Großes Werk trifft kleine Stadt

Runde sieben für die Shakespeare-Spiele-Ludwigsstadt

Großes Werk trifft kleine Stadt

 „Nennt mich was für ein Instrument ihr wollt, ihr könnt mich zwar verstimmen, aber nicht auf mir spielen.“ Ob Martin Leistner noch immer verstimmt ist, weil er die Kronacher Faust-Festspiele vor zwei Jahren als künstlerischer Leiter abgegeben hat, wissen wir nicht. Denn „der Rest ist Schweigen.“ Ist aber auch unwichtig, weil die Zeit für den Regisseur und Schauspieler keineswegs stehengeblieben ist. Seit 2011 leitet er in Ludwigsstadt das „kleinste Theaterfestival der Welt“ und führt dort fort, was schon in Kronach so fabelhaft funktionierte: er bringt die Klassiker der Weltliteratur auf die Bühne und zwar so kurzweilig und unterhaltsam wie nur möglich. In diesem Fall jene des wohl berühmtestes Dramatikers, den die Welt bisher gesehen hat. Im Oktober ist es wieder soweit, die Shakespeare-Spiele Ludwigsstadt gehen in die nächste Runde. Auf dem Programm steht – die Zitate lassen es vermuten – „Hamlet“. Gesprochen wird Ludschter Dialekt. Fränkisch, Thüringisch oder gar Hochdeutsch kann ja jeder, Ludscht nur der Ludwigsstädter. So ist vom 4. bis 15. Oktober wieder mal etwas faul im Staate Dänemark. Nach „Die beiden Veroneser“ (2011), „Macbeth“ (2013) oder „Das Wintermärchen“ im vergangenen Jahr, wagt sich Leistner nun also an eines der größten aller literarischen Werke. Reizvoll sei dabei vor allem die Vielschichtigkeit des Werkes, das sich auf mehreren Bedeutungsebenen abspielt und nicht nur als bloße Tragödie, sondern auch als Horror- und Geistergeschichte, Krimi mit komödiantischen Zügen und philosophisches Werk zu begreifen ist. Wie Daniel Leistner und sein Ensemble den opulenten Bühnenstoff umzusetzen vermag, darauf kann man gespannt sein. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sowohl Publikum als auch Kritiker von Leistners Inszenierungen überaus angetan sind. „Mitreißend, packend und berührend. Theater pur. Theater wie Kino!“ und „volksnah im besten Sinne“ – das kann (und will) Leistner wie kein Zweiter. Den Beweis wird er im Herbst erneut antreten.

Weitere Informationen und Karten gibt es im Rathaus und Schiefermuseum Ludwigsstadt, im Reisebüro Schnapp sowie unter der Telefonnummer 09263 94925 oder im Internet unter www.shakespeare-spiele-ludwigsstadt.de.

Information:

Bis 2015 leitete Daniel Leistner die Faust-Festspiele in Kronach, die es noch immer gibt, nunmehr allerdings unter neuem Namen (Rosenberg-Festspiele Kronach) und Programm laufen. Seit 2017 ist Leistner nicht mehr nur Intendant bei den Shakespeare-Spielen Ludwigsstadt, sondern zeichnet auch verantwortlich für die neu gegründeten Faust-Festspiele-Pegnitz auf dem Pegnitzer Schlossberg, die heuer im Zeitraum von Juli bis September erstmals stattfanden, jedoch das alte Kronacher Konzept verfolgen und das Programm rund um Leistners legendären „Faust I“ weben.
 


Fotocredits:
Shakespeare-Spiele in Ludwigsstadt, Foto © Frank Wunderatsch

Franziska Krause-Gurk
04.10.2017

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