WALLY MÜCK, CHARLIE RIVEL, PAUL MAAR

WERNER KOHNS HINREISSENDE PHOTOGRAPHIEN IM STADTARCHIV

WALLY MÜCK, CHARLIE RIVEL, PAUL MAAR

Er hat mit Henri-Cartier Bresson, mit Robert Capa und –1989 in Coburg – gemeinsam mit Gunter Sachs ausgestellt, er hat Größen wie Louis Armstrong, Charlie Rivel und die Beatles photographiert sowie naturgemäß etliche Bamberger Originale, zu denen er selbst (wie auch, selbstverständlich, zu den Großen) zählt: Werner Kohn. Ihm und seinem sich über sechs Dekaden hinweg erstreckenden Œuvre gilt nun eine Ausstellung, zu deren Besuch dringend geraten sei. Möglich ist dies bei freiem Eintritt noch bis zum 28. März im in der Unteren Sandstraße zu Bamberg gelegenen Stadtarchiv.

 

Die „Blickpunkte“ erlauben es, sich mit sechs Dekaden Photographie des gebürtigen Bambergers (Werner Kohn ist Jahrgang 1940) auseinanderzusetzen. Sechzig Aufnahmen aus sechzig Jahren sind hier versammelt, die erste datiert von 1953, das Gros sind Schwarzweißphotos, überwiegend Portraits, bisweilen Szenen aus dem Alltag, hin und wieder auch Stillleben. Kohn versteht sein Handwerk, das steht außer Frage. Er hat nicht nur ein Auge für Motive, die einzufangen sich lohnt, sondern hat zudem – um mit Arnold Schönbergs Musikdrama op. 18 zu sprechen – eine „Glückliche Hand“. „Kohn weiß genau, wann er abdrücken muss“, meinte eine Besucherin bei der Vernissage. Von Digitalkameras hält der Meister wenig, es ist nach wie vor die Kunst der analogen Photographie, der Kohn sich verschrieben hat.

 

Apropos Musik: Auch, wenn er in der aktuellen Ausstellung nahezu vollständig ausgeblendet bleibt, gilt Kohns Leidenschaft vor allem dem Jazz. Einzig der „Kleiderständer“, im März 1962 im Keller der Wilden Rose in der Keßlerstraße aufgenommen, zeugt von der Passion. Dieses Photo ist übrigens auch, neben Portraits von Albert Mangelsdorff beispielsweise, von Gunter Hampel und Louisiana Red, in Oliver van Essenbergs „Jazz Keller Bamberg“ zu finden. Die Musik setzt Kohn im Stadtarchiv stattdessen um über eine Hommage an eine Bamberger Aufführung von Erik Saties im Tempo „très lent“ gehaltenen „Vexations“, einem Bass-Motiv, das (auf dem Klavier) achthundertvierzigmal gespielt werden soll. Und die junge Pianistin Alice Sarah Ott hat Kohn als „Lady in Red“ anfangs Juli 2011 auf dem Maxplatz abgelichtet, als sie mit den Bamberger Symphonikern unter Jonathan Nott Tschaikowskys b-Moll-Konzert op. 23 machte. Für die Farbe Rot scheint Kohn ohnehin ein Faible zu haben. So trug er bei der Vernissage einen roten Pullover, eben jenen, in welchem sich der bemützte und rauschbärtige Künstler auch als Stehfigur in der Ausstellung findet.

 

Bereits mit elf Jahren nahm der Zauber der Photographie Kohn gefangen. Zu Beginn verzeichnete der Schüler jede Aufnahme in einem Heft und listete Motiv, Blende, Belichtungszeit, Entfernung und Lichtverhältnisse auf. An der Regnitz ließ sich Kohn zum Photographen ausbilden, ehe er für die Presseagentur Keystone in München arbeitete. Daran schloss sich ein Studium bei Otto Steinert (1915 bis 1978) an der Essener Folkwangschule an. Seit 1968 ist Kohn freiberuflich tätig und reist im Auftrag von Agenturen um die Welt. Erst vor wenigen Jahren hat er Nordkorea besucht.

