50 Jahre Zuhause für Kunst und Kultur

Die Meistersingerhalle feiert Jubiläum

50 Jahre Zuhause für Kunst und Kultur

Nürnberg - Stadtteil Dutzendteich, Luitpoldhain, Münchner Straße 21. Seit 50 Jahren ragt sie hier solide aus einem Meer an grünen Bäumen hervor. Fest integriert in die Natur -  mit verantwortungsvollem Blick auf den alten Baumbestand entstanden. Am 07. September 1963 eröffnet, feiert sie 2013 ein halbes Jahrhundert ihres Bestehens: Die Meistersingerhalle.

 

Als Konzert- und Kongresshalle richtet sie seit nun mehr 50 Jahren klassische Konzerte der Staatsphilharmonie Nürnberg und der Nürnberger Symphoniker aus, bringt Theater, Musicals und Ballettaufführungen auf die Bühne, begeistert mit Kabarettisten, Bällen, Jubiläumsfeiern sowie Rock und Popshows und stellt Lokalitäten für Tagungen, Ausstellungen und Kongresse zur Verfügung. Kurz: Sie bietet Platz und Raum für Natur, Kultur und den Menschen.

 

Menschen schreiben Geschichte, verwirklichen sich in Architektur und entwickeln sie stetig weiter. Die Meistersingerhalle bezeugt dies in vielerlei Hinsicht im positivsten Sinne.

 

Die Geschichte der Halle beginnt streng genommen schon 1906, als die auf dem Reichsparteitagsgelände erbaute Luitpoldhalle, die erste Fest- und Veranstaltungshalle der Stadt Nürnberg - durch den zweiten Weltkrieg schwer beschädigt - nicht mehr aufgebaut werden konnte und deshalb einem neuen repräsentativen Bau für Konzerte und Veranstaltungen weichen musste. Dieses neue Gebäude sollte das Bedürfnis der Menschen nach einem Kultur- und Musikleben in der Stadt wieder stillen. Im Jahr 1956 wurde daher eine Kommission des Stadtrates mit der Planung der neuen Konzerthalle beauftragt. Zwei Jahre später schrieb diese einen Wettbewerb zur Gestaltung des Bauwerks aus, den der Nürnberger Architekt Harald Loebermann für sich gewinnen konnte und somit als Formgeber der neuen Kulturstätte galt. Während er das Außenbild der Halle prägte, widmete sich Wunibald Puchner ihren Innenräumen. Natürliche, warme Farben und die Verwendung von Holz als Verkleidungsmaterial, sowie Fußboden aus dunklem Granit und grünem Marmor schufen zahlreiche Verbindungselemente zwischen Bau und Natur.

 

Nachdem 1960 die Arbeiten an der Halle begonnen hatten, erhielt sie zwei Jahre später ihren Namen: nach der Nürnberger Tradition der Meistersinger aus dem 15. und 16. Jahrhundert und die daran anlehnende Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner war die Konzert- und Kongresshalle fortan als „Meistersingerhalle“ bekannt. In einem weiteren Wettbewerb für den Entwurf eines Emblems, entstand ein Signet aus einer Kombination von M für „Meistersingerhalle“ und N für „Nürnberg“, das nun ab als Erkennungsmerkmal Briefpapier, Bühnenvorhang und Mobiliar des Gebäudes zierte.

 

September 1963 war es dann soweit: Kunst und Kultur hatten ein neues Zuhause und die Stadt Nürnberg konnte sich in einer angemessenen Umgebung wieder der Konzerte und Veranstaltungen erfreuen. Am Unterhaltungsprogramm hat sich seither nicht viel verändert. In den Anfangsjahren der Halle wurden noch in einem hauseigenen Studio Rundfunkaufnahmen produziert, was heute nicht mehr der Fall ist. Im Laufe der Zeit ging zudem die Zahl der Bälle und Kongresse zurück - letzteres lässt sich auf den Bau der Messe in Nürnberg zurückführen. Um einen Ausgleich zu schaffen, werden mehr Rock und Pop Konzerte veranstaltet und die Kulturhungrigen mit Musicals erfreut.

 

Aber wie nun das 50-jährige Bestehen feiern? Mit der Aufführung von „Die Meistersinger von Nürnberg“, wie einst am Tag der Einweihung? Als Kaffeekränzchen mit einem retrospektiven Plausch? Mit Jubel, Trubel, Paukenschlag? Nein, man altert in Würde und zeigt eine Dauerausstellung, die am 08. Oktober 2013 um 19 Uhr im Großen Foyer von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner eröffnet wird. Eine inhaltliche Einführung gibt es dabei seitens Architekt und Stadtplaner Prof. Peter Zlonicky, der zusammen mit dem Büro makena plangrafik die Dauerausstellung im Bildergang der Halle gestaltet hat. Im Rahmen eines Konzertbesuchs kann die Ausstellung im Großen Saal besichtigt werden. Auch werden Sonderführungen angeboten, von denen die Erste am 19. Oktober um 10 Uhr stattfindet. Von der Geschichte der Halle, der Vorgeschichte des Geländes über den Architekten hinweg, bis hin zu den Künstlern der Halle und der Bühne, dürfte die Ausstellung wohl keine Fragen offen lassen. Viele Informationen lauern hinter den Kulissen. Daten, Fakten, Zahlen in Hülle und Fülle, die nur darauf warten ins Rampenlicht zu rücken:

 

Seit ihrer Eröffnung hat die Meistersingerhalle über 20 Millionen Besucher beherbergt und circa 45.000 Veranstaltungen über die Bühne gebracht. Als Stadt in der Stadt konzipiert, ist sie in der Lage mit eigener Wäscherei und Metzgerei allein lebensfähig zu sein. Auf 12.000 m² bebauter Fläche kann sie zeitgleich etwa 4.000 Besucher beherbergen und steht seit 2007 unter Denkmalschutz. Pause. Atmen. Und weiter.

