Kurz, kürzer, am kürzesten

Kurzfilmtage Schweinfurt und Gernzlandfilmtage Selb

Kurz, kürzer, am kürzesten

Es rascheln die Programmhefte, das Licht wird gedimmt, es kehrt langsam Ruhe ein in den Saal mit den weichen bequemen Stühlen und den vielen Menschen, die gebannt eine weiße Leinwand betrachten. Hier und da vernimmt man noch ein Tuscheln und das Öffnen einer Flasche, die unüberhörbar Kohlensäure enthalten muss. Das einzige Licht, dass jetzt noch scheint, ist die spärliche Treppenbeleuchtung und die große, weiße, hell leuchtende Kinoleinwand, die alle Besucher nach wie vor gebannt fixieren. Die meisten Leute sitzen in ihren komfortablen Stühlen, die Hände verschränkt, zurückgelehnt in das weiche Rot des Sitzes, manch einer abgestützt auf der Armlehne neben sich. Farben, Bilder, Geräusche dringen von der weißen Leinwand und hinterlassen Eindrücke in den Köpfen der Betrachter. So mancher denkt schon an die Verpflegung in der Pause oder die Diskussionen über den Film, der sich gerade vor den Augen abspielt. Der Charme und die urige Atmosphäre, die dabei den Raum durchziehen, sind kaum festzuhalten, gar noch mit einer Kamera einzufangen. Was eine Kamera jedoch eingefangen hat, sind die Szenen, die sich auf der weißen, hell leuchtenden Leinwand abspielen.

 

Diese Szenen und Bilder sind aber nicht etwa diejenigen, welche zum alltäglichen Kinoprogramm in Deutschland zählen. Nein, sie sind etwas Besonderes und Einzigartiges und würden in der Menge untergehen, wenn nicht Filmfestivals ihnen ein angemessenes Forum für Kreativität, Engagement und Austausch bieten würden. Neben den großen bekannten Filmfestivals wie den Internationalen Filmfestspielen in Venedig, Cannes und Berlin gibt es viele individuelle und kulturell wertvolle Filmfestivals auch in kleineren Städten. Man muss nicht weit fahren, um die Kunst des Films genießen zu können, auch in Franken gibt es da einige Adressen, die Filmkunst zelebrieren.

 

Im April, wenn langsam der Frühling die Überhand gewinnt und es einen nach den trüben Wintertagen mit Macht nach draußen zieht, lohnt es sich dennoch, dem Kino einen Besuch abzustatten. Vom 17. bis 19. April 2014 finden die Schweinfurter Kurzfilmtage zum fünfzehnten Mal statt und passen sich damit optimal in die österliche Ferienzeit ein.

 

Die weiße, hell leuchtende Leinwand wird dieses Jahr mit rennenden Dackeln, Riesenkaninchen, einer Leiche im Grenzgebiet oder einem Leben im Dauer-Sturm gefüllt. Das Programm ist so vielfältig wie die Farben auf der Kinoleinwand selbst. Schwarzer bissiger Humor, böse Satire bis hin zu experimentellen Filmen, Animationen und Dokumentarfilmen – sechsundfünfzig kurze Filme zwischen zwei und zwanzig Minuten laden zum Lachen und Nachdenken ein. Abends um 19 Uhr füllen sich die Sitzreihen mit Leuten und das Programm mit Unterhaltung.

Auch für die Kinder, die sich immerhin in den wohlverdienten Ferien befinden, gibt es am Donnerstag und Freitag um 15 Uhr ein Programm mit elf Filmen, von denen fünf von Schülern selbst gedreht wurden. An beiden Tagen bietet Animations-Regisseurin Sabine Wiedemann im Anschluss an das Kinderprogramm den Workshop „Trickfilmzeichnen“ an. Dabei entsteht ein kurzer Film, den die Kinder dann stolz auf der Kinoleinwand sehen können.

