Brunos sechster Fall im Périgord

Zwischen Résistance-Raub und Atomwaffen

Brunos sechster Fall im Périgord

Geboren ist Michel de Montaigne (1533 bis 1592), der große Essayist, Philosoph, Politiker und eben auch Reiseschriftsteller, auf dem Familienstammsitz Schloss Montaigne im Périgord. Und im Périgord, das von Touristen noch immer häufig und völlig zu Unrecht links liegen gelassen wird, spielen (bekanntlich, muss man nach nun sechs Fällen hinzufügen) die Kriminalromane von Martin Walker. In deren Zentrum steht Bruno, überaus sympathischer Chef de police von Saint-Denis, (noch) Junggeselle, Gourmet, Koch, Tierfreund (ohne Hund, ohne Pferd, ohne seine beiden Napoléon und Joséphine geheißenen Gänse ist er kaum zu denken; auch kann Bruno die „Grasmücken, Wiedehopfe, Heidelerchen und Spechte an ihren Stimmen unterscheiden“). Wie schon oft verknüpft Walker auch in „Reiner Wein“ wieder die reiche Geschichte dieses Landstrichs im Südwesten Frankreichs mit der Gegenwart. Ein historisch verbürgter Eisenbahnüberfall durch die Résistance und die Frage nach dem Verbleib der Beute stehen im Zentrum. Zu den weiteren Zutaten zählen Frankreichs Atompolitik, aus verlassenen Ferienhäusern reicher Engländer entwendete Antiquitäten und hochklassige Weine, sodann Zucchini, Jakobsmuscheln, Schinken, Lamm und die Liebe in zahlreichen homo- und heterosexuellen Spielarten. Bon appetit!

Martin Walker, Reiner Wein. Der sechste Fall für Bruno, Chef de Police. Aus dem Englischen von Michael Windgassen. Zürich: Diogenes, 2014. 416 Seiten, 22,90 Euro.

Fotomontage: © 2mcon märthesheimer consulting

Jürgen Gräßer
23.06.2014

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