Von Populisten, Hobbyrevoluzzern, Hochstaplern und Nachtgestalten

Was sich die fränkischen Bühnen für den Beginn der neuen Theatersaison ausgedacht haben

Von Populisten, Hobbyrevoluzzern, Hochstaplern und Nachtgestalten

Schauspiel / Sprechtheater

Mit der Komödie „Der Vorname“ hat bereits am 2. September die Theatersaison am Theater Ansbach begonnen. Auch die nächste Neuproduktion, das Schauspiel „All das Schöne“ von Duncan McMillan, hatte schon Ende September ihre Premiere. Am 14. Oktober ist die Uraufführung einer neuen Version des „Fliegenden Holländers“ zu sehen. Friederike Köpf hat sich bei ihrer zweiten Auftragsarbeit für das Ansbacher Theater natürlich von Richard Wagner inspirieren lassen. Es inszeniert Susanne Schulz, die musikalische Bearbeitung und Begleitung übernimmt Hartmut Scheyhing. Ende November geht es mit Bearbeitungen von Hans Christian Andersens Märchen „Die Teekanne“ und „Die Schneekönigin“ bereits in Richtung Vorweihnachtszeit.

„Engel in Amerika“ lautet am ETA Hoffmann Theater Bamberg der Titel des Stückes zur Spielzeiteröffnung am 8. Oktober. Intendantin Sibylle Broll-Pape inszeniert selber dieses preisgekrönte Schauspiel Tony Kushners, in dem die auffälligen Parallelen der Reagan-Ära zum Hier und Jetzt thematisiert werden. Es ist ein großes Epos über Politik, Liebe und Tod und zugleich eine schrill-ironische Parabel auf das Scheitern des „American Dream“ und sein Versprechen der oft zitierten „unbegrenzten Möglichkeiten“. Bereits zwei Tage später kommt Kathrin Rögglas Stück „Normalverdiener“ zur Uraufführung (Regie: Leopold von Verschuer), in dem die Folgen der westlichen Ökonomisierung aller Lebensverhältnisse aufgezeigt werden. Elfriede Jelineks wütende Abrechnung mit Donald Trump und den weltweiten populistischen Strömungen hat am 24. November Premiere. Daniel Kunze wird „Am Königsweg“, dieses jüngste Stück der Nobelpreisträgerin, kurz nach seiner Uraufführung in Hamburg am ETA Hoffmann Theater inszenieren.

Das Landestheater Coburg startet am 7. Oktober mit „Good Bayreuth“ in die Schauspielsaison, einer schwarzen Boulevard-Komödie von Oliver Bukowski (Originaltitel: „Bis Denver“), die von Peter Schanz aus dem Niederlausitzschen (!) ins Oberfränkische übertragen wurde. Eine Prise „Arsen und Spitzenhäubchen“ steht zu erwarten! Am 10. November hat, ebenfalls in der Reithalle, ein Schauspiel mit dem Titel „Die fetten Jahre sind vorbei“ Premiere, eingerichtet für die Bühne von Gunnar Dreßler nach dem gleichnamigen Film von Hans Weingartner. Mal schauen, wie diese Geschichte um ein paar Hobbyrevoluzzer ausgeht… Am 16. des Monats folgt „Ein Herz und eine Seele“ nach der gleichnamigen Fernsehserie von Wolfgang Menge, und wir können uns schmunzelnd an das „Ekel“ Alfred erinnern, der die Hauptperson in der ersten deutschen „Sitcom“ verkörperte. Am 24. November hat das Schauspiel „Am Boden“ von George Brant Premiere, in dem es um die fatale Weiterentwicklung der virtuellen Kriegsführung geht. Zwischendurch, am 22. November, schaut schon die Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens herein.

