Uraufführung auf den Domstufen

„Jedermann“ als Rock-Oper

Uraufführung auf den Domstufen

Die Domstufenfestpiele in Erfurt können in diesem Jahr mit einer Welturaufführung aufwarten. Am 10. Juli um 20.30 Uhr hat „Jedermann“ Premiere, und zwar in einer gewagten Version als Rockoper. Es ist ein Auftragswerk des Theaters Erfurt. Der Text, nach Hugo von Hofmannsthal, stammt aus der Feder von Peter Lund, die Musik von Wolfgang Böhmer.

 

„Von der Kunst, das rechte Sterben zu lernen“ lautet der Untertitel, den der mittelalterliche, ursprünglich aus England stammende Theaterstoff „Everyman“ erhalten hat, lange bevor er es in der Fassung von Hugo von Hofmannsthal zu literarischen Weltruhm brachte.

 

Dieses Motto steht auch über der musikalischen Neuinterpretation von Böhmer und Lund. Basierend auf den Aufführungen vor dem Salzburger Dom und nicht zuletzt inspiriert durch die Inszenierung des bekannten Textes von Hugo von Hofmannsthal auf den Erfurter Domstufen im Jahre 2000 entstand eine neue Lesart der Geschichte. Der Text dieser Rockoper stammt von dem renommierten Berliner Theaterautor und Regisseur Peter Lund. In der Verbindung von sinfonischem Orchesterklang (es spielt das Philharmonische Orchester Erfurt) und dem Sound einer Rockband (die Gruppe Lidenbrock) hat Wolfgang Böhmer eine Musik geschaffen, die die Grenzen zwischen Oper und Musical vergessen macht.

 

Auch der Komponist und Arrangeur Böhmer ist in Berlin zuhause. Er widmet sich vor allem dem Genre des intelligenten und zugleich unterhaltenden Musiktheaters. Er war Mitbegründer der legendären Musical-Company „College of Hearts“ und entwickelte hier seinen speziellen Stil eines satirischen, beißend ironischen Westentaschenmusicals. Seit 1993 arbeitet Wolfgang Böhmer regelmäßig an der „Neuköllner Oper“ in Berlin. Hier entstanden zusammen mit dem Librettisten, Liedtexter und Regisseur Peter Lund eine Reihe von einzigartigen Musicals.

 

Die musikalische Gesamtleitung liegt in den Händen von Jürgen Grimm, der zu den gefragtesten Begleitern und Arrangeuren in Deutschland zählt. 1994 wurde er Keyboarder in Bob Brookmeyers „New Art Orchestra“. Es folgten Tourneen und Radio- sowie Fernsehaufzeichnungen mit Größen wie Gerry Mulligan und Clark Terry. Zu hören ist er außerdem bei Konzerten und CD-Produktionen mit Anne Sofie von Otter und der großartigen Big Band des Hessischen Rundfunks. Als Arrangeur und musikalischer Leiter war Grimm tätig für Dionne Warwick, Annett Louisan, Barbara Schöneberger, das WDR-Rundfunkorchester und das ziemlich phänomenale Mahler Chamber Orchestra.

 

In der Titelrolle ist Andreas Lichtenberger zu erleben. Er gehörte zunächst dem Schauspielensemble des Staatstheaters Stuttgart an, orientierte sich dann neu und wechselte, mit enormem Erfolg, das Genre. Inzwischen gilt Lichtenberger als einer der begehrtesten Musicaldarsteller in Deutschland. An der Nürnberger Staatsoper verkörperte er die Titelrolle in „Der Mann von La Mancha“.

 

Der Tod hat gerufen. Jedermann soll sterben. Damit hat Jedermann nicht gerechnet, denn er steht in der Blüte seiner Jahre, ist erfolgreich, wohlhabend und wird gesellschaftlich geschätzt. Hat er denn nicht alles richtig gemacht? Hat er Stellung und Besitz nicht hart erarbeitet? Wie kann der Tod es wagen, ihm all das zu nehmen? Mag sein, dass er hätte gütiger sein sollen oder gottgefälliger. Nichts mehr ist sicher, wenn der Tod plötzlich vor der Tür steht. Wo Jedermanns letzte Reise hingeht, weiß nur der Tod.

 

Am 8. Juli um 19.30 Uhr führt der Musikwissenschaftler Helmut Loos in die Rockoper ein. Der Chefdramaturg des Theaters Erfurt gibt Auskunft über die Besonderheiten der Inszenierung. Und die DomStufen-Ausstellung in der Helaba stimmt in bewährter Weise auf die Festspielaufführung ein. Unter dem Titel „Jedermann rockt die Domstufen“ werden das Bühnenbildmodell, Entwürfe für Bühne und Kostüme sowie Informationen zu Komponist und Werk in Text und Bild präsentiert.

 

„Domino“ heißen die DomStufen-Festspiele für die Kleinen. Die Kinderoper „Die Omama im Apfelbaum“ feiert am 13. Juli um 16.30 Uhr am Domplatz Premiere. Die von Elisabeth Naske 2007 komponierte Oper handelt von den schwierigen Schritten aus einer Traumwelt hinaus zu der Übernahme von Verantwortung. Da Andi keine Oma hat, erfindet er sich eine und erträumt sich mit ihr im Apfelbaum spannende Abenteuer. Als eine alte Dame nebenan einzieht, die Andis Hilfe benötigt, übernimmt er Verantwortung und spürt, dass er gar keine Fantasie-Oma braucht. Ein Stück, das unterhält und doch zum Nachdenken anregt. So soll es sein!

 

Copyright Foto: © Lutz Edelhoff

 

Jürgen Gräßer
23.06.2014

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