Aber es hilft ja nix, wir brauchen mehr Glanz

Der bayerische Kabarettist und Liedermacher Dr. Georg Ringsgwandl im Interview

Aber es hilft ja nix, wir brauchen mehr Glanz

 

„Dieser Dr. Ringsgwandl ist ein Punk-Qualtinger, ein Valentin des Rock´n Roll, ein bayerisches Genie.“ So urteilte Die Zeit bereits 1988 über den Künstler, dessen Debüt-CD „Das Letzte“ zwei Jahre zuvor erschienen war. In der Zwischenzeit ist das Multitalent auch beim Theater und Film tätig gewesen und hat Bücher geschrieben. Und doch kehrt er immer wieder ins Studio zurück, sein aktueller Tonträger „Mehr Glanz!“ erschien im Juni 2013 bei Capriola/Sony Music. Art5Drei sprach mit ihm über seine bewegte Karriere.

 

 

Welche der Musiker die "Mehr Glanz!" eingespielt haben, gehören zur aktuellen Liveband?

 

Ringsgwandl: Gitarren, Mandoline: Daniel Stelter. Schlagzeug, Percussion: Tommy Baldu. E-Baß, Kontrabaß, Moogbaß: Sebastian Flach oder Christian Diener.

 

Wie läßt sich "Mehr Glanz!" im Kontext der bisherigen Veröffentlichungen einordnen?

 

Ringsgwandl: Das ist meine/unsere bisher wohl ausgereifteste Platte. Mit dieser Band spiele ich seit drei Jahren zusammen. Im Laufe von vielen Konzerten haben wir zusammen an den guten schwarzen Grooves gearbeitet und am Klang, dem „Sound“ der Band, und haben vor allem eine Art von Zusammenspiel, von Aufeinander-Hören entwickelt, ohne die man keine wirklich gelungene Musik machen kann.

 

Können Sie bitte 2-3 Titel der CD benennen, die zu ihren Lieblingstücken gehören und kurz skizzieren, was diese in punkto Musik/Text speziell macht?

 

Ringsgwandl: Zuerst mal „Mehr Glanz!“, ein scheinbar einfacher Song mit einem unglaublich federnden Rhythmus, den die Band gleich beim ersten Versuch perfekt entspannt eingespielt hat. Dann: „Jeds Moi“, eine eher jazzige Ballade. Da hab ich mich zum ersten Mal getraut, ein ernstes Liebeslied zu schreiben. Aber, alle dreizehn Songs sind meine Kinder, und jedes mag man auf andere Art und Weise.

 

Sie spielen Gitarre und Zither, wann und von wem haben sie das Spielen erlernt? 

 

Ringsgwandl: Das Zitherspielen hab ich mit sieben Jahren begonnen und vier Jahre bei einem richtigen Lehrer gelernt. Später spielte ich Posaune bei der Schuldixiband. Das mußte ich wegen einer Lungentuberkulose mit achtzehn Jahren aufgeben. Deshalb hab ich im Sanatorium dann Gitarre gelernt, selber, ohne Lehrer.

 

Wann genau haben Sie den Arztberuf aufgegeben und ab wann waren sie nur noch künstlerisch tätig?

 

Ringsgwandl: Meine Stelle als Krankenhausarzt habe ich am 01. Februar 1993 aufgegeben. Mit Ausnahme von wenigen Aushilfsjobs als Doktor hab ich seitdem nur noch künstlerisch gearbeitet.

 

Sie sind Sänger/Songwriter, Kabarettist und schreiben Bühnenstücke und Bücher. Wo sehen Sie den Schwerpunkt und brauchen Sie die kreative Abwechslung? Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?

 

Ringsgwandl: Ich führe eine Art künstlerischen Gemischtwarenladen. Ich schreibe Songs für mich und Musiktheaterstücke für andere, Essays für Zeitungen, Bücher. Schreiben auf der einen und Bühnenauftritte auf der anderen Seite sind zwar scharfe Gegensätze, aber eben abwechslungsreich, also sehr belebend.

 

Sie stammen aus Bad Reichenhall, wo leben Sie heute? Allein oder mit Familie? Welche Rolle spielt Bayern bei Ihrer Arbeit als Künstler?

 

Ringsgwandl: Meine festen Wohnsitze sind Murnau und München, zusammen mit meiner Frau. Die Töchter sind inzwischen selbständige Frauen und leben woanders.

 

Für Ihre künstlerische Arbeit haben Sie mehrere Preise und Auszeichnungen erhalten. Welcher Preis/welche Auszeichnung ( u.a. Deutscher Kleinkunstpreis 1988, Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2001) hat die größte Bedeutung für Sie?

 

Ringsgwandl: Schwer zu sagen. Preise sind eine schöne Anerkennung, darüber freut man sich natürlich. Aber sie kommen erst, wenn man schon etwas Bemerkenswertes geschaffen hat. Für die Zukunft helfen sie einem eher nicht.

 

Sie werden im November 65 Jahre alt, denken Sie da gelegentlich an das

Karriereende oder wollen Sie solange wie möglich Musik machen und auftreten?

 

Ringsgwandl: In den freien Berufen arbeitet man, solange man Lust hat und sich die Welt für das interessiert, was man tut. Ein großer Segen gegenüber den Menschen in einem Angestelltenverhältnis.

 

Was darf das Publikum von der Tournee, die ab Oktober startet, erwarten? Spielt die Kostümierung noch eine Rolle?

 

Ringsgwandl: Die Kostümierung steht nicht mehr so im Vordergrund, aber ein paar Überraschungen sind schon drin.

 

"Mehr Glanz!" wird sicher im Vordergrund des Programms stehen, werden auch ältere Titel der frühen CD´s mit im Programm sein?

 

Ringsgwandl: Natürlich gibt es Songs von der neuen CD, wichtig sind aber auch starke Titel von früheren Platten.

 

Was hören Sie persönlich gerne für Musik, haben Sie so eine Art Top Ten

Ihrer Lieblingsmusiker?

 

Ringsgwandl: Händel, Bach, Beatles, Dylan, Bee Gees, Prince, Talking Heads, Rickie Lee Jones, Dolly Parton, Tom Waits, so in etwa.

 

Ringsgwandl wird sein aktuelles Programm „Mehr Glanz!“ am Freitag 01.11.2013 ab 20.00 Uhr in der Konzerthalle Bamberg präsentieren.

 

 

Information: 

 

www.blankomusik.de

www.ringsgwandl.de

 

Frank Keil
19.09.2013

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