Im Juli brennen die Haßberge

Das 2017er Open Air auf Schloss Eyrichshof in Ebern wartet mit einem bunten Programm auf

Im Juli brennen die Haßberge

 Zum dritten Mal steigt im bezaubernden Schloss Eyrichshof 2017 die Open-Air-Reihe. Und schon in den ersten beiden Anläufen hat der Veranstaltungsservice Bamberg als Ausrichter bewiesen, dass es noch offene Kapazitäten im eh schon dichtgedrängten Konzertkalender gibt. Das Flair im Schlosshof: Eindrucksvoll! Die bisher gesehenen Künstler: Beeindruckt und beeindruckend. Und der dritte Anlauf: Noch eine Nummer größer als bislang. Schließlich hat sich der Veranstalter in diesem Jahr entschlossen, einen Künstler von Weltrang auf die Bühne zu holen: Zum Auftakt gastiert am 23. Juli US-Soulröhre Anastacia bei herrlichem Ambiente in Ebern. Dort ist Feiern pur Programm. Am Wochenende vorher haben die Einheimischen das Altstadt-Fest absolviert – ein Höhepunkt jagt so den nächsten. Und die auf Anastacia folgenden Künstler stehen nicht hinterher. Die Erlanger Dauerbrenner JBO (26. Juli), die Indiepop-Rocker Sportfreunde Stiller (27. Juli), Austro-Pop-Legende Rainhard Fendrich (28. Juli), die Altneihauser Feierwehrkapelln (29. Juli) und zum krönenden Abschluss Silbermond (30. Juli) – es ist für jeden etwas dabei.

Über Anastacia Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Es ist zumindest ein kleiner Super-Coup für den Veranstalter und Schlossherr Hermann von Rotenhan, dass die gebürtige New Yorkerin in die unterfränkische Peripherie kommt. Schließlich ist die 48-jährige Powerfrau die Metropolen der Welt gewöhnt. Mit ihrer „Ultimate Collection“ 2017 verspricht sie Gassenhauer am Stück. „I‘m Outta Love“, „One Day In Your Life“ oder „Left Outside Alone“ sind auch Jahre nach der Veröffentlichung ein Ohrenschmaus. Die Ausnahmekünstlerin, der in ihrer Heimat der große Durchbruch trotz brillanter Stimme und ihrer Lebensgeschichte nie vergönnt war, kann mit ihren Multi-Platin-CDs Verkaufszahlen von mehr als 30 Millionen weltweit und unzählige Awards vorweisen.

Nicht weniger Frauenpower gibt es zum Abschluss, wenn Silbermond um Frontfrau Stefanie Kloß ihren Hut in den Ring werfen. Man mag es kaum glauben: Seit inzwischen 15 Jahre rocken und touren die Bautzener schon durch die Republik. Angeführt von der charismatischen Rockröhre starteten Silbermond mit dem Klassiker „Symphonie“ raketenartig durch und sind immer noch da. Nicht umsonst sind sie eine der erfolgreichsten deutschen Bands. Mehr als fünf Millionen verkaufte Tonträger, Dutzende von Gold- und Platin-Awards zieren die Vitrinen.

Einige Awards heimsten bereits auch die Sportfreunde Stiller ein. Die Kult-Kombo aus Germering hat sich in die Herzen und Ohren der Freunde feierfreudiger Jungspunde gespielt. Doch nicht nur die sind bei den energiegeladenen Live-Auftritten der Sporties zu beobachten. Von alt bis jung reicht das Publikum von Flo, Rüde und Frontmann Peter S. Brugger. Nicht umsonst! Schließlich gelten die fußballverrückten Oberbayern als eine der spielfreudigsten Livebands der Republik. Am 27. Juli werden das die Sportfreunde auch in Ebern unter Beweis stellen.

Besonders rockig geht es zu, wenn JBO im Schlosshof ihre Anwesenheit verkünden werden. Es wird laut, lustig und vor allem eine zweistündige Party-Sause geben. Sie sind schließlich so etwas wie die rockende Kreuzung eines Paradiesvogels und eines Chamäleons: rosa, schrill und süffisant brechen die Erlanger Spaßrocker seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten mit sämtlichen Klischees, die der Rock- und Metal-Szene anhaften.

Nach vierjähriger Bühnenpause kehrt Austro-Legende Rainhard Fendrich mit einer neuen Scheibe im Gepäck auf die Live-Ebene zurück. Dabei nimmt Fendrich seine Fans mit auf eine musikalische Zeitreise, die vor über 30 Jahren begann. In der Zeit erhielt er für über 700 Lieder 24 Mal Gold, 27 Mal Platin sowie weitere zahlreiche Awards. Und wenn er seine Gassenhauer anstimmt, dann kennt die Anhängerschaft kein Halten mehr. Schließlich ist er trotz vieler balladesker Erfolgsgeschichten („Weilst a Herz hast wie a Bergwerk“) einer, der auch rockig zu begeistern weiß. Wer erinnert sich nicht an „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen“, „Macho Macho“, „Strada del sole“ oder – unvergesslich – „Es lebe der Sport“ und – heutzutage aktueller denn je – „Tango Korrupti“. Kein Wunder, dass sein Publikum Jahr für Jahr jünger wird. Seit die Austro-Pop-Welle Deutschland noch einmal in aller Härte erwischt hat, steigt der Kultstatus österreichischer Popstars wieder sprungartig nach oben.

Kultstatus genießt auch Die Altneihauser Feierwehrkapell‘n mit ihrem Kommandanten Norbert Neugirg aus der Oberpfalz. Seit mehreren Jahren hinterlässt der rotzfreche Komödianten-Haufen in der Fernsehsitzung „Fastnacht in Franken“ (bis heute die erfolgreichste Sendung des Bayerischen Fernsehens) einen verheerenden Eindruck. Die Kapelle brilliert mit herrlich pointiertem Humor. Die Musikanten – das Besondere an der Truppe – sind ausnahmslos Amateure. Wie hoch der Kultfaktor derweil ist, das zeigt der Vorverkauf. Neben Fendrich waren die Altneihauser diejenigen, die nach dem Start ad hoc bombastische Verkaufszahlen hingelegt haben.

 

Fotocredits:
Anastacia, Foto © Karl Schrotter, AT-Gleisdorf

Andreas Bär
02.06.2017

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