Nürnbergs Aufbruch ins humanistische Zeitalter

Reformationsbeiträge in der protestantischen Hochburg

Nürnbergs Aufbruch ins humanistische Zeitalter


 Als protestantisches Zentrum Frankens und Süddeutschlands ist man in Nürnberg bestens für das Lutherjahr gewappnet. Gleich zwei große Ausstellungen im Albrecht-Dürer-Haus und Germanischen Nationalmuseum beschäftigen sich ab Ende Juni mit der Thematik Reformation. Die dreiteilige Ausstellung „Neuer Geist und neuer Glaube – Albrecht Dürer als Zeitzeuge der Reformation“ spürt vom 30. Juni bis 4. Oktober den engen, oft überraschenden Zusammenhängen zwischen Humanismus, Bildungsreform und Reformation in Nürnberg nach. Neben den wichtigsten Nürnberger Protagonisten des Humanismus, widmet sich die Präsentation im Graphischen Kabinett und im Dürer-Saal des Albrecht-Dürer-Hauses einer der bestdokumentierten Persönlichkeiten der Reformationsepoche: dem Künstler, Humanisten und leidenschaftlichen Christen Albrecht Dürer. Die Ausstellung zeigt, wie sich das berühmte Nürnberger Universalgenie in dieser Zeit des Umbruchs sowohl persönlich als auch künstlerisch positionierte. Am 13. Juli schließlich startet im germanischen Nationalmuseum die Ausstellung „Luther, Kolumbus und die Folgen“ (bis 12. November 2017). Präsentiert wird das dramatische Nebeneinander von Aufbruchsstimmung und Endzeit-Angst, von Wissensdurst und Neugierverbot, wie es die Umbruchsjahre zur Neuzeit hin prägte. Begleitend finden am 20.08., 03.09. und 17.09. sowie am 1.10. Kombiführungen statt, die die beiden Ausstellungen zur Reformations- und Mentalitätsgeschichte des 16. Jahrhunderts verbinden.

In dem Projekt „Matthäus. Passion“ treffen Sängerinnen und Sänger des Staatstheaters Nürnberg am 19. Mai auf das Orchester der Hochschule für Musik Nürnberg und auf den Bachchor St. Lorenz und präsentieren unter der Leitung von Guido Johannes Rumstadt und in Kooperation mit der Internationalen Orgelwoche Nürnberg ein szenisches Oratorium zur Matthäuspassion nach Johann Sebastian Bach. Der in Bagdad geborene, israelische Regisseur David Mouchtar-Samorai hat am Staatstheater Nürnberg bereits zwei Opernwerke über das Schicksal des jüdischen Volkes auf die Bühne gebracht („Moses und Pharao“ sowie „Samson und Dalila“). Auch Bachs Passion nähert er sich aus der Perspektive des jüdischen Glaubens. So rückt er die Figur des Judas als tragischer Gegenpol zu Christus ebenso in den Mittelpunkt wie die Chöre der aufgebrachten jüdischen Menge. Aufführungsort ist die Kirche St. Lorenz, die zentrale Kathedrale des Protestantismus, in Nürnberg. Weitere Vorstellungen finden am 20.05., 01.07. und 05.07. jeweils um 20.30 Uhr statt.

Und auch die Nürnberger Symphoniker setzen sich in der Saison 2017/18 musikalisch mit dem Reformationsjahr auseinander. Am 16. September um 20 Uhr wird Henrik Ajaxs Komposition „500 Jahre Luther“ uraufgeführt. Auch im 5. Symphonischen Konzert am 28. Oktober 2017 um 20.00 Uhr steht die Reformation mit der 5. Symphonie (Reformations-Symphonie) von Felix Mendelssohn Bartholdy im Mittelpunkt. Mendelssohn komponierte diese Symphonie 1830 zum 300. Jubiläum der Confessio Augustana, dem grundlegenden Bekenntnis der lutherischen Reichsstände zu ihrem Glauben. Beide Konzerte finden in Nürnberg in der Meistersingerhalle statt. Beide Konzertabende werden zudem durch andere Werkaufführungen ergänzt.

 

Fotocredits:
Behaim-Globus, Nürnberg, 1492/94, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Foto © Germanisches Nationalmuseum


31.03.2017

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