Ein Edler unter Bauern

35 Jahre Florian Geyer Festspiele

Ein Edler unter Bauern

 Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Diese Parole, die viele von uns untrennbar mit der französischen Revolution von 1789 in Verbindung bringen, war schon 260 Jahre zuvor die Triebfeder für einen heute fast vergessenen Aufstand, den Bauernkrieg.

Am Anfang des 16. Jahrhunderts, als der größte Teil der Bevölkerung aus Landbevölkerung besteht, die mit ihren Abgaben den Staat finanzieren, aber in politischen Fragen keinerlei Mitspracherechte haben, berufen sich die Bauern, beeinflusst von den beiden Reformatoren Luther und Zwingli, auf das sogenannte „göttliche Recht“ und legen ihren Lehnsherren ihre Beschwerden und Forderungen, in zwölf Artikeln zusammengefasst, vor. Deren Ignoranz ist der Anlass für eine langwierige und sehr blutige Auseinandersetzung, an deren Ende die Niederschlagung des Aufstandes steht. Etwa 70.000 Bauern sterben für den Versuch mehr Lebensgerechtigkeit zu erstreiten.

Bei den Giebelstadter Festspielen wird ein Teilaspekt des Bauernkrieges nacherzählt, die Geschichte des Ritters Florian Geier von Giebelstadt, der sich zum Unterstützer der Bauern wandelt und der versucht ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und der, glaubt man den Überlieferungen, 35-jährig bei einem Raubüberfall ums Leben kommt. Wie wohl, sein Leichnam und seine Grabstätte wurden bis heute nicht gefunden.

Auf den Rängen der Freilichtbühne in Giebelstadt können die Zuschauer aus nächster Nähe mitverfolgen, wie der Regisseur Renier Baaken dem geschichtsträchtigen Ereignis auch in diesem Jahr wieder Leben einhaucht. Knallige Pyrotechnik, mutige Reiter und eine waghalsige Stunttruppe runden das Vergnügen ab. Eine Geschichtsstunde der besonderen Art.

Copyright Foto: © Florian Geyer Festspiele

Ludwig Märthesheimer
23.06.2014

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