Fredda - Land

(Le Pop Musik/Groove Attack)

Fredda - Land

 Detailverliebt und ausgewogen sind sie fleißig und geduldig zusammengesetzt, die Puzzlestücke dieses Albums, das durch Facettenreichtum und Vielfalt an Qualitäten besticht, die zu einer Einheit gebaut mehr ergeben, als die Summe seiner einzelnen Bausteine. Musik zum Zuhören, Planschen, Fußwackeln. Zum Augen schließen – vielleicht Denken.
“Land”, der multilinguale Titel, prophezeit Landschaften. Musikalische allemal. Poetische bisweilen – und dann gerne übersteuert bis zu “rosarotem Schnee” und “geschminkten Morgenstunden”. Franzosen können sich das leisten. Das gibt ihre Sprache her. Und frankophonem Pop, der musikalisch so filigran zusammengebaut wird, tut das keinerlei Abbruch. Satthören wird sich daran niemand so schnell, denn die Details kommen erst nach und nach ins Ohr. Während die Gitarre(n) (u. a. Stèphane Louvain) neben vielen anderen kleinen und Kleinst-arrangements und Effekten wie Operngesangfragmenten, mehrstimmigen Passagen, Streicher- und Bläsersounds und vielem mehr kongenial Gesang und schlichten Rhythmus umgeben. Und dann ist da eine spürbare amerikanische Note (Jim Waters), die die gute Seite der Vereinigten Staaten zeigt, in diesem offenherzigen, grenzüberschreitenden Projekt, das zu guter Letzt einen deutschsprachigen Abschluss wagt und Höhepunkt findet: “Als wär‘ ich fast da”. Ein Titel mit lateinamerikanischem Rumba-Flair, deutschem Text mit französischem Akzent und einem Bläserthema, das der Schönheit ein Quadrat anhängt. Könnte Baudelaire das erleben, er würde eines seiner besten Bücher umbenennen: Les fleurs du bien! – einfach wunderbar ist dieses fünfte Fredda-Album. Und ja, sie ist fast da, ist musikalisch angekommen und wird zusammen mit Produzent Pascal Parisot ihrem eigenen Anspruch gerecht. Chapeau! Chapeau! Chapeau! und tausend Dank für dieses musikalische Geschenk.

Oliver Will
04.08.2017

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