Eine fränkische Galeristin auf den Spuren ägyptischer Kunst

Kunst am Nil – Als deutsche Galeristin in Ägypten

Eine fränkische Galeristin auf den Spuren ägyptischer Kunst

 Kairo, September 1981: Die aus Bamberg stammende Germanistin und Lehrerin Ursula Schernig wagt den großen Schritt und zieht, gemeinsam mit ihrer Familie, von ihrer Wahlheimatstadt Fürth in die Metropole am Nil. Kairo has calling, ihr Mann ergattert für mehrere Jahre eine Stelle als Lehrer an der Deutschen Schule. Das Abenteuer Ägypten ruft. Und Ursula Schernig soll schließlich die erste Galeristin in Kairo werden, die sich der zeitgenössischen ägyptischen Kunst widmet.

Inzwischen lebt sie wieder in Fürth, der Arabische Frühling 2011 ließ sie die Zelte im lieb gewonnen Kairo endgültig abbrechen, die Situation dort war nicht mehr tragbar, der Alltag von Angst regiert. Wieder in der alten Heimat angekommen, treibt es die energiegeladene, inzwischen Mitte-80-jährige Frau aber immer noch um. Sie schreibt ein Buch über ihre Zeit in Ägypten, um das Erlebte zu verarbeiten, Revue passieren zu lassen und um auf Ägypten – die ferne, fremde Welt – neugierig und aufmerksam zu machen. Und das ist ihr gelungen. Die 360 Seiten des Buches sind eine Liebeserklärung an das Land der Pharaonen, aber keine uneingeschränkte. Kritisch und klar blickt die Fürtherin, die auch unter den hiesigen Galeristen keine Unbekannte ist, zurück auf ihre Zeit am Nil unter der Herrschaft Mubaraks.

Dabei berichtet sie nicht nur über die zeitgenössische ägyptische Kunst und den Kunstbetrieb (der lange brauchte, bis er sich von der Nasser-Zeit erholte), die Künstler und deren Wahrnehmung in Ägypten und im Ausland, sondern auch vom Land selbst und dessen Eigenheiten. Und auch von mitunter skurrilen Begebenheiten, die den Leser hin und wieder schmunzeln lassen. „Kunst am Nil“ ist ein biographischer Zeitzeugenbericht einer aufmerksamen Beobachterin und – dieses Urteil lässt die Lektüre des Buches zu – gleichsam eine lebenshungrige Pionierin und Macherin, Kunst- und Menschenkennerin.

 

Ursula Schernig: Kunst am Nil – Als deutsche Galeristin in Ägypten, Verlag M. G. Schmitz Nordstrand, Deutsch, 361 Seiten, 22,00 €, ISBN: 978-3-944854-30-4

Franziska Krause-Gurk
06.10.2017

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