weisse nächte waren gestern

in nürnberg ist die nacht blau

weisse nächte waren gestern

Wer schon einmal die weißen Nächte in Sankt Petersburg erlebt hat, ist im Bilde darüber, was nun folgt. In diesen Nächten geht die Sonne nämlich nur für kurze Zeit unter und es ist fast ausschließlich taghell. In Italien kennt man den Ausdruck „Weiße Nächte“ („Le notti bianche“) auch, er ist das Synonym für durchfeierte Nächte. Dies trifft auch dieses Jahr am 3. Mai auf Nürnberg zu, wobei die Nacht hier nicht weiß sein wird, sondern blau. Und damit wird sie auch in der fünfzehnten Auflage ihre Besucher von 19 Uhr an die ganze Nacht hindurch verzaubern.

 

„Die Blaue Nacht“ lockt seit 2000 jeden Mai über 130 000 Besucher in die mittelfränkische Metropole. Mit mehr als 250 Angeboten ist sie Deutschlands größte „Lange Nacht der Kunst und Kultur“. Damit wird alljährlich der Nürnberger Kultursommer eingeläutet, und längst ist die Blaue Nacht als Kunstaktion aus der Dürer-Stadt nicht mehr wegzudenken.   

 

„Sehnsucht heißt ein altes Lied der Taiga“ sang – ein Jahr vor ihrem Unfalltod – Alexandra 1968, „Sehnsucht“ heißt aber auch das diesjährige Thema der Blauen Nacht. Die kulturelle Vielfalt der Stadt wird durch mehr als fünf Dutzend Museen und Kultureinrichtungen der Nürnberger Innenstadt präsentiert. Anlass für die Wahl des Mottos sind die zahlreichen Gedenktage bedeutender Künstler, wie Galileo Galilei (450 Jahre) oder Leonardo Da Vinci (495 Jahre), aber auch der 25. Jahrestag der Wiedervereinigung. 2014 wird zudem der 300. Geburtstag des Komponisten der Vorklassik, Christoph Willibald Gluck, gefeiert. Der gebürtige Oberpfälzer gilt mit Werken wie „Orfeo ed Euridice“ (1762) und „Alceste“ (1767) als einer der bedeutendsten Opernkomponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ihm zu Ehren wird die Musikhochschule ein Geburtstagskonzert geben.

 

Institutionen wie das Germanische Nationalmuseum, das Neue Museum, das Museum für Kommunikation und viele weitere nehmen an der Langen Nacht der Kunst und Kultur teil. Nürnberg wird am 3. Mai 2014 wieder durch blaue Laternen und blau erleuchtete Häuserfassaden bedeutender Sehenswürdigkeiten in der Altstadt erstrahlen und das Publikum in seinen Bann ziehen.

 

Ein Highlight bietet die 1982 in Dachau geborene Künstlerin Anna Bittersohl, die an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg studierte. Die Meisterschülerin von Ralph Fleck projiziert die Bildercollage „Die Träume des Mr. Who“ an die Fassaden der Kaiserburg. Passend zum „Sehnsuchts“-Motto nimmt sich Bittersohls Arbeit die unermüdliche Suche nach dem richtigen Bild zum Thema. Die Betrachter werden bei der Projektion dieser Collage aus inszenierten Fotografien und Bildern mitgenommen auf eine Reise durch Bittersohls Malerei. Eine Dokumentation zur Entstehung des Werks wird in einer Ausstellung im Künstlerhaus im KunstKulturQuartier zu sehen sein.

 

Für den Nürnberger Hauptmarkt, einem der Blaue-Nacht-Hot-Spots schlechthin, tragen in diesem Jahr Studentinnen und Studenten des Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum an der TU München mit ihrer Licht- und Rauminstallation „Waldplastik“ die Verantwortung. Ihre Intention ist es, den Wald als ideales Spiegelbild für Sehnsüchte der Menschen darzustellen. Denn ein Wald wird erst durch eine Ansammlung von vielen einzelnen Bäumen zu einer Gesamtgestalt. So verhält es sich auch mit der Sehnsucht. Die Idee hinter dem Projekt „Als der Markt einen Waldspaziergang machte“ ist die Transformation des Marktes vom Gebrauchsraum zum Sehnsuchtsort. Neben der unmittelbaren Ästhetik der Ausstellung werden aktuelle Nürnberger Themen aufgegriffen. Die aus beleuchteten Markttüten gebildeten Baumkronen greifen so zum Beispiel die ökologische Problemstellung der Plastiktüten auf.

 

Um die besondere Bedeutung der Kunst für die Großveranstaltung hervorzuheben, wird, wie in jedem Jahr, auch heuer wieder der Blaue-Nacht-Kunstwettbewerb durchgeführt. Dafür wurden von einer Jury aus insgesamt 186 Bewerbungen, die aus Europa, aus Korea und aus China eingereicht wurden, dreizehn Kunstprojekte ausgewählt, die nun an besonderen Orten in Nürnberg zu sehen sein werden. Alle Beiträge sind Kandidaten für den mit 5000 Euro dotierten Publikumspreis der N-ERGIE, für den alle Besucher der Blauen Nacht mit ihrem Ticket abstimmen können.

 

Und damit auch wirklich für jeden etwas dabei ist, werden auch bei der Blauen Nacht 2014 mitten im Herzen der Nürnberger Altstadt wieder Oldtimer aus privater Hand zur Schau gestellt. Auf dem Lorenzer Platz werden die Schmuckstücke automobiler Industriekultur und Zeitgeschichte in einem „fahrenden Museum“ dem interessierten Publikum präsentiert. Man kann die edlen Karossen aber nicht nur bewundern, sondern auch Rundfahrten mit den Raritäten buchen.

 

Informationen zum Ticketverkauf gibt es ab sofort, das ausführliche Programm wird vom 3. April an zu finden sein unter www.blauenacht.nuernberg.de.

 

Copyright Foto: © H. Halbertsen

Lenia Gunreben
08.04.2014

Eure Meinung? Leserbrief verfassen