Am Landestheater Dinkelsbühl wurde die Spielzeit am 20. September mit „Marylin Monroes letztes Band“ eröffnet. Die nächste Premiere ist am 18. Oktober mit Nick Halls „Eine glückliche Scheidung“. In dieser turbulenten Komödie kann man lernen, dass eine Scheidung, obwohl gut vorbereitet, zu mancherlei Irrungen und Verwirrungen führen kann. Nach „Arielle, die kleine Meerjungfrau“, einem Stück nach Hans Christian Andersen für die Jüngeren, kommt am 22. November „Manitu drückt ein Auge zu“ auf den Spielplan, eine Komödie mit, um und bei Karl May von Wolfgang Nerude und Christa Margret Rieken. Dass der gefeierte Autor auch zur Hochstapelei neigte, führt zu allerlei Unannehmlichkeiten…

Das Markgrafentheater Erlangen hat seine Saison Ende September mit der Doppelpremiere von Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ und dem Stück „Die bleichen Füchse“ (nach dem Roman von Yannick Haenel) begonnen. Nach mehreren Wiederaufnahmen findet die erste Premiere am 8. November mit Kai Hensels vielgespieltem Klassenzimmerstück „Klamms Krieg“ statt. Am 11.11. folgt Wolfgang Herrndorfs „Tschick“, das sich längst zu einem modernen Klassiker gemausert hat, in einer Version als Live-Hörspiel mit Video.

Das Stadttheater Fürth beginnt sein Schauspielprogramm am 4. November mit Brigitte Bucs Komödie „Hundewetter“, die vom Berliner „Theater und Komödie am Kurfürstendamm“ präsentiert wird. Das Stück verspricht rasanten Wortwitz, klugen Humor und ein starkes Frauentrio um die bekannte Schauspielerin Marion Kracht („Diese Drombuschs“). Die Inszenierung obliegt Martin Woelffer. Ebenfalls aus Berlin kommt das Renaissance Theater, das mit Ronald Harwoods packendem Stück „Entartete Kunst“ den Fall Gurlitt thematisiert, also die Geschichte um die geerbte Sammlung moderner Kunst, die teilweise aus dem Fundus der von den Nationalsozialisten eingezogenen Gemälde stammt. Es inszeniert Torsten Fischer, die Rolle des Cornelius Gurlitt spielt der gefeierte Wiener Burgschauspieler Udo Samel.

Das Theater Hof hat seine Spielzeit im Schauspielsektor mit einem „Insektenkrimi“ unter Titel „Die Wanze“ (!) begonnen. Georg Büchners Drama „Dantons Tod“ erlebt seine Premiere am 7. Oktober. Die Bühnenfassung der französischen Filmkomödie „Der Vorname“ (von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière) steht ab 11. November auf dem Programm. Der Märchenklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (nach dem gleichnamigen deutsch-tschechischen Film von Uli Jäckle für die Bühne eingerichtet) weist ab 28. November schon auf Weihnachten voraus.

Mit einem dichten Premierenprogramm wartet das Staatstheater Nürnberg im Oktober auf. Den Anfang macht Ödön von Horváths Stück „Kasimir und Karoline“, in dem die Gaudi des Oktoberfestes die schlechte Laune eines jungen Mannes nicht aufhellen lässt, der angesichts seiner Arbeitslosigkeit schon ahnt, dass ihm wohl auch die Liebe verloren gehen wird. Georg Schmiedleitner inszeniert, die Premiere ist am 6. Oktober im Schauspielhaus. Tags drauf findet in der BlueBox die Uraufführung von Jörn Klares „Höhenrausch“ statt, einem Stück, das sich kritisch mit dem ewigen „höher, schneller, weiter“ befasst. Am 13. Oktober heißt es in den Kammerspielen „Man muss dankbar sein“, „Ihr könnt froh sein“ und „Wir sind glücklich“. Diese Stücke-Trilogie von Volker Schmidt handelt von der Unbarmherzigkeit einer durchökonomisierten Welt. Der letzte Teil wird in Nürnberg uraufgeführt. Die nächste Produktion des Hauses wird vom scheidenden Schauspieldirektor Kurt Kusenberg verantwortet: „Abgefrackt“, eine tiefschwarze Komödie von Alistair Beaton, in der es um die Kollateralschäden des Fracking geht, und damit um die ungehemmte Profitgier der Großkonzerne. Premiere ist am 21. Oktober.

