annett louisan

perfekte mischung aus melancholie und heiterkeit

annett louisan

Deutsche Popmusik ohne Annett Louisan ist im Grunde nicht mehr vorstellbar. Seit im Jahr 2004 ihr Platin-veredeltes Debütalbum „Bohème“ (inkl. der Hitsingle „Das Spiel“) erschien, ist die Wahlhamburgerin aus den Charts nicht mehr wegzudenken. Trotzdem: 2014 ist tatsächlich erst ihr Zehnjähriges und zur Feier des Jahres gibt es ein neues Studioalbum, mit dem Titel „Zu viel Information“. Was es dazu zu sagen gibt, erfuhren wir im Gespräch mit der auch in vielerlei Hinsicht gereiften Frau und Künstlerin.

 

Mitte Februar erscheint Deine neue CD, der Nachfolger zu „In Meiner Mitte“ aus dem Jahr 2011. Wie motivierst Du Dich nach all den Erfolgen der letzten Jahre für die Aufnahmen zu einem weiteren Album?

 

Ich liebe es Musik zu machen, auf der Bühne zu stehen, oder im Studio zu arbeiten und mit Anderen zusammen kreativ zu sein.

 

 

Über welchen Zeitraum hinweg entstanden die 15 Stücke auf „Zu Viel Information“ und ist der Albumtitel auch so eine Art ´Roter Faden´ der die Titel verbindet?

 

Wir haben sogar viel mehr Stücke aufgenommen, die kommen dann auf die Fan-Editionen bzw. werden als B-Seiten von Single-Auskopplungen verwendet. Da stecken insgesamt 1 ½ Jahre Arbeit drin. Die zwischenmenschlichen Inhalte über die ich singe liegen eigentlich auf der Strasse, man muss sich nur die Mühe machen danach zu suchen.

 

 

Wer ist auf „In Meiner Mitte“ für die Texte zuständig, wer für die Musik und wie entsteht in der Regel ein neuer Titel. Wie lief die Zusammenarbeit mit Martin Gallop?

 

Im Grunde bin ich für alles zuständig, wo mein Name draufsteht, bin ich auch drin. Umgesetzt werden diese Vorstellungen im Hinblick auf Text & Musik mit langjährigen musikalischen Weggefährten wie u.a. Frank Ramond. Produziert wurde die CD von meinem ex-Mann, dem kanadischen Singer/Songwriter Martin Gallop, der weiß, wie ich klingen möchte.

 

 

Du hast nach wie vor eine sehr außergewöhliche Stimme und hast Dich erfolgreich an vielen Stilen versucht. Wie würdest Du den Unterschied zwischen „In Meiner Mitte“ und „Zu viel Information“ charakterisieren?

 

Der Vorgänger klang deutlich melancholischer. Ich habe im Vorfeld zum neuen Album andere Musik als damals gehört, das hat mich natürlich auch beeinflusst. Ich habe diese Mal mehr Schweres leicht als Leichtes schwer gemacht. Ich nutze die Möglichkeiten meiner Stimme musikalisch vielfältig zu sein und ich denke, dass die Mischung stimmt.

 

 

Wie wichtig ist die Auswahl eines geeigneten Studios und Produzenten für eine gelungene Albumproduktion? Gehst Du da nach der Prämisse ´never change a winning team´ vor?

 

Nicht unbedingt, ich habe schon mit sehr vielen unterschiedlichen Musikern & Produzenten gearbeitet und gehe da durchaus auch Risiken ein. Allerdings kann ich heute meine Stimme sehr viel bewusster einsetzen als früher. Und es muss nicht immer ein großes Studio sein, ich mache auch gerne in meinem Wohnzimmer Musik und nehme dort auf, sofern die Magie stimmt. Da kann es auch mal sanft Knacken und Rauschen wie auf dem Opener „Stars“.

 

 

Dein Album hat viel zu bieten. Die einfühlsame Familien-Geschichte „Besonders“, das Folk-lastige „Alles erledigt“ oder das emotional-schwermütige „Du fehlst mir so“. Besonders gefällt mir aber Deine berührende Version des Hildegard Knef-Klassikers „Papillon“.  Wie kam es zu dieser Auswahl?

 

Sie gehört zu den großen Künstlerinnen Deutschlands, als Schauspielerin, Chansonsängerin und Buchautorin. Ich habe mich einige Zeit lang sehr mit ihr beschäftigt und meine Aufnahme von „Papillon“ ist meine Verbeugung vor ihr. Ich habe im Original etwas gehört, was mich zu meiner Version inspiriert hat.

 

 

Du gehst mit „Zu viel Information“ auch auf eine ausgedehnte Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Unterscheiden sich dabei die Studiomusiker von der Liveband und was kann das Publikum hinsichtlich der Bühnenshow erwarten?

 

Die vorwiegend bestuhlten Hallen in denen ich auftreten werde, schaffen natürlich eine besondere Konzertatmosphäre. Man kann leiser, feiner, konzentrierter arbeiten. Hinzu kommt das optische Element von Projektionen. Und ich kann versprechen, dass die BesucherInnen auch meine alten Hits zu hören bekommen.

 

 

Mit welcher Erwartungshaltung blickst Du auf die V.Ö. des neuen Albums und auf die Tournee, es gibt ja sicher auch jede Menge Erfolgsdruck durch Label und Agenturen, die an der Vermarktung beteiligt sind?

 

Natürlich gibt es da Druck und den mache ich mir auch selber, aber ich wünsche mir natürlich Anerkennung und maximalen Erfolg. Jetzt so kurz vorher bin ich extrem aufgeregt, was passieren wird. Kurz vor dem Gipfel kann man eben noch nicht hinter den Berg schauen...

 

 

Wie wichtig sind in der heutigen Zeit die ´social networks´ für eine Künstlerin Deiner Qualität, bist Du da auch selber aktiv oder wird das alles von anderen abgewickelt?

 

Ich habe eine Künstlerseite, an der ich intensiv mitarbeite und pflege darüber auch einige Kontakte. Durch den direkten Austausch mit dem Publikum lerne ich also durchaus viel, aber es ist wie bei allen Internet-Kontakten auch eine gewisse Vorsicht angebracht.

 

 

Als Popstar hat man sicher auch eine gewisse Verantwortung den Fans und der Gesellschaft gegenüber, engagierst Du Dich noch bei Fair Trade und der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung bzw. was steht da aktuell im Vordergrund?

 

Ich versuche mich auf wenige seriöse Projekte zu konzentrieren, um dort effektiv arbeiten zu können. Dazu gehören die beiden von Dir erwähnten, ansonsten lasse ich mich nicht so gerne instrumentalisieren.

 

 

Wie verbringt Anett Louisan ihre Freizeit, bei welchen Hobbies abseits der Musik entspannst Du Dich?

 

Ich reise gerne und das private Reisen ist ja ein ganz anderes, als das Reisen auf Tour. Und ich möchte auch zukünftig weiterhin die Welt privat entdecken.

 

Copyright Foto: © Marie Isabel Mora

Frank Keil
08.04.2014

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