Macht und Pracht am Tag des offenen Denkmals

Im September öffnen deutschlandweit wieder zahlreiche Denkmale ihre Pforten

Macht und Pracht am Tag des offenen Denkmals

 Wenn sich Anfang September für einen Tag die Tore alter Gemäuer öffnen, kann man gewiss sein: es ist wieder Tag des offenen Denkmals. Das von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ins Leben gerufene Konzept zur Öffentlichkeitsarbeit in der Denkmalpflege hat sich vielerorts bewährt, denn in der Regel profitiert ein jeder von der Idee, Denkmäler zu öffnen: der Eigentümer bekommt die Möglichkeit, seine Schätze einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren; der Besucher hingegen kann Orte entdecken, die sonst selten oder gar nicht zugängig sind. Insgesamt eine Win-Win-Situation, denn nicht zuletzt der Denkmalschutz kann sich freuen, wird doch das Bewusstsein für den sorgsamen Umgang mit unserer aller Geschichte und Baukultur geschärft.

Das diesjährige bundesweite Motto „Macht und Pracht“ am 10. September lässt viel Interpretationsspielraum zu. Bauherren, Auftraggeber und Erbauer drücken seit jeher ihre weltliche oder religiöse Macht durch den Bau imposanter Gebäude aus, also durch Form- und Materialwahl, die künstlerische Ausgestaltung, den Einsatz von Technologien, die Objektlage und die Wahl des Architekten, der Künstler oder Handwerker. Öffnen werden sich in diesem Jahr deshalb wohl vor allem die Türen und Tore von Schlössern, Parks, Burgen, Klöstern und Kirchen, Patrizierhäusern, Verwaltungsgebäuden und Industrievillen, aber vielleicht mischt sich auch der ein oder andere Exot unter die zu bestaunenden Denkmäler.

Allein in Bamberg sind nach aktuellem Stand fünf Denkmäler zu besichtigen: der Musikpavillon im Bamberger Hain und die städtebauliche Gesamtanlage Wilhelmsplatz mitsamt seiner Gebäude (ehem. Postamt, Gericht etc.). Außerdem die Laurentius-Kapelle der ehemaligen Curia St. Laurentii in den Domherrenhöfen, die Palais der Reichsfreiherren von Schrottenberg in der Kasernstraße und – da wäre schon der erste „Exot“ – ein Teil des Bamberger Hauptfriedhofs in der Hallstadter Straße.

Warum ein Friedhof Ausdruck von Macht sein kann, wird im ersten Abteil des Kirchhofs deutlich. Hier befindet sich der älteste Teil des Bamberger Hauptfriedhofs, an dessen Ende sich als Ostabschluss ein halbrunder, in den 1820er-Jahren erbauter Portikus erstreckt. Die klassizistische, in dorischer Ordnung erbaute und überdachte Säulenhalle beherbergt herrschaftliche Grüfte aus dem 19. Jahrhunderts und wurde von Ludwig Neureuther und Johann Baptist Eck entworfen. Natürlich wurde ein solch ehrwürdiges Grabmal nicht jedem Bürger Bambergs zuteil, sondern nur denen, die über Geld und Einfluss verfügten. Das vermutlich älteste Grabmal ist jenes des Bernhard Stein. Er war Veteran des königlichen sechsten Heeres und verstarb im Jahr 1816. Zu den bedeutendsten Denkmalen des Friedhofabteils gehören außerdem die von Kaufmann Johann Jakob Gönninger gestiftete Gönningerkapelle (1761-68), die als eine Kopie der Einsiedelner Gnadenkapelle (Schweiz) erbaut wurde, sowie die Kreuzigungsgruppe von 1827 und das Missionskreuz von 1852.

Wem Bamberg nicht genug ist und wer sich in der Stadt vielleicht schon gut auskennt oder ohnehin außerhalb wohnt, kann auch in den umliegenden Landkreis ausschwärmen und sich auf die Suche nach Denkmälern begeben. Fündig wird man in Ebrach, Gundelsheim, Lisberg, Memmelsdorf, Rattelsdorf, Schlüsselfeld und Stegaurach. In Ebrach kann man sich den Kaisersaal im ehemaligen Kloster Ebrach anschauen – diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen, denn der reich mit Stuckatur und Figurenschmuck ausgestattete Saal ist sonst eher selten zugängig. Auch das Museum der Geschichte Ebrachs, das sich in den Räumen der früheren Abtswohnung befindet, kann besucht und besichtigt werden. Interessant hierbei: 2016 entdeckte man im Zimmer des Abts infolge eines Wasserschadens bei den anschließenden Restaurierungsarbeiten ein geheimes Bodenversteck mit einer Länge von 7 Metern!

In Gundelsheim stehen die Türen des ehemaligen Schulhauses in der Hauptstraße 10 offen, auch das „Alte Rathaus“ genannt. Von 1857 bis 1858 errichtet, diente es mehr als 100 Jahre als Schulgebäude und wird nach vielen Jahrzehnten unterschiedlicher Nutzung heute als Kulturrathaus genutzt. In Lisberg kann eine der ältesten Burgen Deutschlands besichtigt werden: Die Burg Lisberg wurde im 8. Jahrhundert erbaut und überstand den Dreißigjährigen Krieg völlig unversehrt. Das hat Seltenheitswert. Die ältesten, heute noch bestehenden Bauten, stammen aus dem 12. Jahrhundert; Teile der Burg wurden später im Stile der Renaissance umgebaut. Seit 2015 befindet sich die Burg im Besitz des Bamberger Auktionators Johann Sebök. Zum Tag des offenen Denkmals im September wird er allen Interessierten aller Voraussicht nach einen Einblick in Burg und Burggeschichte gewähren.

Des Weiteres stehen im Landkreis Bamberg das Schloss Seehof in Memmelsdorf, die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt in Rattelsdorf, Schloss Reichmannsdorf in Schlüsselfeld und das ehemalige Böttinger’sche Landhaus in Stegaurach zur Besichtigung offen. Das genaue Programm sowie sämtliche Orte in Franken, Bayern und Deutschland, die sich am Tag des offenen Denkmals beteiligen, finden Sie ab August unter www.tag-des-offenen-denkmals.de. Zu den einzelnen Ländern gelangen Sie über www.tag-des-offenen-denkmals.de/laender/[Kürzel des jeweiligen Bundeslandes].

 

Fotocredits:
Musikpavillon im Hain, Bamberg, Foto © privat

Franziska Krause-Gurk
04.08.2017

Eure Meinung? Leserbrief verfassen