Das Theater der Stadt Schweinfurt startet am 4. Oktober mit „Dinner for Spinner“ in sein Schauspielprogramm. In der Komödie Francis Vebers, als Gastspiel des Theaters am Dom Köln präsentiert, geht es um absonderliche Gäste, über die sich eine Abendgesellschaft amüsieren will – mit fatalem Ausgang. Am 11./12. Oktober folgt, vom Luxemburger Stadttheater vorgestellt, George Taboris dreiaktiges Stück „Requiem für einen Spion“, das zugleich ein Lebens-Abgesang wie ein pointenreicher Jux ist. Wie schon das Fürther Theater, befasst sich auch das Schweinfurter am 4./6. November mit dem „Fall Cornelius Gurlitt“. Den dokumentarischen Thriller „My Sister Syria“ gibt es in englischer und arabischer Sprache (!) am 8./9. November, und man kann sich denken, dass es in diesem Gastspiel des TNT Theatre London / The American Drama Group um Migration und Terrorismus geht – aber auch um Mut und Widerstand! Nur kurz darauf folgen die „Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling, eine bunte Mischung aus Kritik am Kapitalismus, Schabernack und Freundschaft, ergänzt um viel Musik. Klassiker wie „Notre Dame de Paris“ nach dem Roman Victor Hugos, am 23. November von der Compagnie Théatre Tour de France vorgestellt, und Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ mit vier Vorstellungen am Monatsende schließen das Programm des Zeitraums ab.

Am Mainfranken Theater Würzburg beginnt die neue Schauspielsaison am 1. Oktober mit Shakespeares berühmter Komödie „Was ihr wollt“ in einer Inszenierung von Sigrid Herzog. In den Kammerspielen schließt sich drei Tage später Anthony McCartens „Superhero“ an, die Geschichte um einen kranken Jugendlichen. Am 13. Oktober, ebenfalls in der Kammer, folgt „Gift. Eine Ehegeschichte“ von Lot Vekemans, ein Stück, in dem es um zwei Menschen geht, die erst ein Kind verloren haben und dann sich selbst. Im Großen Haus kommt zwei Tage danach Franz von Kobells Klassiker „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ in einer eigenen Würzburger Fassung heraus. Ab 19. November gibt es eine Wiederbegegnung mit Carlo Collodis unsterblicher Langnase „Pinocchio“, die Regie führt Ramin Anaraki. Die deutschsprachige Erstaufführung von Stijn Devillés „Riefenstahl und Rosenblatt sind tot“ folgt am 23. November. Die Verehrerin des Körperkultes und Nazi-Propagandistin wird in diesem Stück einer jüdischen homosexuellen Kritikerin konfrontiert.

Musiktheater I: Oper

Mit der Premiere einer Neuinszenierung von Giacomo Puccinis „Tosca“ hat am 30. September die Opernsaison am Landestheater Coburg begonnen. Die Monate Oktober und November werden von dieser Produktion und Mozarts wieder aufgenommenem Werk „Die Hochzeit des Figaro“ dominiert.

Das Stadttheater Fürth übernimmt am 31. Oktober die neue „Tosca“ (Puccini) des Landestheaters Coburg als Gastspiel.

Richard Wagners „Der Fliegende Holländer“ hieß Ende September am Theater Hof der Start im Bereich Musiktheater. Wagners 1843 uraufgeführte Oper, die von Einsamkeit und unstillbarer Sehnsucht erzählt, wird in Hof von Reinhardt Friese inszeniert. Die musikalische Leitung hat Walter E. Gugerbauer.

Abermals wendet sich das Staatstheater Nürnberg zu Beginn der neuen Spielzeit der „Grand Opéra“ zu. Hector Berlioz’ „Les Troyens“ ist eine von drei musiktheatralischen Werken, die sich in dieser Saison mit Homers Epen, dem Fall von Troja und der Odyssee beschäftigen. Dass die „Troyens“ lange Zeit als unspielbar galten, wird die Nürnberger Inszenierung sicherlich vergessen machen, obwohl es hier die Erstaufführung ist. GMD Marcus Bosch steht nämlich am Dirigentenpult, und die Inszenierung liegt in den Händen von Starregisseur Calixto Bieito, dem allemal Ungewöhnliches zu diesem Werk einfallen wird. Premiere ist am 8. Oktober, eine Publikumstagung unter dem Titel „Krieg, Irrfahrt und Heimkehr“ findet begleitend statt.

Das erste Operngastspiel am Theater der Stadt Schweinfurt findet vom 17. – 20. Oktober statt: „Hoffmanns Erzählungen“, die Phantastische Oper von Jacques Offenbach, wird von der Tschechischen Oper Prag / Oper Liberec präsentiert.

