Hamilton de Holanda Quinteto - Casa de Bituca

MPS/Edel

Hamilton de Holanda Quinteto - Casa de Bituca

 Der 1976 in Rio de Janeiro geborene Mandolinenspieler Hamilton de Holanda begann seine Karriere als Musiker früh. Der Sohn eines Musikers wurde selbst einer: Schon mit fünf Jahren fand er sein Instrument. Ein ungewöhnliches: die Mandoline. „Das Musikmachen lernte ich noch, bevor ich schreiben konnte“, sagte er einmal. „Das war unsere Form der Kommunikation zu Hause.“

Mit Bands hat er gespielt, als Solist ist er aufgetreten, als Studiomusiker, als Teil eines Jazztrios – seine Diskographie wird immer länger. Und nun ist wieder ist ein neues Album erschienen, das ein weiteres Mal zeigt, welche Grenzen Holanda immer wieder gerne überschreitet: Bossa? Samba? Choro? Rock? Klassik? Jazz? Pop? All das ist in seiner Musik. All das verbindet er mit dem speziell für ihn gebauten, 10-saitigen – statt 8-saitigen – Instrument.

Das neue Werk spannt erneut den Bogen vom Choro, der sich im späten 19. Jahrhundert in der Gegend um Rio de Janeiro entwickelt hat – bis zum modernen Jazz. „Tradition“ und „Moderne“ sind Kategorien, die Holanda in seinem Spiel aufzulösen scheint.

In besonderer Weise ist das neue Album „Casa de Bituca“ auch als Tribut an den Gitarristen und Sänger Milton Nascimento zu verstehen, der auf zwei Songs selbst zu hören ist und von dem fast alle Stücke des Albums stammen. Nur zwei Lieder sind von Holanda selbst, darunter das berührende „Mar de Indeferença“, in dem er das Schicksal des auf der Flucht nach Europa ertrunkenen syrischen Kindes Ayam Kurdi besingt.

Holanda spielt auf dem Album vor allem frühe Stücke von Milton Nascimento, den man in Brasilien „Bituca“ nennt: melancholische, tiefsinnige Musik, die das Werk Nascimentos vollendet in die Gegenwart trägt. Dazu dann flirrende, treibende Stücke, die sich stets dem freien Jazz zuneigen, die dem Werk Nascimentos jede Menge Improvisation einimpfen. Schon jetzt eines der wichtigsten brasilianischen Alben des Jahres.

Marc Peschke
01.12.2017

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