Wolfgang Haffner - Kind Of Spain

(ACT)

Wolfgang Haffner - Kind Of Spain

 „Kind Of Spain“ – das ist Wolfgang Haffners neues Album nach „Kind Of Cool“ (2015). Spanisch kommen einem die 13 Tracks aber nicht zwangsläufig alle vor. Soll heißen, die Mischung aus traditionellem Jazz und spanischen Elementen ist wohl definiert und ausgewogen. Haffner und seine Akustik-Combo, bestehend aus Sebastian Studnitzky (Trompete), Lars Danielsson (Bass), Jan Lundgren (Piano), Daniel Stelter (Gitarre) und Christopher Dell (Vibrafon) streifen dabei mehrfach die Jazzgeschichte – als Hommage an Jazzlegenden wie Chick Corea oder dem großen spanischen Gitarristen und musikalischen Wegbereiter Francisco Tàrrega. Und natürlich gehören auch eigene Kompositionen von Haffner und seinen Band-Kollegen zum Album-Repertoire.

Mit „For Vince & Arif“, ein Tribut an den Komponisten Vince Mendoza und US-Starproduzenten Arif Mardin, deren Plattenarrangement „Jazzpaña“ dem damals noch jungen Label ATC in den 1990ern die ersten zwei Grammy-Nominierungen einbrachte, und „Pasodoble“ startet „Kind Of Spain“ mit viel Esprit, inklusive Flamenco-Handclaps in spanische Klangwelten, die mit „El Faro“ wieder etwas abebben, aber immer noch präsent sind. Spätestens „Children Of Sanchez“ lädt schließlich dazu ein, sich vom Sofa (in mediterrane Gefilde) wegzuträumen. „El Vito“, ein traditionelles andalusisches Stück, macht Lust auf Flamenco und darauf, das Sofa wieder zu verlassen, während „El Chaos“ etwas braucht, um in die Gänge zu kommen. Dann aber bahnt sich das Chaos seinen Weg zum geneigten Zuhörer. Die zweite Albumhälfte wird durch überwiegend ruhige, entspannte Melodien, mitunter auch nachdenkliche Töne dominiert und schließt mit dem wundervoll-sanften „Capricho Arabe“ ab.

Gesetzt den Fall man kann der Paarung von (Flamenco-)Gitarre und Vibrafon etwas abgewinnen, ist „Kind Of Spain“ das perfekte Album für sonnige Frühherbstabende, von denen wir mit viel Beten und Hoffen ja vielleicht doch noch welche haben werden. Hören und einkuscheln geht aber auch.

Franziska Krause-Gurk
06.10.2017

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