 

So legendär wie grandios sind Werner Kohns Bildbände, etwa die 1991 bei Erich Weiß herausgebrachten „Verkehrszeichen“, oder „Blues in my Eyes“ (Bibliothek der Provinz, Weitra, 2004), von dem die ZEIT meinte, dieses Buch könne zum Kern eines Photoarchivs der Jazz- und Rockgeschichte in Deutschland werden. 2010 schließlich hat Kohn den Band „The Beatles – Summer 66“ vorgelegt, in welchem er das Konzert der Pilzköpfe in der Grugahalle dokumentiert.

 

Der bescheidene, der wortkarge Kohn sagte bei der Vernissage immerhin so viel – und (leider) völlig zu Recht – dass die Stadt Bamberg für die Kunst der Photographie nichts übrig habe. Angesichts der hinreißenden Aufnahmen Kohns (von Wally Mück, wie sie vor dem Eingang des „Pizzini“ fegt, von Ivan Rebroff in der Oberen Pfarre im Dezember 1987, von Wolfgang Welsch im Mai 1994 – damals war der Philosoph gerade nach Magdeburg gewechselt – von Paul Maar am Musikpavillon im Hain, von der Dame mit Hut, Irene Hottelmann-Schmidt, von der Beerdigung des Erzbischofs Joseph Otto Kolb im April 1955, von zwei Buben im Bach in Tüchersfeld im August 1959), angesichts all dieser hinreißenden Photographien also ist dieses mangelnde Interesse der Stadt mitnichten nachzuvollziehen.

 

Nun gut, der Prophet gilt bekanntlich so gut wie nichts im eigenen Lande. Und immerhin hat das Stadtarchiv – dessen Leiter Horst Gehringer zeigte sich von Kohns Schaffen arg angetan – in den zurückliegenden Jahren mehrere Sammlungen Bamberger Photographen übernommen. Darunter das kaum zu überschauende Konvolut Werner Kohns, der von der Photographie einmal sagte, sie sei ihm ein künstlerisch-dokumentarisches Ausdrucksmittel.

 

Geöffnet ist die Ausstellung „Blickpunkte“ von Montag bis Mittwoch zwischen 8 Uhr und 16 Uhr, an Donnerstagen von 8 Uhr bis 20 Uhr, freitags zwischen 8 Uhr und 14 Uhr. Am Sonntag, den 16. März, hat das Haus in der Unteren Sandstraße 30 a zwischen 8 Uhr und 18 Uhr geöffnet.Er hat mit Henri-Cartier Bresson, mit Robert Capa und –1989 in Coburg – gemeinsam mit Gunter Sachs ausgestellt, er hat Größen wie Louis Armstrong, Charlie Rivel und die Beatles photographiert sowie naturgemäß etliche Bamberger Originale, zu denen er selbst (wie auch, selbstverständlich, zu den Großen) zählt: Werner Kohn. Ihm und seinem sich über sechs Dekaden hinweg erstreckenden Œuvre gilt nun eine Ausstellung, zu deren Besuch dringend geraten sei. Möglich ist dies bei freiem Eintritt noch bis zum 28. März im in der Unteren Sandstraße zu Bamberg gelegenen Stadtarchiv.

 

Die „Blickpunkte“ erlauben es, sich mit sechs Dekaden Photographie des gebürtigen Bambergers (Werner Kohn ist Jahrgang 1940) auseinanderzusetzen. Sechzig Aufnahmen aus sechzig Jahren sind hier versammelt, die erste datiert von 1953, das Gros sind Schwarzweißphotos, überwiegend Portraits, bisweilen Szenen aus dem Alltag, hin und wieder auch Stillleben. Kohn versteht sein Handwerk, das steht außer Frage. Er hat nicht nur ein Auge für Motive, die einzufangen sich lohnt, sondern hat zudem – um mit Arnold Schönbergs Musikdrama op. 18 zu sprechen – eine „Glückliche Hand“. „Kohn weiß genau, wann er abdrücken muss“, meinte eine Besucherin bei der Vernissage. Von Digitalkameras hält der Meister wenig, es ist nach wie vor die Kunst der analogen Photographie, der Kohn sich verschrieben hat.