Ab 7. Oktober wird am Mainfranken Theater Würzburg wieder einmal über die (vermeintliche?) Untreue der Frauen philosophiert. Mozarts unsterbliche Oper „Cosí fan tutte“ kommt nämlich in einer Neuinszenierung von Martina Veh auf den Spielplan, und die trägt bekanntlich den Untertitel „Schule der Liebenden“. Enrico Calesso wird diese Neuproduktion dirigieren.

Musiktheater II: Operette und Musical

Am Landestheater Coburg wird ab 14. Oktober das Rock’n-Roll-Musical „A Spider Murphy Story“ mit den Songs der Spider Murphy Gang von Matthias Straub und Rüdiger Eisenhauer aus der Taufe gehoben. Es erzählt von einer Zeit, als es noch nicht selbstverständlich war, dass man als Teenager „einfach so“ in die Großstadt zog, aber die Musik in der Provinz einen Weg bot, aus der Kleinstadtwelt auszubrechen. Am 19. November wird im Rahmen einer Matinee bereits ein Vorgeschmack auf die nächste Operettenpremiere gegeben: Franz Léhars „Das Land des Lächelns“ (Premiere ist erst am 2. Dezember).

Das Stadttheater Fürth stellt vom 14. bis 22. Oktober eine Eigenproduktion vor, das Musical „Die Story meines Lebens“ von Neil Bertram (Musik) und Brina Hill (Texte), das erst 2006 in Toronto uraufgeführt wurde. Die musikalische Leitung hat Stephan Sieveking, die Inszenierung besorgt Martin Maria Blau. Ende November gibt es vier Mal ein Gastspiel der Kammeroper München, die die Operette „Charleys Tante“ nach dem Lustspiel von Brandon Thomas aufführt. Nabil Shehata dirigiert, Dominik Wilgenbus hat das Stück inszeniert.

Am Theater Hof wagt man sich ab dem 8. Oktober an die artverwandte, aber seltener anzutreffende Gattung der Revue. Beth Gillelands und Bob Beverages „Sisters of Swing – Die Geschichte der Andrew Sisters“, arrangiert von Raymond Berg, wird es erstmals in Hof geben. Am 28. Oktober kommt das neue Musical „Rasputin“ heraus. Paul Graham Brown, dem vor drei Jahren mit dem „Großen Houdini“ ein großer Erfolg in Hof gelungen ist, begibt sich mit einer weiteren Uraufführung auf die Spuren des mysteriösen Mönchs.

Operettenfreunde müssen sich am Staatstheater Nürnberg bezüglich einer Neuinszenierung noch bis zum 5. November gedulden, doch dann kommt mit Franz Léhars „Die lustige Witwe“ ein Klassiker auf die Bühne, dessen Melodien einen immer wieder schwelgen lassen. Und erst die Geschichte: Hanna verdreht ganz Paris den Kopf! Diese Operette wurde bereits 1906 erstmals in Nürnberg aufgeführt. Guido Johannes Rumstadt dirigiert, Thomas Enzinger inszeniert.

Am Rosenthal Theater Selb kommen zu Saisonbeginn die Musicalfreunde besonders intensiv auf ihre Kosten. Am 7. Oktober präsentiert das COCOMICO Theater Köln mit „Lauras Stern – Das Musical“ ein beschwingtes Stück für alle Altersklassen, also für die ganze Familie. Am 24. Oktober folgt das Kult-Musical „The Blues Brothers“ nach dem Film von John Landis mit seinen vielen legendären Hits.

Ballett und Tanztheater

Am Landestheater Coburg hat am 28. Oktober die neue Choreographie „Afterdark“ von Compagniechef Mark McClain Premiere. Der Stoff dazu entstammt einem Roman von Haruki Murakami und handelt von dessen Nachtgestalten: das junge Mädchen und der Musiker, die Geschäftsführerin eines Love-Hotels, die misshandelte chinesische Prostituierte und Büroangestellte.

Das Stadttheater Fürth hat für den Bereich Ballett/Tanztheater das „Danish Dance Theater“ eingeladen. Vom 22. bis 26. November werden zwei Choreographien von dessen künstlerischem Leiter Tim Rushton gezeigt: „Firebird“ mit der Musik von Igor Strawinsky und „Kridt“ nach dem Stück „Musicus Adventus“ von Peteris Vasks.

Kurt Schrepfers Tanzstück „On the Rocks“ wurde am Theater Hof wieder aufgenommen und überbrückt für die Ballettfreunde die Wartezeit bis zur nächsten Premiere (von Prokofjews „Romeo und Julia“) im Januar.

