„implicit touch“

Anfassen erlaubt

„implicit touch“

 Die diesjährige Jahresausstellung des Kunstvereins in der Stadtgalerie Villa Dessauer widmet sich dem Thema Skulptur. Dabei geht es speziell um körperhafte Objekte, bei denen das Form-Werden, die Suche des Künstlers und der Künstlerin nach Form und Gestalt, eine zentrale Rolle spielt. Wieviel „touch“ wird in spezifischen Materialien erkennbar? Wo werden die Spuren zupackender Hände sichtbar? So werden etwa die plastischen Arbeiten des Düsseldorfer Bildhauers Markus Karstieß vor allem durch seine Hände geformt. Der Handabdruck ist inhaltlich immer präsent und formal bestimmend.

Anhand unterschiedlicher Positionen werden prozesshafte Dialoge erfahrbar und begreifbar, die sich zwischen einer konzeptuellen Idee und den Herausforderungen des Materials in einer geradezu physischen Auseinandersetzung ereignen. Im englischen Begriff „touch“ ist der Akt des Berührens enthalten aber auch das Berührt-Werden als emotionale Betroffenheit. Implicit sei uns ein solch körperbasierter Zugang zur Welt als unbewusste Wissensform eingelagert, so die Ausstellungsmacher.

Die Körperlichkeit einer Plastik sei dabei nicht im abbildenden Sinne wichtig, sondern beinhalte die Frage, wie sich der Einsatz des Körpers beim bildnerischen Arbeiten auf das Material überträgt. Heinz Breloh, einer der radikalsten figurativ arbeitenden Künstler des ausgehenden 20. Jahrhunderts, gewinnt seine gestischen Gebilde aus dynamischen Interaktion seines eigenen Körpers mit dem Material – Monumente der Körperspur.

Erstmals in Bamberg zu sehen sind auch Reliefs des Bildhauers Hans Josephson, neben Alberto Giacometti der wohl bedeutendste Bildhauer der Schweiz. In langwierigen Prozessen formte er sein Material immer neu zu amorph anmutenden Figuren.

Gezeigt werden außerdem Werke von Heinz Breloh, Katinka Bock, Frauke Boggasch, Simone Forti, Horst Münch, Cecile Huber, Hans Josephson, Markus Karstieß, und Aimée Parrott. Die Ausstellung möchte zeigen, inwiefern sinnliches Denken, Geschmeidigkeit und Formeleganz weiterhin wesentliche Kriterien für Kunstwerke sind. Sie lädt dazu ein, dem impliziten „touch“ nachzugehen.

Ausstellung „implicit touch“ vom 2. Juni bis 16. Juli 2017 in der Villa Dessauer in Bamberg

 

Fotocredits:
Horst Münch, Die Helle, 1993 (Ausschnitt)
 


01.06.2017

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