 

Apropos Musik: Auch, wenn er in der aktuellen Ausstellung nahezu vollständig ausgeblendet bleibt, gilt Kohns Leidenschaft vor allem dem Jazz. Einzig der „Kleiderständer“, im März 1962 im Keller der Wilden Rose in der Keßlerstraße aufgenommen, zeugt von der Passion. Dieses Photo ist übrigens auch, neben Portraits von Albert Mangelsdorff beispielsweise, von Gunter Hampel und Louisiana Red, in Oliver van Essenbergs „Jazz Keller Bamberg“ zu finden. Die Musik setzt Kohn im Stadtarchiv stattdessen um über eine Hommage an eine Bamberger Aufführung von Erik Saties im Tempo „très lent“ gehaltenen „Vexations“, einem Bass-Motiv, das (auf dem Klavier) achthundertvierzigmal gespielt werden soll. Und die junge Pianistin Alice Sarah Ott hat Kohn als „Lady in Red“ anfangs Juli 2011 auf dem Maxplatz abgelichtet, als sie mit den Bamberger Symphonikern unter Jonathan Nott Tschaikowskys b-Moll-Konzert op. 23 machte. Für die Farbe Rot scheint Kohn ohnehin ein Faible zu haben. So trug er bei der Vernissage einen roten Pullover, eben jenen, in welchem sich der bemützte und rauschbärtige Künstler auch als Stehfigur in der Ausstellung findet.

 

Bereits mit elf Jahren nahm der Zauber der Photographie Kohn gefangen. Zu Beginn verzeichnete der Schüler jede Aufnahme in einem Heft und listete Motiv, Blende, Belichtungszeit, Entfernung und Lichtverhältnisse auf. An der Regnitz ließ sich Kohn zum Photographen ausbilden, ehe er für die Presseagentur Keystone in München arbeitete. Daran schloss sich ein Studium bei Otto Steinert (1915 bis 1978) an der Essener Folkwangschule an. Seit 1968 ist Kohn freiberuflich tätig und reist im Auftrag von Agenturen um die Welt. Erst vor wenigen Jahren hat er Nordkorea besucht.

 

So legendär wie grandios sind Werner Kohns Bildbände, etwa die 1991 bei Erich Weiß herausgebrachten „Verkehrszeichen“, oder „Blues in my Eyes“ (Bibliothek der Provinz, Weitra, 2004), von dem die ZEIT meinte, dieses Buch könne zum Kern eines Photoarchivs der Jazz- und Rockgeschichte in Deutschland werden. 2010 schließlich hat Kohn den Band „The Beatles – Summer 66“ vorgelegt, in welchem er das Konzert der Pilzköpfe in der Grugahalle dokumentiert.

 

Der bescheidene, der wortkarge Kohn sagte bei der Vernissage immerhin so viel – und (leider) völlig zu Recht – dass die Stadt Bamberg für die Kunst der Photographie nichts übrig habe. Angesichts der hinreißenden Aufnahmen Kohns (von Wally Mück, wie sie vor dem Eingang des „Pizzini“ fegt, von Ivan Rebroff in der Oberen Pfarre im Dezember 1987, von Wolfgang Welsch im Mai 1994 – damals war der Philosoph gerade nach Magdeburg gewechselt – von Paul Maar am Musikpavillon im Hain, von der Dame mit Hut, Irene Hottelmann-Schmidt, von der Beerdigung des Erzbischofs Joseph Otto Kolb im April 1955, von zwei Buben im Bach in Tüchersfeld im August 1959), angesichts all dieser hinreißenden Photographien also ist dieses mangelnde Interesse der Stadt mitnichten nachzuvollziehen.

 

Nun gut, der Prophet gilt bekanntlich so gut wie nichts im eigenen Lande. Und immerhin hat das Stadtarchiv – dessen Leiter Horst Gehringer zeigte sich von Kohns Schaffen arg angetan – in den zurückliegenden Jahren mehrere Sammlungen Bamberger Photographen übernommen. Darunter das kaum zu überschauende Konvolut Werner Kohns, der von der Photographie einmal sagte, sie sei ihm ein künstlerisch-dokumentarisches Ausdrucksmittel.

 

Geöffnet ist die Ausstellung „Blickpunkte“ von Montag bis Mittwoch zwischen 8 Uhr und 16 Uhr, an Donnerstagen von 8 Uhr bis 20 Uhr, freitags zwischen 8 Uhr und 14 Uhr. Am Sonntag, den 16. März, hat das Haus in der Unteren Sandstraße 30 a zwischen 8 Uhr und 18 Uhr geöffnet.

Fotocopyright: Pressestelle Bamberg

Jürgen Gräßer
10.02.2014

Eure Meinung? Leserbrief verfassen