 

Das Prunkstück - die Steinmeyer-Orgel im großen Saal ist mit 6.646 Pfeifen die zweitgrößte Bayerns – nebenbei: den ersten Platz belegt die Orgel im Dom St. Stephan in Passau. Die Baukosten dieses datenreichen Gebäudes umfassten 30,5 Millionen Deutsche Mark oder nach heutiger Kaufkraft über 70 Millionen Euro. Viele Fakten, die sich da in einem halben Jahrhundert so ansammeln. Nach 50 Jahren Konzerten, Theater-, Ballett- und Musicalaufführungen, Rock und Popshows und vielem mehr, kann die Halle auf ein bemerkenswertes Stück Geschichte zurück blicken. Einen Zeitraum, in dem viele verschiedene Menschen die Halle betreten, sie geprägt und Eindrücke mitgenommen haben. Dazu kann dem Geburtstagskind nur gratuliert werden.

 

Zwei Personen, die das Gebäude grundlegender nicht hätten prägen können, sind der Nürnberger Architekt Harald Loebermann und Akademieprofessor Wunibald Puchner, denen die Halle sowohl ihr Äußeres als auch ihr Inneres verdankt.

 

Harald Loebermann wurde am 14. Oktober 1923 in Ansbach geboren. Als deutscher Architekt und Kunstsammler war er in Nürnberg tätig. 1952 trat er in die Bauarbeiten der Merkur-Kette mit ein und eröffnete zwei Jahre später sein eigenes Büro in Nürnberg. Seine Sammlung von Druckgrafiken, Aquarellen und Zeichnungen von Lyonel Feininger beherbergt heute die Kunstsammlung in Chemnitz.

Die Planung und der Bau der Meistersingerhalle von 1958-1963 ist dabei nur eines mehrerer Projekte, an denen Loebermann mitwirkte. So prägte er des Öfteren das Stadtbild Nürnbergs. Unter anderem von 1966-1972 mit der Wohnanlage „Norikus“. Das Rathaus in Erlangen, sowie das Wohnhaus der Architekten in Fürth entstammen ebenfalls seinem Bleistift. Dennoch bleibt die Planung und Umsetzung der Konzert- und Kongresshalle sein größtes Projekt.

 

Wunibald Puchner, der sich um den Innenausbau der Halle kümmerte, wurde am 01. Juni 1915 in Deggendorf geboren. Als Professor für Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bezog er von 1969-1975 den Posten des Präsidenten der Akademie. Die Projekte Puchners umfassen dabei zum einen natürlich den Ausbau der Meistersingerhalle 1963, zum anderen beispielsweise Privatwohnungen, Hallen, Kurhäuser und Hotels in Freyung, Bad Abbach, Eging und Bamberg. Bei der Gestaltung der Meistersingerhalle schuf Puchner für jeden Raum ein eigenständiges Farbgestaltungsbild, welches durch verschiedene Wandbilder und andere Kunstwerke harmonisch ergänzt wurde. 2009 verstarb er in Nürnberg.

 

Bei der Architektur des Gebäudes galt stets der Grundgedanke, ein Kunstwerk zu errichten, welches Kunst beherbergt und ihr einen angemessenen Rahmen bietet. Von außen betrachtet eher schlicht gehalten, wirkt die Halle von Innen edel und beeindruckend. Viele Verbindungselemente und Anspielungen zur Natur sind hier zu finden. Während im Großen Foyer weiße Marmorsäulen wie die Bäume einer Allee empor ragen, besteht der Fußboden beider Foyers aus grünem Marmor und dunklem Granit. Eine großflächige Verglasung soll in beiden Räumen, die Bäume und Pflanzen der Umgebung in das Raumbild integrieren und somit eine harmonische Lichtkulisse schaffen. Auch sind in beiden Foyers Wandkunstwerke zu finden, wie das des Künstlers Miklós Szmerédy oder das Kupferrelief von Günter Voglsamer. Betritt der Besucher den kleinen Saal, fällt zunächst die pyramidale Deckenbeleuchtung und die großzügige Verwendung von Holzelementen auf, die den Raum allgemein sehr hell wirken lassen. Weiter im großen Saal blickt man über ein Meer aus Stühlen hinweg direkt auf die glanzvolle Steinmeyer-Orgel, die wie ein Fluchtpunkt zwangsläufig alle Blicke im Raum auf sich ziehen muss. Als Prunkstück im Herzen der Meistersingerhalle und beeindruckend wie am ersten Tag, kann 2013 auch auf ihr 50-jähriges Bestehen zurück geblickt werden. HallHalhhahdfkdkjfk

 

Die Architekten gestalteten die Räume, die die Künstler anschließend mit Leben füllten. Im Gästebuch sind sie verewigt: Anne-Sophie Mutter, Cecilia Bartoli, Helmut Lotti, Mireille Mathieu, Mother Africa, Bülent Ceylan, Helge Schneider - um nur ein paar Namen zu nennen. Alle haben sie das Bühnenbild geprägt und die Publikumsreihen gefüllt. Wer da wohl noch alles kommen mag? Vielleicht kehren die Meistersinger ja selbst einmal auf die Bühne zurück.

Kerstin Böhm
19.09.2013

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