotocredits:
„Die Bibel“, Foto © Lisa Stern


31.03.2017

Eure Meinung? Leserbrief verfassen