scherenschnitt trifft fotografie

uwe gaasch und wolfgang müller im historischen museum

scherenschnitt trifft fotografie

Die aus heiztechnischen Gründen bis Mitte April andauernde Winterpause des Historischen Museums auf dem Bamberger Domberg hat ein Ende. Vom 12. April an bis in den November hinein präsentieren Wolfgang Müller und Uwe Gaasch unter dem etwas kryptischen Titel „EINS + EINS = EINS“ ihre in enger Zusammenarbeit entstandenen Werke. Auf Gaaschs Schwarzweißaufnahmen von Gebäuden, Baugerüsten, Brücken und Straßenfluchten reagiert der gebürtige Bamberger Müller, der sich nach einer Zeit als Künstlerkneipenwirt nun wieder intensiv dem Schöpferischen zuwendet, indem er diese mit detailreichen Scherenschnitten von Personen belebt. Sie wirken nicht als Fremdkörper, sondern sind in Gaaschs Fotos integriert. Müller selbst spricht von „Transplantaten“, weil er die Motive aus anderen Fotografien herausholt und in eine neue Bildwelt überführt. Bekannte Ansichten etwa des Bamberger Domes, des Gartenschaugeländes oder von München erscheinen so in frischem Licht. Eine Arbeit („Der Fotograf“) gerät quasi zu einem Doppelportrait der Künstler, denn Müllers Scherenschnitt zeigt den mit Kamera ausgerüsteten Gaasch, wie er gerade die „Galerie am Stephansberg“ ablichtet. Und deren Wirt hieß bekanntlich bis zu ihrem Ende im März: Wolfgang Müller. „EINS + EINS = EINS“ führt aufs Schönste vor Augen, dass es nicht immer ein Jaume Plensa oder ein Erwin Wortelkamp sein muss. Großartige Kunst entsteht auch vor Ort, und es wäre zu wünschen, dass Müller und Gaasch auch außerhalb der Domstadt Beachtung erfahren, sofern dies nicht ohnehin schon der Fall ist.

 

Copyright Foto: © Uwe Gaasch und Wolfgang Müller

Jürgen Gräßer
08.04.2014

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