KONZERT ZUR KAISERKRÖNUNG HEINRICHS II. 1014

DIE CAPELLA ANTIQUA UND ARIANNA SAVALL IN ST. HEINRICH

KONZERT ZUR KAISERKRÖNUNG HEINRICHS II. 1014

Die Kaiserkrönung Heinrichs II. und Kunigundes durch Papst Benedikt VIII. in St. Peter zu Rom anno 1014 nahm die Capella Antiqua Bambergensis zum Anlass für ein Konzert, das den Abschluss eines vom Erzbistum Bamberg veranstalteten Kolloquiums bildete, bei dem namhafte Referenten die Krönung, das Kaisertum, die Repräsentation und die spätere Verehrung von Heinrich II. und Kunigunde, den Bamberger Bistumspatronen, unter verschiedenen Blickwinkeln unter die Lupe genommen hatten. Die Capella Antiqua (verstärkt um die Katalanin Arianna Savall, Harfe, Lyra, Gesang sowie um den Norweger Petter Udland Johansen, Gesang, Hardingfele, Cister) stellte „1000 Jahre Kaiserkrönung in Musik und Geschichten“ vor, wobei für die Geschichten Bernd Schneidmüller verantwortlich zeichnete.

 

Schneidmüller, vor just sechs Dekaden in der Wetterau geboren, ist an der Regnitz kein Unbekannter, denn von 1994 bis 2003 hatte er den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte an der Otto-Friedrichs-Universität inne. Darauf wechselte er an die Universität Heidelberg, wo er bis heute lehrt und forscht. Zwischen den Musikblöcken referierte Schneidmüller kompetent und doch nicht ohne Witz und Ironie über die Krönung in Rom, sodann darüber, was es vor einem Jahrtausend hieß, Kaiser zu sein, schließlich über das Kaisertum Heinrichs II. in Bamberg.

 

Die Mystikerin, Universalgelehrte und Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) kennt man als Verfasserin von naturkundlichen und von heilkundlichen Schriften. Sie hat aber auch eine Sammlung geistlicher Lieder und liturgischer Gesänge vorgelegt. Die Capella Antiqua Bambergensis eröffnete das Konzert am Kaiserkrönungs- und Valentinstag in St. Heinrich mit Hildegard von Bingens „O quam mirabilis est“ (Oh welch Wunder ist Gottes Herz, das uns von Ewigkeit her erkannt hat). Petter Udlan Johansen, der aus Oslo stammende, unter anderem an der berühmten Schola Cantorum Basiliensis ausgebildete Sänger und Instrumentalist, stieß zu Beginn in den Schofar und stimmte hernach – zum Teil zweistimmig im Konzert mit Arianna Savall – einen dem Himmel wahrlich nahen Gesang an. Die nachhallreiche Akustik in St. Heinrich verstärkte den Ohrenschmaus.

 

Die beiden Stargäste kamen auch als Bearbeiter zu Wort und Ton. Johansen brachte aus seiner Heimat das von einem Anonymus stammende „Rolandskvadet“, also das „Rolandslied“, mit; er sang es in dem mittelalterlichen Telemark-Dialekt der Färöer Inseln. Arianna Savall nahm sich ebenfalls eines anonymen Komponisten (aus dem 13. Jahrhundert) an. Dessen Troubadourlied „Quand ai lo mond consirat“ erklang zum Finale des gut besuchten und vielbeklatschten Konzertes. Die an Entdeckungen reiche Aventiure der musikalischen Art setzte sich fort mit dem gemäßigt munteren Rundtanz  „Polorum Regina“ aus dem Llibre Vermell, dem „Zinnoberroten Buch“, das sich im bei Barcelona gelegenen Benediktinerkloster von Montserrat befindet. Die Sammlung enthält die Jungfrau Maria verehrende Gedichte und Lieder.

 

Gleich dreimal vertreten war Alfonso el Sabio, Alfons der Waise, der um 1250 die bedeutende Marienliedersammlung „Cantigas de Santa Maria“ in Auftrag gab. Darin enthalten ist beispielsweise das wunderbare Lied von der Rose aller Rosen, der Blume aller Blumen, „Rósa das rósas e fror das frores“. Der Capella Antiqua Bambergensis – Wolfgang Spindler, Drehleier, Andreas Spindler, Platerspiel, Pommern, Schalmeien, Anke Spindler, Viola da Gamba und Blockflöten, Thomas Spindler, Trommeln und Perkussionsinstrumente – ist zu danken für eine zauberhafte Zeitreise in die Klangwelten der auf die Kaiserkrönung Heinrich II. folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte. Weshalb dieser Abend (so gut wie) keine Beachtung in der lokalen Presse fand, wird ein ewiges Enigma bleiben, darf andererseits aber auch nicht weiter verwundern. Denn selbst als im vergangenen Oktober Jordi Savall in Wernsdorf ein Solo-Rezital gab, wurde darüber nicht berichtet. Mag ja sein, dass man in der Gutenbergstraße nie noch von einem der weltweit führenden Gambisten und großartigsten Meister der Alten Musik – unter anderem ausgezeichnet mit dem Léonie-Sonning-Musikpreis 2012, der nach ihm Sir Simon Rattle und heuer Martin Fröst zuerkannt wurde, welcher dieser Tage im Keilberth-Saal der Bamberger Konzerthalle groß aufspielte – einen Ton vernommen hat. Und selbstverständlich muss ja Platz bleiben für „Wrongkong“ und auch für die eminent kultige Kulmbacher Punkrockband „Euroschäck“. Sic transit gloria mundi.

 

 

Fotocopyright: CAB artis, Frank Boxler

Jürgen Gräßer
17.02.2014

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