Von Nierensteinen und gutem Brot

Mit Montaigne durch Frankreich und Italien

Von Nierensteinen und gutem Brot

 Zu den Klassikern der Frankreich (und Italien) in den Blick nehmenden Reiseliteratur zählt zweifelsohne Laurence Sternes „Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien“ (1768; bereits im gleichen Jahr ins Deutsche gebracht von Johann Joachim Christoph Bode). Der Protagonist des letzten Romans von Sterne, sein Alter Ego, ist freilich kaum über Paris hinausgekommen. Anders war das knapp zwei Jahrhunderte zuvor bei Michel de Montaigne (den Bode ebenfalls übertragen hat, dessen Hauptwerk, die „Essais“), der sich wie Yorick/Sterne aus gesundheitlichen Gründen – es plagen ihn Koliken, und von ausgeschiedenen Steinen berichtet Montaigne immer wieder – „nach dem Essen“ am „Montag, den fünften September 1580“ von Beaumont bei Paris aufmacht zu einer „Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland“. Sein an Details reiches, sein unterhaltsames, sein üppiges und sowohl auf Französisch als auch, in Teilen, auf Italienisch verfasstes Tagebuch dieser Reise ist nun als dreihundertneunundvierzigster Band in der Anderen Bibliothek (das heißt: handwerklich hervorragend gemacht, auch editorisch und philologisch genau) erschienen. Nichts, hat Montaigne notiert, schade seiner Gesundheit mehr als Langeweile und Müßiggang. Die Berichte über Bäder und Blähungen, über die Qualität von Wein und Brot lassen beim Leser keinerlei ennui aufkommen.

Michel de Montaigne, Tagebuch der Reise nach Italien. Übersetzt und mit einem Essay von Hans Stilett. Berlin: Die Andere Bibliothek, 2014. 492 Seiten, 38 Euro.

Copyright Fotomontage: © 2mcon märthesheimer consulting

Jürgen Gräßer
23.06.2014

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