 

Wer sich noch an den Nacktschneckenfilm des Schweinfurter Dokumentarfilmers Wolfram Hanke erinnern kann, wird nun begeistert sein. Denn mit der fünfzehnten Auflage der Schweinfurter Kurzfilmtage werden am Samstag zwei Vorstellungen mit den besten Filmen aus den letzten fünf Jahren gezeigt.

 

Um dem Ganzen beziehungsweise einem vom Publikum gewählten Regisseur die Krone aufzusetzen, findet ein Regionalfilm-Wettbewerb satt, dessen Sieger neben Ehre und Ruhm einen glorreichen Förderpreis von 250 Euro erhält.

 

Veranstaltet werden die Schweinfurter Kurzfilmtage vom Verein KulturPackt für Schweinfurt e.V. und dem Kino KuK.

 

Doch nicht nur in Schweinfurt, auch bei den Grenzland-Filmtagen in Selb kann man im April Popcorn und gute Unterhaltung in gemütlichen Kinosesseln genießen.

 

Selb ist geprägt von einer kleinstädtischen Atmosphäre, die dem Filmfestival ein familiäres Flair verleiht. Allein schon das Kinocenter in der Poststraße wirkt extrem gemütlich auf den Betrachter und lädt dazu ein, dort eine Zeit lang zu verweilen. Es sind nicht nur die Filme, die die Menschen zu den Grenzland-Filmtagen in Selb treiben, sondern auch der Austausch zwischen Besuchern und Filmschaffenden. So bietet die Filmtagekneipe ein persönliches Forum, das Platz für Diskussionen und Gespräche schafft. 

 

Vom 24. bis 27. April 2014 starten die Grenzland-Filmtage in eine intensive Zeit mit Workshops und Diskussionen, in der sich Selb in ein Filmlabor zu verwandeln scheint. Im Fokus stehen insbesondere die Nachwuchsförderung und Filme, die sich mit Grenzen beschäftigen. Ein engagiertes Organisationsteam begleitet den gesamten Ablauf des Festivals.

 

Es geht darum, Schranken, die uns im alltäglichen Leben begegnen, zu erkennen und zu überwinden. Das wollen die Grenzland-Filmtage in Selb zeigen. Der Reiz liegt darin, mit Neugierde und Entdeckungsdrang zu sehen, was uns hinter den Grenzen erwartet. Selb schenkt damit jungen Filmemachern die Möglichkeit, ihre eigene Kreativität zu fördern und die daraus resultierenden Ideen und Werke zu präsentieren.

 

Auf dem Programm stehen Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme. Am Ende entscheiden die Besucher, wer den Publikumspreis erhält – eine wertvolle Designervase aus dem Traditionsunternehmen Rosenthal erwartet den Gewinner. Außerdem stiftet die Sparkasse Hochfranken einen Nachwuchs-Förderpreis.

 

Kamera aus. Das Licht auf der Kinoleinwand erlischt und die Lampen tauchen den Raum wieder in ein warmes Licht. Die Reise in entfernte Welten und kuriose Abenteuer endet hier. Nichts desto trotz spielt sich der Film weiter ab. Aber nicht im Kinosaal, sondern in den Köpfen des Publikums. Gedanken und Impressionen werden mitgenommen und ausgetauscht. Bei einem Kaffe, bei einem Kuchen oder bei einem Wurstbrötchen. Die Leute gehen nach Hause und haben Vieles mitgenommen. Zurück bleibt der Kinosaal mit Popcorn, das am Boden und an den roten bequemen Sitzen klebt. Die Menschen haben gemeinsam gelacht und eine schöne Zeit verlebt und freuen sich bald wieder in spannenden Filmen abtauchen zu können.

 

Bleibt nur noch eine Frage. Warum sind Kinositze immer rot? 

 

Copyright Foto: © Kurzfilmtage Schweinfurt

Kerstin Böhm
08.04.2014

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