Auf die Uraufführung von Goyo Monteros neuem Tanzstück „Dürer’s Dog“ am Staatstheater Nürnberg müssen die Ballettfreunde noch bis Anfang Dezember warten, doch inzwischen darf man sich mit der Wiederaufnahme (ab 14. Oktober) von Monteros „Don Quijote“ trösten.

Tanztheater aus Südafrika lässt sich am 20./21. November im Theater der Stadt Schweinfurt bestaunen. „The Dance Factory“ aus Johannesburg kommt mit seinem Programm „Dada Masilo: Swan Lake“ nach Schweinfurt, die Musik dazu stammt von Tschaikowsky, Saint-Saens, Arvo Pärt und Steve Reich.

Bekanntlich können die Compagnien selten schon zu Saisonbeginn mit einer neuen Choreographie aufwarten. Am Mainfranken Theater Würzburg ist man insofern früh dran, wenn bereits am 31. Oktober die neue Produktion des Hauses Premiere hat: „Blaubart - - Sacre“ heißt der Titel der neuen Ballettproduktion Anna Vitas, der mithin die Musik Bartóks (Herzog Blaubarts Burg) und Strawinskys (Sacre du printemps) zugrunde liegt. Die Compagniechefin führt in ihrem Neuling selbst Regie, die musikalische Leitung obliegt Enrico Calesso.

Blick nach Thüringen

Das Theater Erfurt geht unter dem Motto „Auf gut Deutsch?“ in die nächste Spielzeit – bzw. hat sie längst begonnen aufgrund des im Vergleich zu Bayern erheblich früheren Ferien-endes in Thüringen. Bereits am 2. September hatte eine neue Mozartsche „Zauberflöte“ Premiere, und die entspricht als Oper mit deutschen Singspiel-Elementen durchaus dem im Saisonmotto Gemeinten. Weniger ausgetretene Pfade betritt das Theater mit der zweiten Neuproduktion, die in Zusammenarbeit mit den Opernhäusern zu Nizza und Linz entstanden ist: „Medea“ von Luigi Cherubini. Kurios ist, dass diese Oper ursprünglich in französischer Sprache entstand und erst über eine deutsche Bearbeitung ins Italienische übersetzt wurde. Damit feierte die Callas in den fünfziger Jahren große Erfolge.

Auch das Staatstheater Meiningen hat längst die Sommerpause beendet und nicht weniger als zwei Opern, eine Revue und eine „Bühnensage“ vorgestellt: Puccinis „Tosca“, „Theater, Tod und Teufel“ (von Aron Craemer und Mandy Rudky), Ligetis „Le grand macabre“ und „Kleiner Mann – was nun?“ nach Hans Fallada (von Tankred Dorst und Peter Zadek). Im Oktober wartet in den Kammerspielen das Stück „Wir sind jung. Wir sind stark“ (nach dem Film von Burhan Qurbani) und im Großen Haus das Weihnachtsmärchen „Jim Knopf und Lukas…“ (nach Michael Ende) auf das zum Teil von weit her nach Meiningen anreisende Publikum. Am 17. November steht die Premiere von Mozarts „Cosí fan tutte“ an, inszeniert von Anthony Pilavacchi und musikalisch geleitet von Mario Hartmuth.

Bereits im August ist das Nationaltheater Weimar sehr umtriebig gewesen, aber das hängt natürlich vor allem mit dem „Kunstfest Weimar“ zusammen, das den Sommer dominiert. Eine wichtige Musiktheaterpremiere fand am 3. September statt: Leonard Bernsteins „Candide“. Im Schauspielbereich wurden die Uraufführungen der Komödie „Bombenstimmung“ von Jan Neumann und des Stückes „Bambule im Herbst“ von Dirk Laucke vorgestellt. Der Oktober bringt eine Reihe von Wiederaufnahmen, der November an Neuigkeiten zunächst einen „Michael Kohlhaas“ nach Kleists Novelle (9.11.), dann Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas“ (16.11.) und schließlich die Uraufführung von „Unterleuten“ nach dem Roman von Juli Zeh (18.11.).

 

Fotocredits:
Landestheater Coburg, Großes Haus - Innenansicht, Foto © Andrea Kemper
ETA Hoffmann-Theater in Bamberg, Foto © Thomas Bachmann

 

Martin Köhl
04.10.2017

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