Harte Zeiten und ein Bauernhof

„Meine Oma - Eine Annäherung“ von Manfred Kern

Harte Zeiten und ein Bauernhof

Eine Oma auf dem Land - Ich muss sofort an eine Frau im Herbst ihres Lebens denken, die sich darum kümmert, Haus und Hof in Ordnung zu halten, die den leckersten Apfelkuchen backt, den Garten bewirtschaftet, die Tiere versorgt und alle Zeit für ihre Enkel ein Butterbrot schmiert. Die perfekte Landidylle eben. 

 

So viel jedenfalls zu meiner Vorstellung von einer Oma auf einem Bauernhof in heutiger Zeit. Das das nicht ganz der Realität entspricht – vor allem nicht der am Anfang des 20. Jahrhunderts – ist gar keine Frage. Damals herrschten immerhin schwierige Bedingungen vor. Die beiden Weltkriege, die Mechanisierung der Landwirtschaft zu Zeiten des Wirtschaftswunders und die damit einhergehende Abhängigkeit der Bauern vom Markt, lassen nicht viel Raum für eine Bilderbuch-Oma. Auf der Tagesordnung stehen wohl vielmehr die Sorgen um die eigene Familie und die Söhne, die im Krieg sind, um die eigene Existenz, ja die Erhaltung des Bauernhofs. Und woran klammert man sich besonders, wenn all dies auf dem Spiel steht? Genau, an Glaube und Tradition. Eine Frau, deren geliebter Sohn vom Krieg genommen wird, muss an etwas festhalten, bevor sie sich gezwungen sieht, alle Hoffnungen aufzugeben. 

 

Von einer solchen Großmutter handelt das Buch „Meine Oma – eine Annäherung“ von Manfred Kern, das Anfang dieses Jahres im Wiesenburg-Verlag erschienen ist. Die biografisch angehauchte Erzählung berichtet von der Oma einer fränkischen Bauernfamilie, die als Letzte Traditionen und Gottesfurcht verfechtet, ehe sie vom Geist der Zeit weggespült werden. Doch auch sie kann nicht verhindern, dass sich der einst größte Bauernhof des Dorfes dem Fortschritt und der Entwicklung beugen muss. 

 

Manfred Kern, Enkel besagter Oma und Autor des Buches, identifiziert sich selbst, trotz seines Ursprungs aus der traditionsreichen fränkischen Bauernfamilie, nicht mit Franken. Jedoch mit seiner Arbeit und dem Schreiben von Büchern. 1956 in Rothenburg geboren, wuchs er auf einem Bauernhof in Wettringen im Landkreis Ansbach auf. Schon mit vierzehn Jahren entdeckte er das Schreiben für sich und beschloss Schriftsteller zu werden. Nach dem Abitur und dem Abbruch seines Architekturstudiums, führte ihn sein Weg nach Würzburg, wo er eine Ausbildung zum Buchhändler begann. Als er mit seiner Frau nach Coburg umzog, kümmerte er sich als Hausmann um seine Tochter und begann in dieser Zeit Bücher zu veröffentlichen. Bisher zehn Stück an der Zahl und darunter auch „Meine Oma – eine Annäherung“. Das hellblaue Buchcover mit einem Bild von einem Pferdepflug, umrankt von Geäst, zeugt von wenig Optimismus. Die triste Szenerie scheint vielmehr schon vor der Lektüre des Buches von der harten damaligen Zeit zu erzählen. Keine Butterbrot-Oma mit netten Blumenschürzen, sondern die Geschichte einer Frau, an der der Zahn der Zeit, die Umstände und Wehen des Krieges nagen. Es ist eben keines dieser Bücher, die Franken lediglich als Kulisse ihrer Erzählungen nutzen und bei denen sich der Leser allein wegen des regionalen Bezugs vom Kauf überzeugen lässt. Auf wahren Gegebenheiten basierend, ist „Meine Oma“ kritisch, authentisch und auf den Punkt gebracht.

 

 

Information:

 

Kern, Manfred
Mein Oma - Eine Annäherung
Wiesenburg-Verlag 
Ca. 202 Seiten, 350 g, gebunden
ISBN-Nr.978-3-943528-60-2
1.HJ - 4/2013 
Preis: 17,80 €
 

Kerstin Böhm
20.09.2013

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